Zwei Tage, drei Flussperlen, sechs brandneue Wildwasserkajaks – und die Hochwasserwelle rollt durch den Schwarzwald. Perfekte Bedingungen für den Wildwasser-Kajaktest 2011. Aus KANU 2/2011.
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Test & Technik
Auf Herz und Nieren: Der Wildwasser-Kajaktest 2011
7. Januar, Nussdorf, Eintrag ins Testlogbuch: Alle Testboote sind da, der Schnee in Bayern leider auch noch. Sechs brandneue Wildwasserkajaks liegen zum Testen bereit. Eine illustre Runde höchst ansprechender Creeker, die schon an Land eine tolle Figur abgeben und Lust aufs Paddeln schüren. Da ist der Pure XL, Prijons erstes Kajak in drei Größen, in der Maxi-Version. Mit im Rennen: der EXO XT 300, ein schlankes und sportliches Kajak, ganz wie man es von einem Italiener erwartet. Dann der Fluid Detox L aus Südafrika, ein bombiger Creeker mit »Sportfahrwerk«. Jackson Kayak hat den Villain, einen klassischen Jackson mit gewaltigem Volumen und pummeliger Optik, zum WW-Casting entsandt. Der ZET Raptor ist ein völlig unbeschriebenes Blatt, denn es ist das erste Modell der jungen tschechischen Marke. Und schließlich der Robson Twenty, dem man auf den ersten Blick ansieht, dass es ein ungewöhnliches Wildwasserkajak sein muss. Eine sehr vielversprechende Test-Combo.
Die Erwartungen sind hoch, die Wasserstände hingegen noch niedrig, es ist schließlich Anfang Januar und die Testpaddler entsprechend nervös. Eine Menge E-Mails jagen durchs Datennetz hin und her. Ab ins Retortenwildwasser nach Markkleeberg? Standardtest auf der Niedrigwasser führenden Saalach? Ein Flug auf die Südhalbkugel? Doch dann, spät am Abend drückt milde Atlantikluft in den Südwesten Deutschlands, ganz wie es die Meteorologen schon seit Tagen prophezeien. Plusgrade bis in die Kammlagen. Tauwetter! Das KANU-Testteam montiert Dachständer, lädt die Boote und bricht aus Oberbayern in den Südschwarzwald auf. Kurz nach Mitternacht, Schlafpause auf einem Parkplatz am Feldberg. Meterhohe Schneewände, milde Böen schütteln die dunklen Tannen. Es beginnt zu regnen. Und hört nicht mehr auf!
8.Januar, Todtnau, 9.30 Uhr. Die Pegel der Schwarzwaldbäche sind explosionsartig gestiegen, die Hochwasserwelle rollt. Die gemütliche Wiese gleicht einem Sambesi en miniature, der kleine Prägbach ist randvoll eingeschenkt. Im Oberlauf wartet der Prägbachwasserfall mit spritziger Einfahrt, hier können die Boote beweisen, wie viel Creeker tatsächlich in ihnen steckt. Erster Check: die Einbauten. Alle 6 Kajaks überzeugen mit ihrer Ausstattung. Erstklassige Sitzanlagen, gute Ergonomie, leichte Verstellbarkeit. Als besonders komfortabel erweisen sich der Prijon Pure XL und der Jackson Villain mit ihren stufenlos verstellbaren Prallplatten. Dann der erste Härtetest auf dem Wasser. Eine 100 Meter lange, wuchtige Bobbahn mit kleinen Stufen, dann eine Abrisskante und fünf Meter freier Fall in einen breiten Tumpf. Das erste Wildwasser nach langer Winterpause, Hochwasser und Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt – eine knifflige Aufgabe und die sechs WW-Kajaks müssen zeigen, dass sie ganz ohne Eingewöhnungszeit intuitiv zu paddeln sind. Fünf Kajaks überstehen den ersten Creek-Test mühelos, nur der EXO XT 300 fällt im engen, steilen WW etwas ab. Zeit für einen Ortswechsel. Auf zur Wehra!
Eine Überraschung bei den sechs Kajaks ist ihre Länge. Abgesehen vom Fluid Detox L (245 cm), der aber auch als Semi-Creeker etwas durchs Raster fällt, sind die restlichen Boote zwischen 255 cm (ZET Raptor) und 269 cm (Prijon Pure XL), dazwischen gesellen sich der EXO XT 300 mit 258 cm, Robson Twenty mit 260 cm und der Jackson Villain mit 264 cm Länge. Vor wenigen Jahren war das Standardmaß von Creekern 240 cm oder acht Fuß. Heute scheint der Trend wieder zum längeren WW-Kajak zu führen, mit erstaunlichem Testergebnis. Die »langen« Dinger paddeln sich wie ein kurzes Boot. Sie haben kaum an Drehfreudigkeit und Dynamik eingebüßt, bei gleichzeitigem Plus an Volumen und Geschwindigkeit. Ein Geheimnis? Für Eric Jackson, Eigentümer und Designer von Jackson Kayaks, sind es nur die Fortentwicklung und Verbesserung bestehender Rocker-Profile, die längeren Kajaks ein besseres Handling und Drehvermögen bescheren ohne dass die Boote dabei an Speed verlieren. Toni Prijon erklärt den Effekt am Pure, den er selbst mitentwickelt hat: »Das Geheimnis liegt im Volumen, in der Breite und im Kielsprung. Der Pure liegt sehr flach im Wasser durch das hohe Volumen und die große Breite im mittleren Bereich. Die Länge kommt erst beim Ein- und Auftauchen zur Geltung. In flacher Wasserlage ist die benetzte Länge vergleichsweise gering und durch den ausgeprägten Kielsprung bekommt das ganze dann seine Drehfreudigkeit.«
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