Seit nunmehr 27 Jahren wird der ca. 30 Kilometer lange Marathon auf der Ardeche ausgetragen. Dieses Jahr drohte der Marathon zu verregnen, doch der Pegel sank wieder unter die entscheidenden 80 Zentimeter. Optimaler Wasserstand, gutes Wetter und fast 2000 Teilnehmer haben den Marathon auch dieses Jahr wieder zu einem Ereignis der Superlative gemacht.
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27. Ardeche-Marathon: Viel los am Pont d'Arc
Wie jedes Jahr endet die (Sommer-)Fahrtensaison mit der Teilnahme am berühmten Ardeche-Marathon am 12. November, der dieses Jahr 27 mal ausgetragen wird. Dieses Jahr finden fast 2000 Paddler ihren Weg in das kleine Dorf Vallon Pont d’Arc. Im Vorfeld treffen sich unsere 9 Marathonfahrer und Shuttle-Klaus-Peter vom Kanu-Club Speyer, Ferienwohnungen (es wird nachts kalt!) wurden gebucht und die für den Start notwendigen Atteste vom Doktor besorgt. Je nach sportlichen Ambitionen und beruflichen Möglichkeiten erfolgte eine mehr oder minder lange Vorbereitung. Einige sahen es sportlich, für andere bestand die Vorbereitung lediglich darin, in der Zeit vor dem Rennen beim Frühstück den Honig von der Soca durch einen von der Ardeche zu ersetzen - die Dänen wurden bei der EM ' 92 auch durch ein gewisses Maß an »Unvorbereitung« Fußball-Europameister.
Anfang November tobte sich ein mächtiger Tiefausläufer über den Cevennen aus und bescherte nach einigen niederschlagsfreien Wochen eine Hochwasserwelle, die sich gewaschen hatte und fast für die Absage des Rennens gesorgt hätte. Aber Fortuna blieb den Veranstaltern hold und der Pegel der Ardeche fiel unter die magische Grenze von 80 Zentimetern, bei deren Überschreiten die Veranstaltung hätte abgesagt werden müssen – das Rennen konnte starten.
Am Mittwoch vor dem Rennen fitten wir unsere Boote final und verladen sie. Außerdem wollen Berge von Ausrüstung, Gepäck und Verpflegung in den Vereinsbus gepackt werden. Für das leibliche Wohl wird zudem ein nicht zu verachtender Vorrat an isotonischen Getränken gebunkert.
Da der frühe Vogel den Wurm fängt, beginnt unsere Reise um kurz nach 6.30 Uhr, um über Straßburg, das ausnahmsweise sonnige Jura, Lyon und letzten Endes das liebliche Tale der Ibie gegen 17 Uhr in Salavas an der Ferienwohnung anzukommen.
Freitag, 11. November – der Tag vor dem Marathon. Bei frischem Baguette, Croissants und Cafe au lait gilt es den Tag zu begrüßen. Die Anmeldung für das Rennen sowie die angrenzende Ausstellermesse im Salle de Fete will besucht werden. Während Rainer und Alex ausgestattet mit den notwendigen Unterlagen, französischen Sprachkenntnissen und einer Engelsgeduld unsere Startnummern abholen, drehen wir entspannt eine Runde über die Messe. Interessant sind einige in Deutschland nahezu vollständig unbekannte Bootshersteller, außerdem machen wir einige Schnäppchen bei Helmen, Schwimmwesten, Packsäcken und T-Shirts.
Der Testlauf zum Einwackeln für das Rennen war die »mini descente«, eben jene sieben Kilometer von Vallon Pont d'Arc, am »Charlemagne« vorbei bis kurz vor die Schlucht, was wir äußerst gemütlich in 45 Minuten erledigen. Es gilt, die möglichen Fahrrouten sowie Alternativen für diese Strecke einzuprägen. Danach lockt eine weitere Shoppingtour durch die Ausstellung und siehe da, ein Kajak findet auch den Weg über die Ladentheke. Anschließend lockt im Rahmen der »dänischen Vorbereitung« die Terrasse, inklusive einer Brotzeit sowie ein Sortiment diverser Getränke aus der Region. Nach einer weiteren Shoppingtour gilt es, ein Drei-Gänge-Menü zu überstehen, bevor es recht früh ins Bett geht.
Samstag, der große Tag. Da wir allesamt angespannt sind, kommen wir sehr früh aus den Federn. Einem kräftigen Frühstück folgt die Vorbereitung auf das Rennen: Platzierung der Startnummern, Aufkleben der Müsliriegel sowie Befüllen der Getränkeflaschen. Gegen 10 Uhr geht es dann zum Einsatzpunkt, wo schon reges Treiben herrscht. Nachdem wir kurz geschaut haben, setzen wir ein und wärmen uns auf. Wenige Minuten vor Beginn fahren wir dann in den Startbereich. Dieser ist in vier Felder aufgeteilt, vorne die Favoriten, dann die Zweier, die Einer und zum Schluss die Kanadierfahrer (die Mannschaftskanadier starten am Pont d'Arc). Fast genau pünktlich um 11 Uhr taucht der Kamerahelikopter auf, die Startseile fetzen nach oben und los geht’s. Die Wasseroberfläche kocht, als sich gut 800 Boote gleichzeitig auf die Reise begeben. Mittendrin hat man keine Chance, dem Hauen und Stechen auszuweichen. Dies bekommen in diesem Jahr ungewohnt viele Paddler zu spüren, für viele endet der Marathon schon nach wenigen Metern mit einem Bad in der Ardeche. Helfen kann man den armen Teufeln nicht, denn von hinten drängen stets schnellere Boote. Nach ca. einem Kilometer Gedrängel ist das vermeintlich Gefährlichste geschafft und man kann sich so langsam aufs eigentliche Paddeln konzentrieren, denn es gilt die ersten kleineren Schwälle zu meistern – mit den besseren Routen im Kopf kein Problem.
Wir fahren die sichere Route, machen aber trotzdem einige Plätze gut. Der »Charlemagne«, ein kräftiger Schwall, ist normalerweise auch immer für ein Massenschwimmen gut, dieses Jahr kann er jedoch problemfrei auf ganzer Breite befahren werden. Trotz der Flussbreite paddeln einige Teilnehmer immer noch mit dem Messer zwischen den Zähnen, was sich durch diverse Kollisionen und Drängeln auf freier Strecke bemerkbar macht. Wir bleiben unserer Taktik (aus dem Gröbsten raushalten und in den Wildwasserstellen gut fahren) treu und können einige objektiv schnellere Boote im Schach halten.
Immer schön am Paddel ziehend spulen wir die Kilometer runter, überholen, werden überholt und widmen - vor lauter Konzentration - der Schönheit der Gorge de l'Ardeche keinen Blick. Ich muss einem französischen Kamikaze-Paddler lautstark klar machen, dass er von uns weg bleiben soll. Ich vermute, dass er in diesem Moment meinen pfälzischen Akzent versteht, denn er bleibt erstmal auf Distanz. Es gibt bei diesem Rennen viele Teilnehmer, die nur geradeaus fahren können, in den Wildwasserstellen jedoch viel Zeit verlieren und wohl von »Wasser lesen« noch nie gehört haben. So auch unser französischer Kollege, der mit seinem PE-Wildwasserabfahrtsboot nach einem Drittel der Strecke in mein Steuer kracht. Der Typ hat mein Steuer platt gemacht!
Von nun an macht sich jede noch so kleine Verschneidungslinie bemerkbar und forderte Korrekturschläge, die am Paddelrhythmus zerren. Am Pausenplatz in der Schluchtmitte herrscht reges Treiben, was uns schlagartig um 30 Plätze nach vorne bringt. Kurz danach wartet das »Hackmesser«, eine Engstelle mit ungemütlicher Felswand links und giftigem Kehrwasser rechts sowie unserem Kamikazefreund im Nacken. Beim nächsten Schwall fahren wir wie gehabt auf sicher auf der linken Seite, er nimmt einen kleinen Abkürzungskanal rechts mit markantem Stein mitten im Stromzug. Zielsicher schrammt er daran, und eine Sekunde später sind Paddler und Boot gespült. Uns entweicht ein kurzer Jubel, die Gefahr durch Startnummer 615 ist gebannt. Ab der »Kathedrale«, einem gigantischen Felsendom, können wir auch mal nach links und rechts schauen. Manch teures Abfahrtsboot hängen wir ab, an manchen Leihbooten knabbern wir zwei Kilometer.
So ist der Ardeche-Marathon, ein Hotspot vieler unterschiedlicher Boote und Typen. Unter der Brücke von St. Martin kommt die letzte Prüfung: Eine 180-Grad-Spitzkehre gilt es ohne großen Zeitverlust (und ohne Steuer) zu nehmen, bevor wir noch gut 200 Meter gegen den Strom an der Uferpromenade hinauf müssen. Nach zwei Stunden und 17 Minuten erreichen wir glücklich und ausgepumpt das Ziel.
Ein neuer Streckenrekord wurde übrigens mit einer Stunde und 31 Minuten von den beiden Franzosen Hybois und Jouve geknackt.
Nach kurzem Verschnaufen im Zielbereich müssen wir noch 300 Meter flussauf zum Vereinsbus paddeln. Nachdem wir uns umgezogen haben und Boote und Ausrüstung verladen sind, schlendern wir noch über die Uferpromenade. Jeder Teilnehmer erhält im Verpflegungszelt eine Plastiktüte mit diversen Erfrischungen sowie nebenan heiße Getränke und Nudelsuppe. Und wenn die Nudelsuppe, die auch von der vorletzten Autobahn-Raststätte stammen könnte, besser schmeckt als ein Rumpsteak zu Hause, dann weiß man, dass man gut gepaddelt hat. Einer entspannten Heimfahrt folgt die Analyse des Rennens; Proportional zur Zeit wachsen die erlebten Geschichten. Da keiner von uns einen Pokal gewonnen hat, möchte auch niemand zur Siegerfeier. Dann doch lieber auf der Terrasse grillen, bevor gegen halb Zehn die Ersten ausgelaugt vom Tag den Weg ins Bett suchen.
Sonntagmorgen müssen wir nach einer erholsamen Nacht abermals früh aufstehen, erneut großartig frühstücken, die Fahrzeuge einräumen und die Wohnung zu putzen. Einer wehmütigen Abfahrt – die Sonne scheint, Indian Summer in den Cevennen- folgen gut neun Stunden im Clubbus. Uns entschädigt, dass sogar im Jura die Sonne scheint. Wir haben genug Zeit, um neue Projekte und Pläne fürs neue Jahr zu schmieden, bevor wir gegen 19 Uhr staufrei unsere schöne Domstadt erreichen.
















































