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Szene

Go for Gold – die 28. Weserberglandrallye

09. September 2010 von Falk Bruder

Die Weser ist zweimal im Jahr Schauplatz für beliebte und besondere Kanu-Langstreckenevents. Immer Anfang Mai treffen sich die hartgesottenen Ausdauerpaddler zum Wesermarathon über 135 km von Hannoversch Münden bis Hameln. Im Herbst, am ersten Septemberwochenende, kommen auch die mit weniger Sitzfleisch ausgerüsteten Paddler auf ihre Kosten und starten zur Weserberglandrallye. KANU-Mitarbeiter Falk Bruder war in Minden, berichtet von der Weserberglandrallye und hat selbst die Silberstrecke ab Rinteln (40 km) unter den Kiel genommen.

28. Weserberglandrallye
Am Start der 28. Weserberglandrallye in Hameln.
Foto: Falk Bruder

Sonntag, halb acht Uhr in Mitteldeutschland. Ein dichter Nebel wabert über die Uferwiesen. Statt am Bäckerladen anzustehen hat sich in Hameln ein buntes Völkchen am Ufer der Weser versammelt. Kajaks, Kanadier, Ruderboote in vielfältiger Form und Farbe liegen bereit. Die Paddler machen sich fertig und gehen peu à peu in kleinen Grüppchen aufs Wasser, um gleich danach vom Nebel verschluckt zu werden. Hier am Start der Goldstrecke (66 km von Hameln bis Minden) verabschiede ich meine Mitfahrer Isa und Joachim, die hier einsetzen. Mit dem Auto geht es dann zu meinem Start nach Rinteln.



Die Wettervorhersage behält recht, denn sobald ich selbst abgeladen habe und fertig zum Einsetzen bin, drücken gegen 9 Uhr die ersten Sonnenstrahlen durch den Nebel. In Rinteln scheint deutlich mehr los zu sein, als am Start in Hameln. Der Platzwart vom Rintelner KC nennt die Silberetappe (40 km) auch »Strecke der Vernunft«. Die endgültigen Zahlen der Weserberglandrallye ergeben letztendlich eine beinahe gleichmäßige Verteilung: die Goldstrecke ab Hameln paddeln 267, die Silberstrecke ab Rinteln 279 Teilnehmer. Mit den 89 Startern auf der Bronzestrecke ab Vlotho ergibt sich ein Gesamtteilnehmerfeld von 635 Kanuten.

28. Weserberglandrallye
Schwerstarbeit: An der Porta Westfalica pfeift der Wind wie durch eine Düse.
Foto: Falk Bruder

Endlich auf dem Wasser, ich lege los!

Die gute Strömung der Weser schiebt mich unaufhörlich bergab. Nach dem Örtchen Rinteln wird der Nebel zunächst wieder dichter. Wie ein grauer Schleier liegt er über der Landschaft. Beinah gespenstisch tauchen vor mir Paddler aus den Schwaden auf. Aber die Spätsommersonne ist noch kräftig und mit jedem Paddelschlag lichtet sich der Nebel, die Temperaturen steigen schließlich auf angenehme 20 Grad. Optimale Paddelbedingungen!


Kühe und Pferde stehen am Ufer und schauen uns hinterher, später am Tag gesellen sich Spaziergänger und viele Radfahrer dazu. Manch hübsches Fachwerkstädtchen gleitet vorbei, nur wenige Brücken überspannen den Fluss. Das Weserbergland ist eine angenehme, harmonische Landschaft mit bewaldeten Hügeln, satten Wiesen und nur wenig Industrie.

 

Die halbe Strecke liegt hinter mir als ich Vlotho und damit den Start der Bronzeetappe passiere. Zeit für eine Pause und etwas zwischen die Zähne. Die Weserberglandrallye ist kein Wettrennen (obwohl auch der schnellste Paddler geehrt wird - dieses Jahr ist es Hildebrand Slotter (71) vom DAV Hildesheim), aber der innere Schweinehund hat mir eine Zeit von 3,5 Stunden für die 40 km eingeflüstert – keine Zeit also für lange Reflexionen über Land und Leute. Noch 20 km liegen vor mir.

28. Weserberglandrallye
Das Ziel in Sichtweite: Ankunft in Minden.
Foto: Falk Bruder

Kurz bevor die Weser an der Porta Westfalica die letzten Ausläufer des Weserberglandes durchbricht, wird die Fahrt zur Schwerstarbeit. Wie durch eine Düse presst sich der Wind aus dem Flachland ins enge Tal und stemmt sich den Kanuten entgegen. Jetzt, nach 30 Kilometern läuft der Paddelschlag auch nicht mehr ganz so rund und kraftvoll. Wie mag es den Paddlern aus Hameln ergehen, die dann ja schon 56 km hinter sich haben?


Die Trommelschläge der Drachenboote kündigen das sich nähernde Ziel an. Parallel zur Weserberglandrallye finden auch Drachenbootrennen in den Fun-Klassen statt und der Kanu-Klub Minden organisiert auch ein Kanupolo-Turnier im Sommerbad. Den Ausstieg vor Augen passiere ich die historische Schiffmühle und die kühn geschwungene Fußgängerbrücke von Minden. Ich bin angekommen, glücklich und zufrieden.




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