Als Freestyle-Wettkampf im Session-Format ging am Sonntag, den 19. September, das gemütliche Rodeo an der Münchner Floßlände in die heiß erwartete zweite Runde. Martin Koll dokumentiert das Wettkampfgeschehen samt Fun-Boatercross mit Sachpreisgarantie für Rüpel-Grabscher.
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Szene
2. Münchner Freestyle-Meisterschaft
Pünktlich zum Fassanstich auf dem Oktoberfest wurden in München auch die Balken zur Walzenbildung in den Floßländkanal getrieben: An zwei Wochen im September entstehen zwei kleine, aber feine Spielstellen im Kanal – beliebig modifizierbar und für jedermann zu befahren. Auch der Wiesn-Durchgangsverkehr in Tracht, die vielen bunten Plastikschüsseln am Rand, Herbstlaub und gastfreundliche, einheimische Paddler sind schöne Gründe sich hier gemeinsam zum gemütlichen Kräftemessen einzufinden. Da der Startschuss zur Anmeldung bereits sonntagmorgens um 9 Uhr fiel, traf sich ein Großteil der Paddlerschar bereits am Vorabend zum Grillen und Nächtigen im Vereinshaus des ESV München. Diejenigen, die von der Wiesn kamen, zündeten ihre mitgebrachte Feierlaune im anfälligen Paddlerkreis und so wurde noch bis in die Morgenstunden in Münchens Innenstadt vorgefeiert.
Tatsächlich fanden sich verkaterte Paddler, Ausgeschlafene und auch das Organisationsteam am Sonntag pünktlich an der Theo-Bock-Walze ein, tauschten Geld gegen Startnummer und Name gegen Startgruppe. Ein C1-Heat, ein K1-Damen-Heat, ein K1-Juniorinnen-Heat, zwei oder drei K1-Junioren-Heats und vier K1-Herren-Heats – insgesamt bestimmt 70 bis 80 Teilnehmer kämpften sich durch die Vorrunde, die zehn Besten ins Semi-Finale bzw. die fünf Besten gleich ins Finale. Walze und Wassertiefe ermöglichten sämtliche Moves, einzig der Wasserdruck und das Set-up (Ausrichtung des Kajaks, bevor ein Trick überhaupt erst gefahren werden kann) wollten wohl bedacht und präzise genutzt werden. Doch damit bei misslungenenen Versuchen und Abtreiben von der Walze kein Unmut aufkommt, wählte man das Session-System als sinnvolle Wertungsgrundlage: Hierbei fahren fünf Paddler in zehn Minuten gemeinsam um die Wette, jeder Athlet hat pro Walzenritt maximal 30 Sekunden Zeit und wird dann vom Nächsten abgelöst. So vergeudet man keine Zeit und Kraft und die Zuschauer beklatschen permanente Kajakrotation, statt mühevolles Hochpaddeln. Jeder Move wurde gleich zweimal gewertet, so dass die Kajaker ihre Stärken doppelt zu Papier bringen konnten.
Als spaßige Auflockerung unterbrach der Boatercross. Statt Punkten wurden hier Badeenten und Wasserbälle gejagt. Die Strecke: Boote ans Ufer legen und hinsprinten, vom oberen See gestartet, die große Rutsche hinunter, durch den Kanal, beide Walzen überwinden, vorbei an der Brückenwelle, ins Kehrwasser und hochsprinten. Die Aufgabe: Damit nicht nur Kraft und Ausdauer, sondern auch Geschicklichkeit, Durchsetzungsvermögen und Glück den Spaß-Faktor erhöhten, kippte man kurzerhand einen Eimer Badeenten und elf Wasserbälle ins Kehrwasser nach der Rutsche. Diese galt es mit möglichst schon geschlossener Spritzdecke zu meistern, dann nach schwimmenden Objekten zu grabschen, diese zu verteidigen und möglichst schnell den Chaos-Pool zu verlassen, um entweder als erster oder letzter über die Ziellinie zu paddeln. Der schnellste Wasserball-Transport wurde mit dem besten Sachpreis belohnt, den Darauffolgenden blieben Preise von einer Ananas und einem leeren Nutella-Glas aufwärts. Den Badeenten-Trägern winkten kleinere Sachpreise wegen des leichteren Transports.
Frisch belegte Leberkäs-Semmeln, Getränke, Obst und Backwaren füllten die Energiereserven in der anschließenden Mittagspause schmackhaft auf und gaben Kraft für die Finalläufe im Freestyle. Bei den C1-ern setzte sich Philipp Hitzigrath vor Fabian Krummreich und Thomas Hinkel durch. Ein spannenden Kopf-an-Kopf-Rennnen lieferten sich die unter-18-Jährigen in ihren Bootsklassen. Den Sieg bei den Jungs holte Heiko Stiebing vor Axel Heyber und Daniel Kazemi (Bayerischer Meister). Sandrina Hornhardt siegte vor Anne Rist und Julia Spaaij. Die K1-Frauenklasse dominierte Anne Hübner mit satten Loops und tollem Luftstand, Bayerische Meisterin wurde Sandra Sebelin. Einen spannenden Wettstreit über dreimal 10 Minuten lieferten sich Thomas Hinkel, Philipp Vorbohle, der einzige Österreicher Marcel Bloder und Martin Koll. Nach der Vorrunde lagen Hinkel und Koll punktgleich auf Rang eins, dicht gefolgt von Vorbohle. Dieser schnappte sich dann das Zepter im Halbfinale und verdrängte Koll mit 100 Punkten Vorsprung auf Platz zwei. Dieser konnte dann aber nochmals im Finale auftrumpfen und Marcel Bloder sehr knapp mit wenigen Punkten Vorsprung auf Platz zwei verweisen. Philipp Vorbohle wurde dritter, Thomas Hinkel musste sich – wahrscheinlich wegen der Vollgas-Vorrunde – leider mit Rang vier begnügen, Fünfter wurde Matthias »Tricky Woo« Stöckl.
Wie im Jahr zuvor haben sich die Organisatoren um Sprecher Julian Mihé wieder gehörig ins Zeug gelegt und trotz obligatorischem Wies'n-Pegel ein achtbares Event aus dem Boden gestampft, das sich nun wirklich nicht mehr hinter den großen Wettkämpfen verstecken braucht. Verpflegung, Unterkunft, Toilettenanbindung im Restaurant, zahlreiche Sachpreise, nette Gastgeber und ein fairer Playspot samt fairer Bewertung runden die echte Oktoberfest-Alternative ab. Danke noch an Ingrid Schlott, die als einzige Offizielle extra angereist ist und Hewo vom Team Baden für das Judging und die Wertungsorganisation.
Infos & Ergebnisse: freestyle.voric.com
Kleine Anmerkung des Autors am Rande: Der überschaubare und von allen Seiten einsehbare Playspot würde sich für eine »alternative Bewertung« anbieten, bei der die komplette (und dann auch komplexere) »Kür« des Athleten allgemein bewertet wird, nicht mehr nur jeder Trick. So ließe sich die Variation der Tricks erhöhen und dem Kajaker obliegt ein höherer Trainingsfaktor für schwerere Moves, da diese dann – auch ohne Perfektion – ausprobiert werden können. Und wer weiß, vielleicht sieht man dann auch den ein oder anderen neuen Move :).


















































