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Test & Technik

Kurze Tourenkajaks

Sie sind die Kleinwagen des Kanusports und erfreuen sich wachsender Beliebtheit: kompakte Tourenkajaks unterhalb der Vier-Meter-Marke. Die Länge sorgt für leichtes Handling in der Flusskurve, auf dem Autodach und im Bootsschuppen, die respektable Breite für ungekannte Endstabilität.

Gestestet wurde auf dem fotogenen Eibsee und auf der zackig strömenden Loisach.
Foto: Michael Neumann

Die Ära der noch vielerorts im Einsatz befindlichen historischen Wanderkajaks mit den runden Steven, bei denen Bug und Heck nur durch die Einbaurichtung des Sitzes erkennbar sind, ist endgültig vorbei. Denn die neue Generation handlicher Wanderboote bietet – bei Längen bis unter drei Meter – einen stabileren Geradeauslauf, mehr Sitzkomfort und Kentersicherheit als alle in den Bootshäusern unserer Republik auf arglose Anfänger lauernde Einheitsboote zusammen.

 

International ist diese schmucke Bootsklasse unter dem Namen »Recboats« (Engl. für recreational boats = Freizeitboote) bekannt. Sie verfügen zumeist über wenigstens ein abgeschottetes Gepäckabteil, in dem die Picknickutensilien wassergeschützt verstaut werden können. Die Einstiegs­luken sind so groß, dass die Phobie des Paddlers, im unwahrscheinlichen Fall einer Kenterung das Boot nicht schnell genug verlassen zu können, völlig unbegründet ist. Zäumt man das Pferd von hinten auf, resultiert aus den großen Luken natürlich ebenfalls ein leichter Einstieg auch an schwierigen Stellen. Erst Platz nehmen, dann die Beine verstauen ist in den meisten Kompakttourern ein Leichtes. Die oft weich gepolsterten und mehrfach verstellbaren Sitze ermöglichen stundenlange, beschwerdefreie Fahrten bei wechselnden Positionen, ohne dass irgendwelche Ecken und Kanten die Unterschenkel des Wasserwanderers malträtieren.

Länge läuft nicht immer

 

Die verwendeten Materialien wie Leicht-PE (Wilderness) und vakuumverpresstes Glas-Kevlar-Graphit-Gemisch (Kestrel) sorgen für geringere bis erträgliche Bootsgewichte bei gleichzeitig hoher Bruch- und Abriebfestigkeit bei Grundberührungen und Steinkontakten. Auch die Formgebung der Unterwasserschiffe hat sich grundlegend geändert: Flache, breite Querschnitte in Bootsmitte gehen abrupt in scharfe Bug- und Hecksteven über und sorgen einerseits für nervenschonende Kippsicherheit, andererseits für Spurtreue und geringeren Wasserwiderstand. Das einst typische Anfänger-Martyrium des Im-Kreis-Fahrens und fortwährenden Kenterns bleibt dem Paddelneuling von heute erspart.

 

Wer nun glaubt, mit den Kompakttourern ist eine neue Bootsklasse dabei, sich zu etablieren, irrt jedoch. Bereits Mitte des vorletzten Jahrhunderts (um 1865) trieb sich ein gewisser John McGregor auf europäischen Flüssen mit einem Holzkajak herum, das bei deutlichem Hinschauen verblüffende Ähnlichkeiten mit einem gewissen Pungo von Wilderness Systems aufweist. Dieses Holzboot, bekannt als »Rob Roy«, ist der Vorläufer der modernen »Freizeitkajaks« und McGregor selbst somit der erste »Recboater« der euro­päischen Kanugeschichte. Der Einsatzbereich der Kompakttourer ist deutlich größer, als ihre Länge vermuten lässt. Zum einen eignen sich zumindest die günstigen PE-Modelle trefflich für den Kanuverleih und als Investi­tion in die Vereinsflotte. Zum anderen sprechen sie all jene an, die weder auf dem Autodach ihres Fiat Panda noch im Kellerabteil ihrer Mietswohnung Platz in (bzw. für) Hülle und Fülle haben. Aber auch Kleinflusspiraten, die nicht jeden Schwall umtragen, profitieren vom Handling und der enormen Kippstabilität. Und selbst der ambitionierte Tourenpaddler, der lieber eine Feierabendtour mehr macht, als mit Sack und Pack an TID & Co. teilzunehmen, kann den Kauf eines Kompakttourers in Erwägung ziehen.

Übersicht: Tourenkajaks im Test

Tempo und Fahrverhalten

 

Ein 5,5 Meter langes Seekajak ist nur dann schneller, wenn der Paddler, der drin sitzt, auch den notwendigen Schub leistet, um das Boot auf Fahrt zu bringen. Das größere Geschwindigkeitspotenzial von längeren Booten gegenüber kürzeren kommt erst zum Tragen bei »Volle Kraft voraus«. Verfügt der Paddler aber nur über »Halbe Kraft«, so fährt sein Boot nicht schneller als ein kürzeres. Versuche im Schleppkanal haben gezeigt, dass bei normalem Dauer-Spazierfahrttempo Boote von sehr unterschiedlicher Länge annähernd die gleichen Wider­standswerte liefern. Für die Praxis bedeutet dies, dass der alte 4-Meter-Taifun ganz locker nebe­n den langen Seekajaks herfährt, bis diese zu einem ihrer rituellen Zwischensprints ansetzen und ein paar Meter Vorsprung herausfahren. Dann ist die Welt wieder in Ordnung. Die für diesen Test ausgewählten Kajaks zeigen die ganze Bandbreite der Bootsklasse und sind nicht unmittelbar vergleichbar. Zwischen einem nur 3 Meter langen, aber 72 cm breiten Riot Quest und einem schlanken, aber 70 cm längeren Perception Carolina liegen natürlich Welten und der langjährige Paddler und KANU-Stammleser würde sich wohl stets für den Perception entscheiden. Einsteigern hingegen, die dem Kanusport bisher argwöhnisch gegenüberstanden, versprechen Riot Quest und Feelfree X-Press sofortige Erfolgs­erlebnisse. Diese Boote stehen somit auch jedem Verein gut zu Gesicht, der am Tag der offenen Tür neue Mitglieder rekrutieren will.

Alle Einzeltestberichte im Überblick

Current Design Kestrel

Der Kestrel 120 Hybrid aus der kanadischen Manufaktur Current ...

Feelfree X-Press

Ein lustiges Boot mit enormer Kippstabilität für die­jenigen, ...

Perception Carolina 12 EXP

Ein hochseriöses Tourenboot mit erstklassiger Ausstattung und ...

Riot Quest Expedition

Ein besonders handlicher wie quirliger Allrounder »made in ...

Robson Maui Expedition

Ein robust gebautes Boot für robust gebaute Fahrer mit einem sehr ...

Wilderness Pungo 120

Ein leichtes, unkompliziert zu fahrendes Schönwetterboot für ...

Zusätzliche Informationen und Links

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