Die Auswahl an Wildwasserkajaks ist beträchtlich und jedes Jahr kommt eine stattliche Anzahl neuer Kajaks hinzu. 2007 buhlen sieben Neulinge um kleine und große Paddler.
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Test & Technik
7 Wildwasserkajaks für alle Gewichtsklassen
ie sieben getesteten Kajaks direkt miteinander zu vergleichen, wäre genauso unfair wie der historische Kampf des kleinen Hirtenjungen David gegen den hünenhaften Krieger Goliath. Der Mega Rocker von Jackson Kayak startet eindeutig in der Liga der Superschwergewichte, Pyranha Ammo oder Rainbow Idra sind hingegen echte Fliegengewichte. Und nicht nur der erste Blick auf die Maße der Kajaks belegt diese Einstufung, sondern auch der zweite auf das Gewicht der beiden unterschiedlichen Kajaks. Der Ammo S wiegt angenehm zu tragende und leicht zu paddelnde 16 kg. Der Mega Rocker macht seinem Namen alle Ehre und wiegt über sechs Kilogramm mehr! Trotzdem haben alle getesteten Kajaks große Gemeinsamkeiten: Allesamt sind sie vollwertige Wildwasserkajaks mit guter Sicherheitsausstattung, überzeugenden Fahreigenschaften im Wildwasser und sogar für den richtig schweren Einsatz im Extrem-WW bestens gerüstet. Nur drei der Kajaks sind klassische Creeker, namentlich der Jackson Mega Rocker, der Bliss Stick Mystic und der Wave Sport Habitat. Sie bringen die typische Physiognomie eines Stürzers mit: stumpfe Bootsenden, kompakte Bauweise, viel Kielsprung, gerundetes Unterschiff. Bei den übrigen Kajaks vermischen sich die Eigenschaften klassischer Creeker mit denen sportlicher Wildwasserkajaks. Viel Volumen, großzügiges Platzangebot, eine vorbildliche Sicherheitsausstattung und große Ausstiegsluken, kombiniert mit einem sportlich-kantigen Unterschiff, eleganter Optik und schlankeren Spitzen. Trotz aller Ähnlichkeiten unterscheiden sich die sieben Wildwasserkajaks zum Teil deutlich in ihren Präferenzen. Genauso wenig wie man eine Regina Halmich und einen Vladimir Klitschko, beides versierte Boxer mit großen sportlichen Erfolgen, in einem Ring stellen wird, kann man beispielsweise den Pyranha Ammo S und den Jackson Mega Rocker in einen Topf werfen.
Creeker im Westentaschenformat
Drei Kajaks in diesem Vergleich verdienen eine besondere Erwähnung, da sie sich durch ihr Konzept, ihre Ausstattung und ihr Einsatzgebiet von den anderen Testkandidaten deutlich abheben. Da ist zum einen der Pyranha Ammo S, das kleinste und leichteste Kajak im Test. Von seinen Dimensionen her ist er ein ideales Wildwasserkajak für Jugendliche sowie für leichte und kleine erwachsene Paddler, die sonst auf dem Markt wenig vergleichbares finden. Das schmale Unterschiff, das geringe Gewicht und eine Sitzanlage, die auch kleinen Paddlern Halt und Einstellbarkeit bietet, sind die großen Pluspunkte des Ammo. Die Grenzen im Wildwasser bestimmt allein das Können des (XS- oder S-) Paddlers. Aber der Mini-Creeker im Westentaschenformat bietet noch mehr: Paddler jenseits der 70 kg bekommen mit dem Pyranha ein sehr sportliches, spritziges Wildwasserkajak, das – seiner Kürze und des spielbootartigen Unterschiffs sei Dank – die ein oder andere Freestyle-Einlage zulässt. Surfen, cartwheelen und manche andere Moves sind möglich, ohne dass auf die volle Sicherheitsausstattung eines WW-Kajaks verzichtet werden muss – quasi das Boot für die perfekte Welle zwischen zwei Wasserfällen. Auch der Habitat von Wave Sport verdient ein paar Zeilen extra. Weniger, weil er völlig aus dem Raster fällt, sondern vielmehr weil man bei diesem Kajak das Gefühl hat, hier stimmt (fast) alles. Bei genauerer Betrachtung der vielen Details und nach einer Probefahrt versteht man, warum sich Wave Sport bis zum marktreifen Serienmodell viel Zeit zum Testen und Optimieren gelassen hat. Das Kajak wurde nicht einfach am PC designt und auf den Markt geworfen, sondern durchlief viele Stadien eines Prototyps. Alles wirkt wie aus einem Guss, Fahreigenschaften wie auch Einbauten überzeugen. Es sind vor allem die kleinen Details, die dies verdeutlichen: die größenverstellbare Prallplatte, das leicht zu beladene Heck, der Versteifungsbügel mit Sicherheitsausstieg, eine gute Wurfsackhalterung, die leicht zu justierende Sitzanlage. Hinzu kommen gut austarierte Fahreigenschaften: eine harmonische Balance aus Sportlichkeit und den vertrauenswürdigen Fahreigenschaften eines Creekers.
Entwickelt vom Rodeo-Weltmeister
Herausragend ist sicherlich auch der Mega Rocker von Jackson Kayak, schon alleine durch seine gewaltigen Dimensionen: 69 cm breit, 259 cm lang und sage und schreibe 352 Liter »dick«. Der LKW unter den WW-Kajaks ist damit ein praktisch konkurrenzloser Creeker für Paddler jenseits der 100-Kilo-Marke. Der Mega Rocker hat Platz und Volumen im Überfluss und macht sich damit nicht nur bei pfundigen Paddlern beliebt, sondern ist auch für Mehrtagestouren im Wildwasser bestens geeignet. Dieses Talent haben auch die Designer des dicken Frachters erkannt und eine Prallplatte eingebaut, die sich leicht umklappen lässt und somit das fixe Beladen des Bugs vereinfacht. Im Heck eröffnen sich wahre Abgründe, die mit viel Gepäck gefüllt werden können. Man muss dem Designer Eric Jackson, der in der Vergangenheit primär Freestylekajaks entworfen hat, zugestehen, dass er ebenso gute, moderne Wildwasserkajaks bauen kann – selbst wenn der Mega Rocker optisch recht altmodisch erscheint. Hat da etwa die Finsterwalder Banane Pate gestanden?
Schweres Übel
Praktisch alle ausgewählten Kajaks überzeugten die KANU-Tester mit ihren Fahreigenschaften und erreichten bei der Ausstattung mindestens einen Platz im vorderen Mittelfeld. Die Zeit der bösen Ausreißer scheint vorbei zu sein. Die Kajaks unterscheiden sich vor allem in der Ausstattung, dem Preis und in Fahrstilen. Vor allem der letzte Punkt macht es nötig, die Kajaks vor dem Kauf zu testen, um das Kajak zu finden, das am besten zu den eigenen Ansprüchen und Anforderungen passt. Unangenehm fällt bei den meisten Kajaks auf, dass sie recht schwer sind und in der Realität häufig von den Herstellerangaben abweichen. Es ist verständlich, dass die Hersteller vor allem in der Klasse der reinen Wildwasserkajaks nicht mit Plastik sparen, um die Boote stabil zu machen. WW-Kajaks mit über 20 kg Gewicht sind leider die Regel und aus sportlicher Sicht ein echtes Übel. Hier gibt es auf jeden Fall Handlungsbedarf.
















