Was manchen für zwei Wochen Paddelurlaub reicht, wird hier an einem Wochenende gerissen. Satte 243 Kilometer Elbe waren auf dem Meißen-Magdeburg-Mammut-Marathon zu bewältigen. Mit-Organisator Udo Richter vom SG Kanu Meißen e.V. hat die Ausdauerpaddler begleitet.
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Szene
Kein Feierabendpaddeln: Der MMMM
Am 4. Juni traf sich ein halbes Hundert paddelverrückter Kanuten zur Jubiläumsveranstaltung des Meißen-Magdeburg-Mammut-Marathon. Bereits zum 20. Mal fand die Langstreckenfahrt über 243 Flusskilometer statt und lockt Touren- und Faltboot-Paddler, Seekajaker und Ruderer auf die Elbe. Ein paar Tage zuvor gab es noch Bedenken, ob der Marathon überhaupt stattfinden kann. Nach ausdauernden Regenfällen führte die Elbe Hochwasser. Ein Blick auf die Internetseite der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes ließ aber keine Gefahr erkennen. Mit 52 Startern aus ganz Deutschland verzeichnete der MMMM 2010 die zweitgrößte Teilnehmerzahl nach 1999.
Ankunft und Besprechung
Nach der Ankunft der Paddler in Meißen am Freitagabend wurden die Jubiläums-T-Shirts verteilt. Leider hatten sich nicht alle Teilnehmer im Vorfeld angemeldet, so dass die Shirts leider nicht für alle reichten. Norbert »Ruppi« Rupp vom Kanu-Klub Börde organisierte alles zum Besten, sogar das Wetter stimmte. Auf der Fahrtenbesprechung um 20 Uhr wurde die Strecke den Neulingen vorgestellt und auf Gefahren im Fluss hingewiesen. Die Gierfähren waren zum größten Teil schon aufgrund von Hochwasser außer Betrieb. Bojen und Brückenpfeiler erforderten allerdings um so größeren Sicherheitsabstand. Besonders tückisch lauerte eine Boje zwischen den Meißner Elbbrücken, die zum größten Teil unter Wasser lag und nur ab und zu über die Wasseroberfläche tauchte.
Des Paddlers Brot: Kaffee und Eier
Am Samstagmorgen um Viertel vor Fünf trafen wir uns im Bootshaus, um Kaffee und Eier zu kochen. Wer glaubt, dass wir mit dieser Weckzeit zu den Frühaufstehern gehören, irrt: Die ersten Paddler haben schon am Bootssteg abgelegt, während wir das Frühstück zubereiteten. Der Elbe-Pegel in Dresden zeigte 457 cm. Das war ein Meter mehr als Tags zuvor und nur 43 cm unter dem Schifffahrtsverbot. Die Kanuten konnten also »auf der Welle reiten«.
Wie die Jahre zuvor war eine Vielzahl von Bootstypen vertreten: Einer- und Zweier-Kajaks, Zweier-Kanadier, ein selbstgebautes Faltboot und Vierer-Ruderer. Die Ruderer waren es auch, die um 7.15 Uhr als letzte auf das Wasser gingen.
Schnelle Strömung ist des Paddlers Freund
Die Elbe hatte am ersten Tag eine Fließgeschwindigkeit von 8 km/h und war damit so schnell wie bei keinem der Marathons zuvor. Auf die Frage, wie das Paddeln auf so schneller Strömung wäre, antwortete Jörg Fritsche, ein Paddler aus Gommern, kurz und prägnant: »Einfach geil!«
Doch auch die ersten Probleme bei den Sportlern traten bald auf. Bereits in Belgern, knapp 60 Kilometer nach dem Start, klagte der erste Paddler über Schmerzen vom langen Sitzen. Mittagspause oder besser gesagt das zweite Frühstück gab es wie die letzten Jahre in Torgau. Die Sportfreunde des dortigen Kanuvereins warteten mit Suppe und Würstchen auf die hungrigen Paddler. Bereits um halb eins war der größte Teil des Paddlerfelds wieder im Boot. Auch den Kontrollpunkt in Pretzsch hatten die meisten um 13.30 Uhr längst passiert. Von dort sind es nur noch 16 km bis zum ersten Etappenziel, dem Kanuverein Harmonie Elster.
Weites Feld der Teilnehmer
Um 14.30 Uhr waren dort die ersten Paddler bereits eingetroffen. So blieb genug Zeit, Kräfte für den nächsten Tag zu sammeln. Dank GPS konnten einige ihre Durchschnittsgeschwindigkeit ermitteln: 17 Paddelkilometer in einer Stunde ist schon ein beachtliches Tempo. Als die ersten Teilnehmer zum Abendbrot beisammen saßen, konnten sie dem letzten Ankommenden zuwinken. Individuell war auch die Abendgestaltung. Einige gingen bei Zeiten zu Bett und manche saßen noch eine Weile gemütlich beisammen.
Auch am Sonntag waren die ersten bereits um halb Fünf wieder auf dem Wasser. Das Wetter versprach auch für diesen Tag beste Bedingungen. Der letzte Paddler setzte sein Boot um 7. 30 Uhr ins Wasser. Sichtbar hatte er mit den Folgen des Vorabends zu kämpfen. Eines der Biere war wohl schlecht gewesen.
Gastfreundschaft und Kaffee
An der ersten Zwischenstation des Tages, dem Kanuverein Coswig (Anhalt) konnte man das Ausmaß des Hochwassers in vollem Umfang erleben. Die gemütliche Sitzecke stand unter Wasser und die Mitglieder des Vereines erwarteten es in der Bootshalle. Einige Sportler ließen sich von der Aussicht auf nasse Füßen nicht abschrecken und schoben die erste Pause ein nach dem Motto: »Gepaddelt ist dann schnell.«
Doch die Fließgeschwindigkeit hat abgenommen: »nur« noch 7 km/h. Um 9 Uhr waren dann auch die Ruderer durch. Sie ließen den Tag ruhiger angehen, damit sie für die Morgentoilette genügend Zeit und Platz hatten. Fehlte nur noch der Paddler mit dem schlechten Bier. Er meldete sich telefonisch von der Fahrt ab und machte in Wittenberg erst mal eine größere Pause. In Roßlau wurden die Begleitfahrer von Petra Zutz mit frischem Kaffee erwartet. Petra, die in Roßlau wohnt, beteiligt sich an der Fahrt nun schon seit geraumer Zeit, entweder als Teilnehmer oder als Begleiterin. Zusammen mit ihrem Mann Hagen berichtet sie jedes Jahr über den MMMM auf ihrer Internetseite.
Beinahe-Unfall am Rudersteg
Ruppi fuhr beizeiten nach Aken um für die Mittagspause alles klar zu machen. Es gab einen kleinen Imbiss mit Würstchen. Ich wartete derweil auf das restliche Teilnehmerfeld. Die Ruderer hatten inzwischen auch den Sportfreund mit dem selbstgebauten Faltboot überholt. Ein gefährlicher Zwischenfall ereignete sich in Roßlau. Eine junge Paddelfamilie mit Kleinkind im Kanadier, die in Coswig übernachtet hatten, wollte in Roßlau an Land gehen. Unmittelbar nach dem Brückenpfeiler der Eisenbahnbrücke drehten sie Richtung Land und wollten dieses noch vor dem Rudersteg erreichen. Dabei hatten sie die durch das Hochwasser starke Strömung unterschätzt. Mit letzter Kraftanstrengung erreichten sie das Ufer unmittelbar vor dem gefährlich angeströmten Rudersteg. Dieser Beinahe-Unfall zeigt, dass man auch auf Zahmwasser wie der Elbe die Gefahr des Wassers nicht unterschätzen darf.
Ankunft und Abschied
Ruppi fuhr von Aken direkt nach Magdeburg, um alle Sportler in Empfang zu nehmen und ich nach Baby, um dort nach dem Rechten zu sehen. Um 14 Uhr haben die ersten Paddler das Ziel erreicht. Nach und nach folgten die anderen. Die Dessauer Paddler beendeten ihre Fahrt in ihrer Heimatstadt und die Ruderer sind gleich zu ihrem Verein in Magdeburg durchgefahren. Kaffee und Kuchen, welcher von Ruppis Frau gebacken wurde, stand für alle bereit. Um vier Uhr nachmittags waren die letzten verbleibenden Teilnehmer eingetroffen.
Nachdem alles verpackt war, ging es für die meisten noch am selben Tag nach Hause. Meinen Glückwunsch an alle, die diese Fahrt bewältigt haben. Der Meißen-Magdeburg-Mammut-Marathon fand 2010 unter den besten Bedingungen statt, die wir je hatten. Ich hoffe, wir sehen uns alle im nächsten Jahr wieder. Der genaue Termin erscheint im Kalender des KANU MAGAZINs. Da im nächsten Jahr das erste Juni-Wochenende auf das Vatertagswochenende bzw. Christi Himmelfahrt fällt, wissen wir noch nicht genau, ob wir zu diesem Termin den 21. Meißen-Magdeburg-Mammut-Marathon durchführen sollten.
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