Mitte August lud der Alpine Kayak-Club (AKC) zum Sicherheitstraining »King of the Rope« nach Osttirol. Zwei Tage lang wurden Unfallszenarien im Wasser der Isel simuliert. Oliver Bechhold war dabei und hat so manche Lektion gelernt.
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Szene
Sicher im Boot beim »King of the Rope«
Sicheres Paddeln hat Tradition beim AKC. Neben dem mit großem technischen Aufwand veranstalteten Rißbachfliegen wird dies mit regelmäßigen Sicherheitsschulungen demonstriert, wie zuletzt beim »King of the Rope« am 13. und 14. August. Hintergrund des diesjährigen Trainings, das im Iseltal bei Huben stattfand, war ein Klemmunfall in den Lechschluchten, bei dem im Frühjahr ein Mitglied verunglückte. Die gute Nachricht vorweg. Dank dem entschlossenen Handeln seiner Mitfahrer konnte der ohnmächtige Paddler rechtzeitig geborgen und reanimiert werden und war an diesem Wochenende wieder mit von der Partie.
Damit ist auch schon der wichtigste Aspekt einer erfolgreichen Bergung genannt. Zeit! Dabei ist es egal, ob man durch rasches Handeln eine Verschlechterung der Situation verhindert oder die Folgen mildert. Eine Möglichkeit Zeit zu gewinnen, liegt in Kenntnis und Training der geeigneten Handlungsoptionen im Notfall. Dazu hat uns Neil Newton Taylor von Swiftwater Rescue auf der Unteren Isel einige Aufgaben gestellt, Lösungsansätze vorgestellt und uns diese dann durchspielen lassen. Ausgegangen wurde von einem Klemmunfall, d.h. ein Paddler hat sich mit seinem Boot so verkeilt, dass er alleine nicht mehr in der Lage ist sich zu befreien.
Kurz nach dem Einbooten der etwa 20 Paddler und Paddlerinnen bei Huben war auch schon die erste Übungsstelle erreicht. Aufgabe war es nun, einen Felsen im Fluss zu Fuß und mit dem Boot zu erreichen. Während es ohne Boot, per Wurfsack durch den Partner abgesichert, trotz der starken Strömung noch relativ flott vonstattenging, sah es beim Erreichen per Boot schon anders aus. Hatte man das Kehrwasser hinter dem Felsen in Flussmitte erwischt, musste man sich mit der Hand am Felsen halten, die Spritzdecke öffnen, im Boot aufstehen und sich selbst und sein Boot irgendwie auf den Felsen befördern. In dem unruhigen Kehrwasser und mit dem nassen Fels auch ohne echten Zeitdruck nicht ganz einfach.
Die nächste Station beschäftigte sich mit der klassischen Wurfsackrettung. Neils Antwort auf die Frage, wie lang das Seil im Wurfsack ist, lautete: »Immer zwei Meter zu kurz.« Daraus folgt, dass man nach Möglichkeit die Distanz zum Ziel durch geschickte Positionierung verkürzen soll. Wie sich schnell zeigte, ist ein exaktes Zuwerfen auf weite Distanz auch erheblich schwieriger – wenn der Werfer das Seil überhaupt bis zum Rettenden bringt …
Für den Fall eines Fehlwurfes wurden zwei Techniken vorgestellt, um das Seil möglichst rasch erneut werfen zu können. Auf kurze Distanzen reicht es, den Wurfsack mit Wasser zu füllen. Für größere Entfernungen ist es zusätzlich nötig, das Seil in Schlaufen aufzuschießen. Dann kann man die Schlaufen mitsamt dem Wurfsack erneut werfen, was sich aber nur für mittlere Distanzen als praktikabel erwies. Lässt sich die Situation z. B. beim Absichern einer Stelle vorbereiten, wäre für längere Distanzen ein zweiter Wurfsack (z. B. der des Fahrers) eine Option.
Da sich die Stelle anbot, wurde die Übung erweitert und wer wollte, konnte sich in die Situation des Schwimmers begeben. Ein Angebot das ich gerne annahm, um zu lernen, wie man auch trotz eines nicht ganz präzisen Wurfes in der Situation den Überblick behalten kann um sich dann aktiv an das Seil zu arbeiten. Grundsätzlich war ich von der Anzahl auch meiner eigenen Fehlwürfe in diesem Teilnehmerfeld überrascht und kann mir nur vorstellen, wie es bei weniger geübten ausgesehen hätte. Auch mit dem sehr unterschiedlichen Flugverhalten eines nassen Seiles hatte ich so nicht gerechnet. Hier hilft nur Üben.
An einer künstlichen Stufe mit groben Blöcken beschäftigten wir uns mit dem Thema Selbstrettung. Nachdem man sich erfolgreich quer gegen die Steine treiben hat lassen, galt es zunächst, ein Kentern flussauf zu vermeiden. Neben starkem flussabwärtigen Kanten bietet es sich an, sich mit dem Oberkörper auf den Felsen zu legen um die Position zu stabilisieren. Hatte man sich auf einen Ausgang festgelegt, versuchte man durch Ruckeln, Ziehen, Schieben und Drücken das Boot in die gewünschte Richtung zu bewegen. Elementar war dabei stets, ausreichend stark flussab zu kanten. Da ich mich in einer hinreichend stabilen Position wähnte, vernachlässigte ich bei der hektischen Paddelarbeit diese Grundregel und demonstrierte anschaulich die Folgen. Dank der bereitstehenden Mitpaddler blieb das glücklicherweise ohne Konsequenzen. Ein Stück weiter flussab kombinierten wir zum Abschluss die einzelnen Manöver bei einer simulierten Rettung eines auf einem Felsen im Fluss gestrandeten Paddlers und paddelten dann gemeinsam zum Camp zurück.
Am Nachmittag startete schließlich der »King of the Rope«-Wettbewerb. Es galt, in Zweierteams einen typischen Klemmunfall mit den am Vormittag erlernten Techniken auf Zeit zu bewältigen. Nach dem Start aus dem Kehrwasser musste in einer Stromschnelle gequert werden, um hinter einem Stein auszusteigen und sich selbst und das Material über den Stein zu befördern. 150 Meter oberhalb dieser Stelle war der Holzdummy »Woody« in einem Boot vor einem Stein verklemmt, der befreit und zur Reanimation ans Ufer gebracht werden musste. Jetzt noch einen Notruf an Neil absetzten – glücklich waren diejenigen, die an ihr Handy gedacht hatten und keine der zahlreichen Schaulustigen fragen mussten – und dann zurück an die Einstiegstelle gesprintet, wo die Zeit gestoppt wurde. Obwohl die vier verschiedenen Teams unterschiedliche Lösungsansätze wählten variierten die Zeiten nur geringfügig zwischen sechs und sieben Minuten.
Bemerkenswert war ein Team, bei dem der erste Versuch das Kehrwasser per Seilsackpendel zu erreichen fehlschlug. Durch eine entschlossene Schwimmtraverse ans Ufer und schnelles Hochlaufen reichte es am Ende dennoch zu einer Zeit von unter acht Minuten. Für den Ernstfall bedeutet es, dass man sich von einem Fehlschlag nicht entmutigen lassen darf und weiterhin alles auf die Bergung des Verunglückten setzen sollte. Ebenfalls bemerkenswert war, wie anstrengend und fordernd diese paar Minuten waren. Am Ende der sechs Minuten lag ich nach Atem ringend und ausgepumpt im Ziel und habe mich gefragt, ob ich jetzt noch eine halbe Stunde lang jemanden hätte reanimieren können.
Vielen Dank an den AKC für die Einladung zu diesem wertvollen Sicherheitstraining und die freundliche Aufnahme in der Runde. In Zukunft werden meine Nachbarn sicher häufiger einen Wurfsack durch den Garten fliegen sehen.












