Im Mai und im September jeden Jahres gehört die Weser den Langstrecken-Paddlern. Der Dezember ist jedoch für die Eispaddler reserviert. Und das nun schon zum 39. Mal.
Bereichsnavigation
- Sie sind hier:
- »Startseite
- »Szene
- »Reportagen
- »Die 39. Rintelner Eisfahrt auf der Weser
Inhaltsbereich
Szene
Die 39. Rintelner Eisfahrt auf der Weser
Das allgemeine Abpaddeln liegt für die meisten Sportfreundinnen und Sportfreunde schon ca. acht Wochen zurück. Für viele ist dies kein Grund die Flinte ins Korn, bzw. das Paddel in die Ecke zu werfen. Gibt es doch noch genug gute Gelegenheiten die Boote zu Wasser zu lassen. Eine der besten zu dieser Jahreszeit ist die Rintelner Eisfahrt. Und es ist die letzte Möglichkeit – laut dem DKV- Sportkalender – mit Gleichgesinnten auf der Weser dem spätherbstlichen Trübsinn ein Schnippchen zu schlagen.
Am ersten Wochenende des letzten Monats lädt der Rintelner Kanu-Club nun schon zum 39. Male auf die Weser. Im vorigen Jahr wurden inklusive der Helfer, Schwarzfahrer und Rettungskräfte der DLRG tausend Teilnehmer gezählt. In diesem Jahr soll nun endlich die echte 1000er-Marke geknackt werden. Wir folgen dem Herdentrieb und lassen uns das erste mal auf das Paddeln mit den tiefer gelegten Temperaturen ein. Die Wetterprognosen haben schon manches Kopfzerbrechen verursacht. Schnee und Tiefsttemperaturen bis -15 Grad. Die ewige Frage: »Was zieh ich an, was nehme ich mit?« Dann hatte die Weser Mitte November einen Wasserstand von 4,72 m. Drei Tage zuvor waren es »nur« 2,09 m. Wird die Fahrt wegen Hochwasser eventuell abgesagt? Jedoch, wie heißt es so schön: »Im Sommer und bei Sonnenschein kann es jeder!« Also rein ins Getümmel, denn wenn wieder knapp tausend Sportfreunde kommen, wird es eng auf dem Wasser.
Start ist am Samstag um 10 Uhr in Hameln und das Ziel nach kühlen 26 Kilometern auf der Weser, wird der heiße kräftige Eintopf mit netten Gesprächen beim Rintelner Kanu-Club e.V. sein. Eine gute Zeit, jedenfalls für uns. Die ersten Helfer sind allerdings schon um 8 Uhr in Hameln, besetzen das Startbüro und bereiten sich auf den Ansturm vor. Schon 30 Minuten später macht sich die Glühweinstation an der Fähre in Großenwieden bereit. Anders, als wir es von kleinen Fahrten kennen, gibt es keine Ansprache, keine Einweisung und auch keinen Massenstart. Man kommt, macht sich startklar und fährt los. Obwohl der als Parkplatz umgenutzte Truppenübungsplatz so groß ist, dass er sicher alle Fahrzeuge der anvisierten tausend Teilnehmer aufnehmen könnte, ist die sehr lange Uferzone nur an wenigen Stellen gut zum Einsteigen geeignet. Ab der Wasserkante sind die Rampen auf einer Breite von ca. 50 cm vereist, dann kommt eine leichte Schneedecke, die bei geeignetem Schuhwerk etwas Halt gibt. Da ist Vorsicht vonnöten, damit alles in trockenen Tüchern bleibt. An den wenigen günstigen Einstiegstellen ist Warten angesagt. Noch immer ist genug Platz für weitere Fahrzeuge auf dem Gelände und es kommen immer mehr Sportfreunde an. Zum Schluss sind es offiziell 786 Anmeldungen, davon 51 Nachmeldungen am Start.
Endlich auf dem Wasser geht es los mit dem Warmpaddeln. Die Wetterprognosen stimmen zum Glück nicht. Wasser Plus 5 Grad, Luft Minus 5 Grad, leichter Rückenwind. Wir sind zufrieden und genießen den späten Morgen. Alle vorherigen Bedenken sind mit der angenehmen Strömung weggespült. Vor uns sind sicher schon die ersten am Glühweinstand in Großenwieden. Hinter uns werden sich die nächsten mit Startkarte und Verpflegungsbon, Aufkleber und Wechselwäsche auf den Weg machen. Es ist Zeit für Fotos, auch wenn die Motive schnell mit der Strömung davon paddeln und treiben. Als der erste Silberreiher zu sehen ist, kommt der Gedanke, daß es ein Graureiher-Albino ist. Graureiher begegnen uns in unseren heimischen Gewässern oft und sind relativ zutraulich geworden. Als uns dann gleich drei der »Albinos« begegnen, werden wir stutzig. Die Klärung muß auf später verschoben werden. Bald erreichen wir die Pausen- und Glühweinstation. Der Tee in meiner Thermoskanne ist inzwischen kalt. Da kommt die kurze Rast gerade recht. Man kommt ins Gespräch und dann wird auch noch eine trockene Hose gesucht. Ein Sportfreund ist beim Einsteigen gekippt, aber im Trockensack sind nur 2 Oberteile. Schnell kommt von verschiedenen Seiten Hilfe herbei und es wird eine halbwegs passende Hose gefunden. Bald geht es weiter, denn die Paddelwärme hält nicht lange, genauso wie der Glühwein.
An den Kilometerschildern erkennen wir, daß es nicht mehr weit ist. Mehr als die Hälfte ist geschafft. Noch ein paar Flußbiegungen. Dann sehen wir schon die Kirchtürme von der ehemaligen Universitätsstadt Rinteln. Aber bald sind sie wieder weg. Die Sonne hat die ganze Zeit nur auf halber Höhe gehangen. Nun schieben sich ein paar Wolken davor. Der Wind kommt inzwischen auch mal von vorne und frischt auf. Auch gut, da dann die Motorabgase der Rettungskräfte eher verfliegen. Von der DLRG sind immerhin 30 ehrenamtliche freiwillige Helfer mit sechs begleitenden Booten, zwei Rettungsfahrzeugen und einem Einsatzposten an Land zur Koordination im Einsatz. Darauf will bestimmt niemand verzichten.Die Brücke der B 238 verrät, daß es nicht mehr weit bis zum Suppenkasper ist. Der hält das Feuer in der Gulaschkanone schon seit 11 Uhr auf Trab.
Eine leichte Schneedecke bedeckt das Bootshausgelände. Inzwischen sind schon viele Sportfreunde wieder auf dem Weg nach Hause. Ein Stand mit wichtigen Paddlerutensilien gibt Gelegenheit zum Ergänzen der Ausrüstung. Auf dem Freisitz werden das vergangene Paddeljahr ausgewertet und neue Pläne geschmiedet. Wem kalt wird, der begibt sich ins geräumige Bootshaus. Nun geht unsere Erstbefahrung der Eisfahrt langsam vorbei. 786 Startkarten wurden zur 39. Rintelner Eisfahrt ausgegeben. Am Freitag hat das Ehepaar Karin und Hartmut Geumann eine Urkunde für die zwanzigfache Teilnahme an der Eisfahrt erhalten. Andere Teilnehmer waren schon 25mal dabei. Uns hat es gefallen und wir werden wiederkommen. Am 3. Dezember 2011 findet die Jubiläumsveranstaltung statt. Bei der 40. Rintelner Eisfahrt soll dann endlich – dem Wunsch von Peter Specht, dem Vereinsvorsitzenden des Rintelner Kanu- Clubs e.V., entsprechend – die 1000er-Teilnehmerzahl geknackt werden. Der Entwurf für den Aufkleber gibt es schon. Auf jeden Fall gibt er danach das Zepter an seine Nachfolger weiter.
Den Termin der 40. Rintelner Eisfahrt findet ihr nach Bekanntgabe im KANU-Kalender. Alle Informationen zur Veranstaltung (inklusive Fotos von der Premiere 1968) gibt's auf www.rintelner-eisfahrt.de.















































