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Test & Technik

Der VW Golf fürs Wasser - 4 Kanadier im Test

Der Deutschen liebstes Kanu ist der gutmütige Touren­kanadier mit knapp fünf Metern Länge. In Heft 4/06 hat KANU vier klassische Royalex-Vertreter und ein Armerlite-Kanu getestet, nun gibt's Testberichte im Web.

16-Fuß-Kanadier im Kanutest.

Testprogramm: ruhige Seen, flotte Flüsse, Fahrten mit und ohne Gepäck.
Foto: Michael Neumann

Liegt es an der deutschen Normgarage von 500 cm Länge? Am breiten Einsatzbereich von Kleinfluss bis Seenplatte? Oder daran, dass sich 16-Fuß-Kanadier noch halbwegs handlich und ohne größere Überstände auf dem Autodach ans Traumgewässer transportieren lassen? Fakt ist: Kanadier mit knapp 500 cm – also die 16-Fuß-Klasse – sind der Verkaufsschlager schlechthin. Auch beim Material gibt es einen Favoriten: Royalex. Abgesehen vom kommerziellen Kanuverleih, wo man schwere, aber unkaputtbare PE-Boote vorzieht, schätzt man das Sandwichmaterial Royalex als tragbar, robust, langlebig und pflege­leicht. GfK (glasfaserverstärkter Kunststoff) ist out, teure Laminat-Kanus kaufen meist nur echte Könner, Holzboote erfreuen Traditionalisten und Ästheten. Max und Gabi Mustermann aber wählen den 16-Füßer aus Royalex.

 

Ob obere Donau oder untere Weser, Main oder Müritz, die Volkskanus kommen überall voran und auch um enge Kurven. Die Klein­familie auf Tagestour passt ebenso an Bord wie zwei Personen mit Gepäck fürs verlängerte Wochenende. Die Kehrseite: 16-Fuß-Boote sind langsamer als Kanus jenseits der 5-Meter-Marke, auch die Zuladung hat irgendwann Grenzen. Das meist auf Gutmütigkeit ge­trimmte Design behindert zudem oft eine fortgeschrittene, sportliche Fahrtechnik. Diese Abstriche an Performance und Kofferraum­volumen fallen aber nur Stechpaddel-Profis auf. Und wenn Max und Gabi mit dem kürzeren Tourer mal etwas länger brauchen, was soll's? Man hat ja schließlich Frei-Zeit.

 

Bei diesem Vergleich treten vier beliebte Royalexkanus an – quasi die Golfs und Astras fürs Wasser. Das preisen auch die Hersteller in ihren Prospekten: »mit besserem Geradeauslauf«, »einfacher zu beherrschen«, »sympathisches Boot für Familienausflüge«. Ob sich diese Behauptungen bewahrheiten, lesen Sie in den Einzelbeschreibungen (rechts).

Frischer Wind am Kanadier-Markt

16-Fuß-Kanadier im Kanutest.

4 x Royalex und 1 x Armerlite im KANU-Test.
Foto: Michael Neumann

 

Neuheiten suchte man lange vergeblich auf dem Kanadiermarkt. Eine grüne oder rote Bootsschale, angenieteter PVC-Süllrand, Tragejoch, Holm und Sitze aus Holz eingeschraubt, fertig ist das Boot. So unterscheiden sich die Kanus wirklich nur im Designkonzept, im letzten Schliff, in der Qualität der Verarbeitung – und im Preis. Erfreulich: Die Firma Mad River bringt frischen Wind mit dem IQ- bzw. IQ2-System, das eine leichte (und sichere) Montage von Zubehör erlaubt. Im Süllrand sind Profilschienen eingearbeitet, wie man sie von Wohnwagenvordächern kennt. Darin lassen sich Verdecke, Taschen, Zusatzsitze, Ankerpunkte, Lash-in-Systeme für Auftriebskörper und vieles mehr einfach einschieben. Ein gelungenes Konzept. Was er an Zubehör wirklich braucht, darf jeder Paddler selbst entscheiden.

 

Die bayerische Paddel- und Bootsschmiede Robson hat sogar ein neues Rumpfmaterial am Start: Armerlite soll dem altbewährten Royalex Konkurrenz machen (siehe nächste Seite). Wir haben das weltweit erste Kanu aus dem neuen Verbundstoff getestet. Wie sich der »Brooks 16« im Feld der Arrivierten schlägt, lesen Sie im Testbericht (rechts oben). Egal, für welchen Kanadier Sie sich entscheiden – bereits im Vorfeld sollten Sie genau überlegen, wo Sie Ihr neues Kanu hauptsächlich verwenden möchten. Das heißt nicht, dass Sie mit dem flotten See-Kanadier nicht auf Kleinflüsse dürfen oder mit dem wendigen Fluss-Boot nicht auf die Seen­- platte. Aber die – stets notwendigen – Kompromisse werden deutlich minimiert, wenn das Boot Ihrem persönlichen Anforderungsprofil möglichst nahe kommt.

Am besten selbst testen

 

Außerdem: Wir können Ihnen die Vorauswahl erleichtern, aber nicht die eigene Probefahrt abnehmen. Tipp: Gehen Sie zu einem Testival, wie es viele Kanuhändler regelmäßig anbieten (Termine z. B. im KANU-Kalender). Hier können Sie sich ein Bild vom umfangreichen Angebot machen, verschiedene Boote vieler Marken testen und sich kompetent beraten lassen. Wo Sie letztendlich besser sitzen oder welches Boot sich leichter paddeln und manövrieren lässt, das entscheiden dann Sie – im direkten Vergleich.

 

Getestet wurde auf Chiemsee und Tiroler Ache. Die KANU-Redaktion dankt den teilnehmenden Herstellern und dem regenfesten Testteam: Anne Schneider, Jan Jucker, Jens Wendel, Kathi Neumann, Katja Henne, Paavo Bergmann, Roland Schmauderer und Siggi Kunze.

Royalex, Royalex Light und Armerlite

16-Fuß-Kanadier im Kanutest.

Laminatoptik aber harzfrei: Armerlite
Foto: Michael Neumann

 

Als vor über 30 Jahren Royalex auf den Markt kam, warf man die ersten Kanadier zum Beweis der überragenden Materialeigenschaften erst mal vom Dach der mehrstöckigen Fabrik.

 

Bei Royalex werden Kunststoff­lagen zu großen Platten zusammengeschweißt (Sandwich-Technik). In der Mitte sorgt ein geschlossenzelliger Schaumkern für Steifigkeit und Auftrieb. Er wird von mehreren Lagen aus schlag­zähem, bruchfesten ABS-Kunststoff umschlossen, eine Vinyl-Außenschicht schützt das UV-empfindliche Innenleben vor Sonne und Abrieb. Die Platten werden vom Kanu-Hersteller erwärmt und tiefge­zogen. Die Kunst besteht darin, Problemzonen wie Bug, Heck und Bootsboden mit extra Schichten an ABS und dickerem Schaumkern zu verstärken, ohne ein Übermaß an Gewicht zu erzielen. Royalex ist gut formbar, das Kanu robust, pflegeleicht und relativ leicht. Auf kaltem Wasser bietet es eine gute Isolation und verfügt zudem über »eingebauten« Auftrieb. Allerdings ist die Außenhaut recht weich, was sich bald in Gebrauchsspuren zeigt. Die Innenhaut wird bei Nässe rutschig. Große, ebene Flächen (z. B. Bootsboden) neigen zum Schwabbeln. Größter Nachteil von Royalex ist die beschränkte Formbarkeit: Scharfe (= schnittige) Steven sind nicht machbar. Royalexboote mit ihren gerundeten Spitzen erreichen nicht Tempo und Performance scharf geschnittener (und steiferer) Laminatboote. Dennoch gilt Royalex beim Normalpaddler als bester Kompromiss in Sachen Gewicht, Robustheit und Preis/Leistung.

Royalex light

 

Bei Royalex light (auch R 84 oder Royalite) wird ein Teil der Aufgabe der ABS-Schichten von der Außenhaut über­nommen. 10 bis 15 % Gewichtsersparnis erkauft man sich mit leicht reduzierter Widerstandsfähigkeit und Lebensdauer. Wer nicht jede freie Minute im Kanu sitzt und Wert auf einen Gewichtsvorteil legt, für den kann Royalex light die richtige Wahl sein.

Armerlite

 

Armerlite ist ein glasfaserverstärktes Thermoplast und soll die Vorteile von Laminat und PE vereinen. Durch den harzfreien Werkstoff (Polypropylen und Glasfaser) entfällt die Sprödigkeit laminierter Boote. Bei der Herstellung wird in einer Form durch Hitzeeinwirkung in Verbindung mit Vakuumtechnik eine Verschmelzung des Verbundwerkstoffs erzielt. Schaum im Boden sorgt für Auftrieb, sonst würde das gekenterte Kanu sinken. Das neue Verfahren ermöglicht den Bau von (im Vergleich zu PE) deutlich leichteren Booten, die über eine extreme Schlagzähigkeit, hohe Formsteifigkeit und Abriebfestigkeit verfügen. Bislang gibt es allerdings nur ein Kanu (Brooks 16, siehe Seite 69) aus dem neuen Wundermaterial. Ob mit Armerlite eine Revolution im Kanubau eingeläutet wird, wird sich erst in der Zukunft zeigen.

Die Einzeltestberichte im Überblick

16-Fuß-Kanadier im Kanutest.

Bell Northwind RX

Solides Allroundkanu mit ausgewogenen Fahreigenschaften für alle ...
16-Fuß-Kanadier im Kanutest.

Mad River Explorer 16

Sehr robuster und leicht beherrschbarer Zweierkanadier mit gutem ...
16-Fuß-Kanadier im Kanutest.

Nova Craft Superior 16

Wer das spezielle Fahrgefühl (V-Boden) mag und beherrscht, findet ...
16-Fuß-Kanadier im Kanutest.

Robson Brooks 16

Der Brooks 16 ist ein gutmütiges Kanu, besonders geeignet für ...
16-Fuß-Kanadier im Kanutest.

We-no-nah Adirondack

Der Adirondack ist universell einsetzbar, auch Zuladung ist kein ...

Zusätzliche Informationen und Links

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