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Szene

Kanu-Freestyle in Augsburg: Weltcup und DM 2010

02. Juni 2010 von Martin Koll

Viel Playboating-Prominenz in Augsburg: Am Eiskanal wurden am Wochenende Weltcup und Deutsche Meisterschaft der Freestyle-Elite ausgetragen. Frisch gekürter Deutscher Meister und KANU-Reporter Martin Koll berichtet vom Szene-Event.

Foto zum Freestyle-Worldcup 2010 in Augsburg.
Gutes Wetter, gute Laune!
Foto: Jens Klatt

Zum zwanzigsten Mal war der Augsburger Kanuverein am vergangenen Wochenende Gastgeber einer Kanu-Rodeo-Veranstaltung. Und gleich zum zweiten Mal in Folge tobte der Freestyle-Zirkus in Deutschland zum Weltcup in der Waschmaschine des Eiskanals. Über 100 Starter aus 15 Nationen fanden sich die Woche vor dem großen Showdown auf Parkplätzen und Zeltwiese der Sportanlage ein. Mit Sonnencreme und Regenschirm passte man sich den Wetterkapriolen an, mit neuesten Freestyle-Booten und antrainierten Skills den Schwankungen der Waschmaschine. Besonders für die deutschen Athleten ging es um jeden Punkt: Die Platzierung im internationalen Starterfeld bedingte auch gleich intern den Rang der Deutschen Meisterschaft.

Foto zum Freestyle-Worldcup 2010 in Augsburg.
Auch nach 20 Jahren immer noch gefragt: Big Air.
Foto: Jens Klatt

Damit lange Wartezeiten in den pulsierenden Kehrwassern der Waschmaschine nicht zu Frust und Rüpeleien führten, installierte Bastelmeister Micky im Vorfeld eine Nachtbeleuchtung der Extraklasse und entspannte die Trainingsmöglichkeiten bis Mitternacht. In Eigenregie gebaut und befestigt, sorgten die Walzen- und bunten Unterwasserlampen für tolle Atmosphäre und einzigartige Paddelerlebnisse.

 

Anders als geplant wurde der Wettkampf nur Samstag und Sonntag abgehalten, sodass der letzte Heat der K1 Herren und Damen bis spät abends andauerte und Mickys farbenfrohe Untermalung voll zum Tragen kam. Nach dem die Gulaschkanone im AKV-Innenhof geladen war, gab es deftiges Essen und Beisammensein, bevor das DJ-Team zur Feier im legendären AKV-Partyraum blies. Schwer verkatert, restalkoholisiert und alles andere als motiviert, schafften zumindest die Meisten der Canadier-Klasse den Sprung aus dem Schlafsack in nasse Paddelsachen und die noch nassere Waschmaschine. Der doch recht sportliche Anpfiff um 8 Uhr morgens resultierte wohl aus dem eingesparten Freitag als Wettkampftag. Neben den Athleten lieferten sich auch Regen und Sonne einen erbitterten Kampf um die himmlische Vorherschaft, doch so richtig gewinnen konnte zumindest hier keiner.

Foto zum Freestyle-Worldcup 2010 in Augsburg.
Die Junior-Herren auf dem Treppchen.
Foto: Jens Klatt

Bei den Paddlern zeichnete sich der Trend hin zu leichten Kevlar-Carbon-Booten im Wettkampfverlauf deutlich ab: Jeder Athlet, der ein solches Boot sein Eigen nennen durfte, war im Finale seiner Klasse vertreten. Auf dem Treppchen der Königsklasse  waren mit James Bebbington, Peter Czonka und Mathieu Demoulin gleich drei Ultraleicht-Piloten vertreten: Der Easy-Mix 2009 von GuiGui Prod, das neue Vajda-Freestylekajak und der erstmals in Deutschland gesichtete Easy-Mix 2010. Peter und Mathieu haben ihre Boote auch gleich selbst mitentwickelt und folgen damit dem allmählich anerkannten Trend eines Daniel Krummreich, der sich seit jeher sein Bootsdesign selbst überlegt und maßgeschneiderte Boote baut. In Plattling wird die Materialschlacht weiter gehen, es dürfte sich aber der eindeutige Trend erkennen lassen: Weg vom schwereren und trägen Plastik, hin zu steifen, leichten und präziser reagierenden Materialien.

Foto zum Freestyle-Worldcup 2010 in Augsburg.
Stechpaddler Holkenbrink aka. Holle und Besseau am Rand des Events.
Foto: Jens Klatt

Organisation und Ablauf waren bis auf den eingesparten Freitag und dem übervollen Samstag super. Für 50 Euro gab es Übernachtung und Streckennutzung  (auch über die Wettkampftage hinaus) Essens- und Getränke-Bon, T-Shirt und Party. Sponsoren wären für Preisgelder oder Sachpreise gerade bei einem Weltcup eigentlich unverzichtbar, so gab es wenigstens für die ersten Plätze Sachpreise. Dass Freestyle-Events auch in der heutigen Zeit noch das Interesse der Sponsoren-Welt wecken können, zeigte das Graz-Rodeo. Mehr Engagement seitens der Kanuindustrie auch für Freestyle-Veranstaltungen wäre wünschenswert.

 

 

 

Einen 36-minütigen Video-Report gibt's auf den Seiten von wildwater-tv.de.

 

Alle Ergebnisse von Worldcup und Deutscher Meisterschaft als PDF zum Download:

Freestyle-Weltcup 2010

Trotz international hoch­karätigem Teilnehmerfeld tourt der Freestyle-Zirkus nicht weiter als vom schwäbischen Augsburg ins niederbayerische Plattling. Nach dem Startschuss am Eiskanal rollt die bunte Akrobatik-Parad­e weiter zur WM-Generalprobe an die Isar-Sohlschwelle, wo von 3. bis 6. Jun­i bereit­s die Entscheidung fällt. Als nächstes Saison-Highlight steht von 16. bis 19. Juni die Freestyle-Europameisterschaft in Lienz in Osttirol auf dem Spielplan. 


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