Springe direkt zu: Hauptnavigation Inhaltsbereich Zusätzliche Informationen und Links Bereichsnavigation Servicenavigation



Inhaltsbereich

Szene

Review Verfechtertage - Sportliche Linien im Wallis

07. September 2010 von Christoph Scheuermann

Vom 19. bis 22. August feierte die Rhone im Oberwallis Premiere: Die Verfechtertage 2010 gastierten am Ufer des schmelzwassergefüllten Wildflusses. Für alle Dabeigewesenen und Neugierigen hier ein Rückblick auf die Sommertage in der Schweiz.

Foto zu den Verfechtertagen 2010.
Bestes Wetter, perfekte Pegel und klassische Alpenlandschaft: Die Elemente meinten es gut mit den Verfechtern.
Foto: Jörg Hackinger

Bis zuletzt bangten die Veranstalter der Verfechtertage: Löst das Wallis sein Versprechen als Sonnenstube der Alpennordseite ein? Werden die Gletscher schmelzen und das Wasser reichen? Die Ankunft am Mittwochmorgen in Oberwald war jedenfalls von Ernüchterung geprägt: Dichter Nebel am Furkapass, tiefhängende Wolken über dem flachen Talboden, der Rotten ein kümmerliches Bächlein mit trüber Wasserfarbe.

 

Nun, zumindest die milchige Farbe blieb uns die nächsten Tage erhalten. Nachdem unser Ankunftstag von Regenschauern, Kälte und Niedrigwasser geprägt war, startete der Sommer pünktlich zu Festbeginn nochmal so richtig durch. Hier im obersten Talabschnitt des Wallis, dem Goms, nimmt die Rhone, von den Einheimischen Rotten genannt, Anlauf für ihren durchaus sportlichen Durchbruch ins breite Tal um Brig. Bereits am Abend hatte sich ein ansehnliches Häuflein bekannter und unbekannter Verfechter am Campingplatz bei Grengiols eingefunden.

 

Seit sechs Jahren veranstalten die Verfechter der sportlichen Linie, eine etwa 30 Paddler starke Kombo aus dem Süddeutschen, mit den Verfechtertagen ein kleines, doch immer noch gern besuchtes Szene-Event zum Saisonende. Nachdem das Paddlerfest die letzten Jahre im Wechsel an Isel und Ötz stattfand, beschloss man 2010 neue, weniger ausgetretene Pfade zu betreten.

Foto zu den Verfechtertagen 2010.
Flying High: Ideale Bedingungen (auch) in der unteren Rhoneschlucht.
Foto: Flo Hartmann

An vier Tagen wurde gepaddelt, gepaddelt und gepaddelt. Außerdem internationale Kajakbande geknüpft, Lagerfeuer geschürt, gegessen, getrunken, geschwoft und natürlich die Klemmer-Games bewältigt.

 

Über hundert Kajakfahrer aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, und Frankreich sowie die ein Dutzend starke Delegation aus Polen haben bis Freitagabend das Camp bevölkert. Die Wasserstände waren ideal, Dauersonne und Neuschnee der vorhergegangenen Kälteperiode sei dank. Den persönlichen Traumpegel konnte man nach der Uhrzeit auswählen, so war auf der unteren Rhoneschlucht ab Fiesch alles geboten zwischen Wildwasser 4 und 6. An den langen Katarakten, die der Wellerbrücke in nichts nachstehen, konnten sich die Cracks beweisen. Doch auch wer die trockene Linie am Ufer wählte, hatte auf den folgenden Kilometern gut zu tun.

Foto zu den Verfechtertagen 2010.
Michal "Arbuz" Drwota hebt ab in den »Rieder Schnellen« der Lonza.
Foto: Maciej "Bestia" Adamek

Neben dieser Weltklasse-Etappe mit spektakulärem Klammausgang wartete ein halbes Dutzend weiterer Abschnitte auf Rhone, Lonza und Vispa auf tateneifrige Verfechter. Direkt am Camp startete die offene Schluchtetappe bis Mörel, die je nach Sonnenstand steile Blockkatarakte bis walzenreiches Wuchtwasser bot. Wildwasseranfänger versuchten sich im flachen, oberen Teil des Goms. Technisches WW 3 war am Folgeabschnitt zwischen Reckingen und Niederwald zu finden. Die obere Rhoneschlucht überraschte mit tagesfüllendem Expeditionswildwasser im obersten Schwierigkeitsbereich und  blieb den Unentwegten vorbehalten. Aber auch der mit etwa 150 Kubik an amerikanisches Big Water erinnernde Rhoneabschnitt des Pfynwalds und die eiskalte Lonza wussten zu begeistern. Selbst auf den schmalen Klammdurchbruch der Matter Vispa wagten sich am Samstag Paddler.

Foto zu den Verfechtertagen 2010.
Spaß, Ernstfall oder einfach Klemmer-Rallye? Der Weg zum Stein mittels Seilbrückensicherung.
Foto: Salome Fritz

Doch was wären die Verfechtertage ohne die traditionellen, feinen Schmankerl jenseits ambitionierter Paddelkilometer? Da wäre zuallererst die Klemmer-Rallye zu nennen. In sechs Jahren hat es das Orga-Team um Anna Jankowfsky immer wieder auf's neue geschafft die Teilnehmer vor Herausforderungen zu stellen und ihnen Höchstleistungen abzuverlangen. Als die Klemmer-Rallye 2005 ihren Anfang nahm war sie noch als Teamrennen im schweren Wildwasser konzipiert. Während damals wild zusammengewürfelte Teams die Gesamtstrecke der Mittleren Ötz von Schräger Platte bis Köfelser Brücke auf Zeit befuhren, öffneten sich die Spiele bald auch für nur mäßig extrem paddelnde Zeitgenossen. In den vergangenen Jahren wurden Boote geborgen, Autos hoffnungslos überladen, Flaschenzüge gebaut, komplette Teams samt ihrer Booten auf Bäume befördert, nonverbales Kauderwelsch gestikuliert, Paddler ab- und raufgeseilt, Tarps gespannt um darunter auf Zeit Spiegeleier zu braten und viele weitere Aufgaben rund um die Bereiche Team und Sicherheit absolviert.

Foto zu den Verfechtertagen 2010.
Moderator Boby Frieser bewahrt Haltung neben den Glücksfeen Andrea und Jule.
Foto: Salome Fritz

Dieses Jahr galt es die Strömung der Rhone zu durchqueren und in weniger als drei Minuten das ganze Team auf einem Felsen in Flussmitte zu versammeln. Ein Feuer musste mit möglichst wenig Zündhölzern und auf Zeit entfacht werden. Das Paddeln mit Nasenklammer und Mundverschluss simulierte den Notfall unter Wasser. Boote und Paddel mussten in möglichst kurzer Zeit ans andere Ufer gebracht werden, Kreativität bei der Beförderungsart gab wertvolle Extrapunkte. Bei einem Slalomparcours war Muskelkraft und mehr noch genaues Strömungslesen gefragt.

 

Ja, und warum das ganze??? Natürlich wegen der bezaubernden Feen bei der Siegerehrung. Jedem Teilnehmer der Rallye winkte ein Preis bei der abendlichen Verlosung. Neben Einkaufsgutschein, Paddel und T-Shirts gab's für die Glücklichen ein Küsschen der wahrhaft prächtig gekleideten Glücksfeen.

Foto zu den Verfechtertagen 2010.
Pawel »Slodki« Rachwal aus Krakau bringt die »Polska Rakieta« zur Perfektion.
Foto: Michal Kozial

Aber auch die weiteren Attraktionen der Verfechtertage können sich sehen lassen. Am Freitagabend kredenzte Wahl-Schweizer Kay Rogge ein original Schweizer »Chasfondue«. Zwar wurde dieses Jahr aufgrund zollrechtlicher Einschränkungen kein Zoigl-Bier gezapft, aber Samstagabend stand eine kleine Bar bereit. Passend zum Besuch unserer osteuropäischen Nachbarn gab's »Polnische Raketen«, ein süßlich-scharfer Shot, dessen Zubereitung mittels vorhandener Regionalexpertise der Perfektion zugeführt wurde. Besonders die ersten zwei Nächte loderte das Lagerfeuer fast bis Sonnenaufgang. Kein Wunder, die Paddelabenteuer in den Walliser Schluchten boten reichlich Stoff für Lagerfeuer-Geschichten.

 

Hannes Langer, der Chef-Designer der Verfechter, brachte das Verfechter-Shirt im Wallis-Sonderdruck unter die Leute. Die Auflage von 70 Stück war schnell vergriffen. Boby Frieser legte nicht nur am Bach wahrlich sportliche Linien vor, sondern regte auch als Mr. Sportbande zum herzlichen Applaus an. Neben seinem Foto-Vortrag über's Wildwasserpaddeln in Colorado bediente er mit mit seinem Skookumchuck-Film nostalgische Gefühle bei den Verfechtern der ersten Generation.

Foto zu den Verfechtertagen 2010.
Ein letztes Mal durch die Schlucht des Rotten. Hier der Klammausgang unweit des Camps.
Foto: Salome Fritz

Wohl vor allem wegen der für viele Bayern weitere Entfernung pilgerten dieses Jahr deutlich mehr Paddler für volle vier Tage ins Wallis. Passend zum erstklassigen Wetter und den perfekten Pegeln kam so entspannte Urlaubsatmosphäre auf, was die Verfechtertage 2010 vom Rush der Wochenend-Trips nach (Ost-)Tirol unterschied. Als Fazit bleibt, dass ein rundum gelungenes Event den Ortswechsel mit Bravour bestand und die Veranstalter hoffen den Standard nächstes Jahr zu halten, auch wenn es sicher nicht leicht wird.

 

Die Verfechter der sportlichen Linie bedanken sich bei den Sponsoren der Klemmer-Rallye: Horst Fürsattel (www.paddle-people.com), Chris Handtke (www.denk.com/raubling), Markus Kapfer (www.kajakladen.com) und Wolfgang Bolg (www.kanu-treff.de).

Den Termin zu den Verfechtertagen 2011 wird im KANU-Kalender bekanntgegeben, alle Infos außerdem auf www.verfechter.eu. Einen 7-seitigen Bericht zur diesjährigen Veranstaltung samt ausführlicher Revier-Info »Wallis« gibt's im Heft 5/2010, das ihr ab 23. September im Zeitschriftenhandel findet.


Zusätzliche Informationen und Links

News

18.05.2012

Kamera für die Schwimmweste: Olympus TG-1

Wer kennt das nicht: Wunderschöne Landschaft, perfektes Licht, ...
15.05.2012

Neue Abo-Prämie: PROS-Uhr

Wer jetzt ein Abo abschließt, darf sich über eine besondere ...
Bilder von Ben Jung vom Korsika-Alternativtrip

Osterurlaub – Korsika, oder doch nicht?

Für viele stand auch in diesem Jahr wieder die Überlegung im ...

Aktuelle Veranstaltungen

z
Mai 2012
M D M D F S S
 
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
141516
17
18
19
20
21222324
293031   
w