Unterschneiden, eine trockene Linie in brodelnden Wassermassen einhalten oder millimetergenaues Kehrwasserfahren stehen auf der Liste der bedrohten Paddeltechniken. KANU testete drei WW-Cruiser, die diesen Trend stoppen können und bricht eine Lanze für »Dickschiffe«.
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3 Wildwasser Cruiser im Test

Als »Bongoboot« werden Wildwasserkajaks gern verspottet - völlig zu Unrecht allerdings.
Foto: Jens Klatt
Inzwischen gibt es eine Generation Wildwasserpaddler, die das Paddeln in kurzen Zwei-Meter-Stummeln erlernt hat. Sie können einen Pan Am auf einer Welle zaubern, Wasserfälle freewheelen oder Purzelbäume im Flachwasser schlagen. Wie man ein knapp drei Meter langes Kajak unterschneidet, haben sie nie gelernt. Ebenso fehlt ihnen das Wissen, wie man mit so einem »Dickschiff« in ein Kehrwasser gleitet und mit einem einzigen, gezielt gesetzten Ziehschlag wieder herauszirkelt. Ohne dass man sich gleich zu den Ewiggestrigen zählen lassen muss: Dies sind Basistechniken im Wildwasser, die richtig Spaß machen und um die es jammerschade wäre, wenn sie verloren gingen. Das haben sich wohl auch manche Kajakhersteller gedacht und den Trend zu immer kürzeren Kajaks gestoppt.
Die drei von KANU getesteten Kajakmodelle Dagger GT Max, Liquid Logic Remix 69 und der Prijon Soca liegen allesamt jenseits der seit Jahren gültigen Durchschnittslänge von 240 cm für WW-Kajaks. Der Soca bringt ein bescheidenes Plus von 14 cm (254 cm Gesamtlänge), während der 270 cm lange Dagger GT Max mit seinen 300 l Volumen schon vor einem Jahrzehnt als »Dickschiff« durchgegangen wäre, knapp gefolgt vom 267 cm langen Remix 69. Darüber hinaus bietet Liquid Logic mit dem Remix 79 (nicht im Test) eine weitere echte »Old-School-Rakete« mit 272 cm Länge, 69 cm Breite und 299 l Volumen an. Dabei ist diese neue Generation Boote – von Slalomfahrern einst auch gern als Bongoboot verspottet – nicht einfach eine Ansammlung recycelter Bootsmodelle mit etwas Make-up. Vielmehr wurden bewährte Designkonzepte mit den Errungenschaften der Spielboot-Ära in moderne Kajaks gegossen, die schon auf dem Dachträger eine gewisse Lässigkeit ausstrahlen.
Passgenauigkeit und Fahreigenschaften sind einfach Top

Ob zierlich zirkeln oder mit Vollgas durch die Mitte - die Testboote verstanden sich auf beide Tonarten.
Foto: Jens Klatt
Alle drei Kajaks genügen in puncto Ausstattung selbstverständlich heutigen Standards. Die Sitzanlagen lassen sich ohne Schnitzmesser, Schaum und Pattex passgenau einstellen. Besonders Liquid Logic punktet hier mit seinem »Bad-Ass-Outfitting« – mehr dazu in der Einzelkritik. Mundwinkel hoch auch bei den Fahreigenschaften, dröge Langweiler sucht man im Testpool vergebens. Sowohl GT Max, Remix als auch der Soca wussten auf dem Wasser zu überzeugen und vermittelten viel Spaß und Dynamik. Keines der Kajaks kann einen Tricky Woo oder einen Backstab, dafür spielen sie auf klassischem Alpinflüssen ihre bestechende Form aus. Die drei Boote gleiten und carven dank verhältnismäßig schmalen und langen Unterschiffen mit viel Dampf durchs Wildwasser. Kehrwasserfahren ist pure Lust und über das massive Volumen freuen sich Anfänger wie WW-Cracks gleichermaßen. Ambitionierte Anfänger kommen mit den gut aufschwimmenden Kajaks leicht zurecht, präzise Kanten verhelfen zu schnellem Lernerfolg beim Kehrwasserfahren und die Boote lassen sich ohne großen Kraftaufwand aufrollen. Wuchtwasserfreaks werden sich schnell wieder an den Leitsatz »Geschwindigkeit gibt Sicherheit« erinnern und sich an den Volumenreserven berauschen, wenn das Kajak in einer Hammerstelle einfach an der Oberfläche bleibt und nicht gen China taucht. Ganz nebenbei wird es auch großgewachsen und schweren Paddlern gefallen, dass es endlich wieder ausgewachsene WW-Kajaks in ihrer Größe gibt. Testparcours waren die Saalach von Lofer bis Unken, sowie Tiroler und Brandenberger Ache. Das Gewicht der Tester rangierte von 75 kg bis 105 kg zuzüglich Winterspeck.
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