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Szene

Snowkayak-WM 2010: Die Badesaison ist eröffnet

15. März 2010 von Judith Prechtl

Der Österreicher Rene Feuerstein konnte am Samstag bei der Snowkayak-Weltmeisterschaft in Lienz seinen Titel erfolgreich verteidigen. Janis Walser-Cofalka und Timo Niß sorgten für einen deutschen Doppelsieg bei den Junioren. Lucya Prochazkova holte den Damentitel nach Tschechien.

Das Kajak wird für das Rennen vorbereitet.
Letzte Vorbereitungen vor dem Start der 3. Snowkayak-WM.
Foto: Judith Prechtl

Sie sind gekommen, um zu siegen: 100 furchtlose Paddler, Männer, Frauen und Junioren aus zehn Nationen, ausgerüstet mit werksneuen Kajaks und geheimen Wachsmischungen, gepolstert mit Helm, Schwimmweste, Protektor, Eishockey-Panzer oder Motorrad-Kluft (oder einem Mix aus allem), gnadenlos und zu allem bereit, für das eine Ziel: den Titel des Snowkayak-Weltmeisters 2010 zu erobern.

 

Vergangenen Samstag ging auf der Moosalm in Lienz die dritte offizielle Weltmeisterschaft der Schneepaddler über die Bühne. Bei Kaiserwetter kämpften die Teilnehmer jeweils in 4er-Heats um den Aufstieg in die nächste Runde. Rund 3.000 Zuschauer verfolgten die spektakulären Rides und sorgten entlang des Parcours für eine sensationelle Stimmung.

 

Ausgefeilt bis ins Detail präsentierte sich die rund 350 Meter lange Rennstrecke, die in diesem Jahr mehr mit Wildwasser zu tun hatte, als so manchem Teilnehmer lieb war. Zwei zwölf Meter lange Wasserbecken hatten die Streckenbauer vom Osttiroler Kajak Club als erfrischende Abwechslung zwischen den Steilkurven eingebaut.

Wassergraben bei der Snowkajak- WM 2010.
Schlüsselstelle Wasserbecken: die eine oder andere Rolle war fällig.
Foto: Judith Prechtl

Hier spielten sich die rennentscheidenden Wasserschlachten samt spektakulärer Enter- und Kenterungen ab. Während sich im oberen Becken in vielen Läufen die Spreu vom Weizen trennte, kamen im Ziel selbst einige erfahrene Stürzer nicht drumherum, sich von der Wasserrettung an Land bringen zu lassen. Die Badesaison ist eröffnet!

 

Nachdem die Junioren das Rennen noch recht zaghaft eröffnet hatten, zeigte sich bei den Damen bereits, dass auf dieser Rennstrecke wohl ein schnelles Boot, nicht jedoch das Schnellste gewinnen würde. Zu viel des Guten endete an den bis zu fünf Meter hohen Steilkurven nicht selten mit einem Freiflug durch den Sicherheitszaun.

Snowkajaker hebt ab.
Satt Air: 2 Meter Luftstand über dem Wasserbecken war keine Seltenheit.
Foto: Judith Prechtl

Bei den Herren wurde schon in den Vorläufen deutlich, wer beim Kampf um den Titel ein Wörtchen mitzureden hatte. Favoriten wie Bernhard Steidl, Gerhard Braune, Nationalteamkanute Harald Hudetz, Stefan Ortner und Manfred Lobenwein (alle AUT) ließen die Konkurrenz mit rasanten Manövern wissen, wo der Bartl den Most holt. 

 


Umso näher das Finale kam, umso schneller wurde der Parcours - und umso härter wurden auch die Bandagen mit denen gekämpft wurde. Nur einer sauste weitgehend unauffällig von einer Runde zur nächsten: Titelverteidiger Rene Feuerstein. Der ruhige Vorarlberger tritt seit jeher mit seinem Dagger Outlaw bei den Snowkayak-Rennen an, einem Boot, das angesichts der vielen werksneuen Creeker auf den ersten Blick kaum als Snowkayak-Superflitzer ins Auge sticht. Doch der Schein trügt: der Feuersteinsche Outlaw wartet Jahr für Jahr geduldig auf seinen Einsatz beim nächsten Snowkayak-Rennen, ohne dazwischen auf dem Bach missbraucht zu werden.

Kollision zweier Snowkajaker.
Nichts für Weicheier: Kollisionen sind beim Snowkayak kaum zu vermeiden.
Foto: Martin Lugger

Apropos Bach: Während der Viertelfinalläufe der Herren bahnte sich das Wasser des oberen Beckens einen Weg durch die Leck geschlagene Plane. Ein Sturzbach ergoss sich über die Rennstrecke und zwang die Veranstalter dazu, den Start zu verlegen. Auf der verkürzten Strecke bekam das Publikum bis ins Ziel spektakuläre Zwei- und Mehrkämpfe zu sehen. Einer davon sorgte für mehrere Schrecksekunden als Thomas Hinkel (GER) nach einer Kollision minutenlang regungslos liegen blieb. Der Zwischenfall endete glimpflich: Thomas wurde vom Notarztteam abtransportiert, im Krankenhaus gründlich durchgecheckt und mit Schürfwunden und einer Platzwunde am frühen Abend wieder entlassen.

Sieger der Snowkajak- Weltmeisterschaft 2010.
Snowkayak-Weltmeister 2010: Rene Feuerstein siegte vor Manfred Lobenwein und Stefan Ortner.
Foto: Martin Lugger

Auf der Moosalm warteten unterdessen Zuschauer und Athleten allesamt gespannt auf das große Finale in dem drei Österreicher, der amtierende Weltmeister Rene Feuerstein, Manfred Lobenwein, Stefan Ortner, gegen einen Deutschen, Lucas Schöllkopf, antraten. Nach bereits sieben absolvierten Abfahrten kannten die Finalisten die Tücken der Strecke. Entscheidend war schließlich das nötige Quäntchen Glück. Nachdem sich seine drei Konkurrenten kurz vor dem Ziel mit einer kleinen Karambolage gegenseitig blockierten, hatte Titelverteidiger Feuerstein freie Bahn, um als Erster den abschließenden Sprung ins Wasserbecken zu genießen. »Ich kann es gar nicht glauben, die Strecke war sehr selektiv und die Gegner unglaublich stark, ich dachte bis zum Ende nicht, dass ich eine Chance hätte meinen WM Titel zu verteidigen«, so der Sieger. »Es war eine tolle Veranstaltung mit einer super Stimmung und ich bin stolz weiterhin den Titel Snowkajak Weltmeister tragen zu dürfen.« Platz zwei und drei gingen an Lobenwein und Ortner. Lukas Schöllkopf musste sich gegen die Armada der österreichischen Snowkayak-Elite mit dem unglücklichen vierten Platz begnügen.

Deutscher Doppel- Triumph bei den Junioren

Snowkayak-Novize Janis Walser-Cofalka.
Snowkayak-Novize Janis Walser-Cofalka aus Ulm raste zum WM-Titel.
Foto: Judith Prechtl

 

 

Aus deutscher Sicht höchst erfreulich ist hingegen das Ergebnis bei den Junioren. Snowkayak-Rookie Janis Walser-Cofalka aus Ulm war der Schnellste in einem knallharten Kopf-an-Kopf-Rennen. Er siegte vor Timo Niß aus Hamburg und Lokalmatador Robin Shearer aus Dölsach. Platz 4 belegte Peter Hohenwarter aus Unken.

 

Bei den Damen musste sich Titelverteidigerin Eva Seidel (AUT) diesmal mit Platz zwei zufrieden geben. Der Sieg ging an Lucya Prochazkova aus Tschechien. Platz drei und vier belegten ihre Landsfrauen Lenka Sindelarova und Michaela Trnkova.


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