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Szene

Wildwasser reviewed – die WWF-Alpenflussstudie

28. Dezember 2011 von Christoph Scheuermann

Wie steht's um unsere Flüsse? Der World Wide Fund for Nature (WWF) ging dieser Frage auf den Grund und hat eine Studie zum Zustand ausgewählter, nordalpiner Flusslandschaften in Auftrag gegeben.

Durchgängig dank Fischpass, doch leider kaum Wasser im Flussbett – Winter an der Iller.
Foto: Klaas Hartz/pixelio.de

Viele der untersuchten Gewässer in der Schweiz, Deutschland und Österreich sind ausgewiesene Kajakflüsse, die Ergebnisse von Isar, Loisach, Lech und Co. daher auch für Paddler interessant. Am Ende bleibt das Fazit: Der Wert natürlicher Wildflüsse für den Erhalt der Artenvielfalt ist unbezahlbar.

Die Flussprobanden von der Sense im Berner Oberland bis zur Traisen in Niederösterreich wurden in sechs Kategorien näher untersucht. Die Betrachtung von Abfluss und Geschiebeführung macht die Relevanz sperrender Querbauwerke deutlich. So schneiden auf langen Strecken abgeleitete (zum Beispiel die Mangfall) oder durch Stauwehre abgeriegelte Flüsse (Isar ab Sylvenstein, Lech ab Reutte) hier schlecht ab. Die Gewässermorphologie untersucht die Natürlichkeit von Flusssohle und unmittelbarem Uferbereich. Volle Punkte kassiert hier die frei fließende Kiesbettwildnis der Isar nördlich Münchens, aber auch weite Strecken von Ammer und Bregenzer Ache. Schlechte Werte hingegen für die Iller ab Kempten, deren Wasser zur Stromerzeugung in einen Seitenkanal umgeleitet und deren Bett mit Sohlschwellen »verstuft« ist.

Wasserqualität gut, Durchgängigkeit mangelhaft

Insgesamt gut bis sehr gut steht es um die Wasserqualität der untersuchten Flüsse. Der forcierte Bau von Kläranlagen während der letzten 20 Jahre zeigt Erfolg. Lediglich an einigen Oberläufen wie der Loisach ab Ehrwald oder der Tiroler Ache ab Kitzbühel lässt die Sauberkeit zu wünschen übrig. Die Nutzung im Umfeld beurteilt den Erhalt der Aue und den Freiraum, der dem Fluss in der Talsohle bleibt. Schlechte Werte wie auf Teilen von Thur, Reuss und Tiroler Ache sind hier hauptsächlich durch Siedlungsgebiet in Flussnähe bedingt. Die biologische Durchgängigkeit beurteilt die Wandermöglichkeiten von Fischfauna und anderen Wasserlebewesen. Hier fällt die Bewertung mit sperrenden, den Fischaufstieg verhindernden Wehren. Gute Noten erhalten Ammer, Isar und Loisach, schlechter bewertet wurden die Traun in bayern, Mangfall und Traisen.

Testsieger Sense

Unterwegs auf dem König der Tiroler Wildflüsse – auf dem Lech stimmt noch fast alles.
Foto: Christoph Scheuermann

Das letzte Kriterium ist die Untersuchung von Arten und Lebensräume. Wertvolle Refugien sind hier der Tiroler Lech oder die Isar ab Krün. Stark eingeschränkt ist der Lebensraum von Tier- und Pflanzenwelt hingegen in dicht besiedelten Bereichen, wie dem Lech bei Schongau, der Iller in Kempten oder der Mangfall bei Rosenheim. Positiv überraschen einige stark im Abflussregime veränderte und durch Wehre gestaute Strecken. So kompensieren breite Auwälder wie am Lech südlich Augsburg oder an der Iller nördlich von Memmingen durch Menschenhand geschaffene Eingriffe und lassen eine reiche Artenvielfalt zu.

Sieger im Flüsseranking in nahezu allen Kategorien ist übrigens die Sense im Berner Oberland.

Die gesamte Alpenflussstudie samt den Vorschlägen zur Erhöhung des natürlichen Potenzials der Flüsse gibt's hier zum Download.


Zusätzliche Informationen und Links

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