Dieser Monat ist gemacht für Winterpaddelrekorde. Volle zehn Tage liefen die Wald- und Wiesenbäche der deutschen Mittelgebirge – und das oft mit Full Flow. Wie schon eine Woche zuvor war die Sause auch am dritten Januarwochenende lang vorher planbar. Kein Wunder, dass viele ihre Ski gegen Boot und Paddel tauschten. Hier ein Streifzug durch Schwarzwald, Harz und Oberpfälzer Wald, außerdem geht's gleich hinter die Grenze ins Salzburger Land und in die Ostschweiz.
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Wildwasser im Januar – die Zweite
Von Horst Fürsattel himself erreichte die Redaktion Fotos von bunten Paddlern inmitten einer bis über den Rand gefüllten Waldnaab. Während am Wochenende zuvor Paddler des Bamberger Faltboot-Clubs mit massivem Eisgang kämpften, mussten Horst und Freunde am Freitag, den 14. Januar, die Einsamkeit des Waldnaabtals nur mit den Wassermassen teilen. Am Wanderparkplatz einzusetzen war kein größeres Problem, dort zu parken eher ungemütlich …
Dank auf Anschlag gefüllter Talsperren im Harz können Nordlichter die rasanten Abfahrten rund um den Brocken schon seit knapp zwei Wochen genießen. Grund genug für Markus Schröder von Göttingen aus an drei Tagen in Folge den Hausbach der Region, die Oker, anzusteuern. Doch wenn sonst das Standardstück ganzjährig Wildwasserspaß bei Minimalpegel verspricht, konnte die letzten Tage dank Talsperrenüberlauf auch die Untere Oker befahren werden. Diese Strecke ist deutlich steiler und technischer. Schon die Normalstrecke war mit höherem Durchfluss wuchtiger als gewohnt. Nach dem Überqueren des Vorstaubeckens konnte die Fahrt bei 8,5 Kubik fortgestzt werden. Auf der Unteren Oker besteht immer die Gefahr von Baumhindernissen, es wundert also nicht wenn es nach häufigem Besichtigen ein langer Tag wird.
Auch im Südwesten der Republik zeigten die Flusspegel die ganze Woche über hohe Werte an. Die Spitze der Schmelze wurde am Donnerstag mit Dauerregen verstärkt, so dass die Schwarzwaldflüsse Wasserstände erreichten, bei denen die meisten nicht mehr ans Paddeln denken. Doch schon am Samstag war das Hochwasser zum größten Teil abgelaufen. Murg, Große Enz und wohl auch jeder andere Wildbach im Schwarzwald verzeichneten Idealpegel. Florian Stiebing aus Reutlingen und Freunde entschieden sich für einen Park'n'Huck-Fototag am Geroldsauer Wasserfall. Ganz in der Nähe des Kurorts Baden-Baden durchbricht der Grobbach hier einen Granitriegel und lockt Paddler mit einer Wildwasserstrecke im vierten Grad und einem 7 Meter hohen Wasserfall als Höhepunkt. Leider ist die vorangehende Waldschlucht momentan wegen zahlreicher Bäume kaum fahrbar, aber der Wasserfall selbst ist eine echte Attraktion, wie die folgenden Fotos zeigen.
Wuchtwassergefühlen konnte die Kajakgemeinde – wie schon am zweiten Januarwochende – an der Murg frönen. Am Samstagmorgen waren beide Staubecken voll abgelassen und zumindest bis 11 Uhr leitete das Schott in Kirschbaumwasen kein Wasser in den Stollen. So kam es, dass die Hochwasserzentrale seit dem Vorabend sinkende Wasserstände vermeldete, am Morgen die Pegelkurve aber unvermittelt in die Höhe schnellte. Je nach persönlicher Ambition löste diese Erkenntnis am Einstieg Freude oder Zurückhaltung aus. Gut 50 Kubik brachten Obere Murg und Schönmünzach in die Mittlere Murg ein, so dass knackiges Wuchtwasser die Paddler gen Forbach spülte. Nach dem Umtragen des Stauwehrs konnte die Fahrt bei etwa 70 Kubik auf der Unteren Murg fortgesetzt werden. Deutlich entspanntere Verhältnisse dann am Sonntag: Bei knapp zehn Grad und reichlich Sonne zeigte sich die Mittlere milde, aber nicht weniger technisch. Diese Chance nutzten Frank Ziegler und seine Open-Canoe-Crew. Es gab wohl nicht viele Tage, an denen die Mittlere Murg so viele Openboater zu sehen bekam. Respekt an die Mannen, die hier ihre Wannen durch Wellen und Walzen zirkelten! Einen sehr lesenswerten Beitrag zur Mittleren Murg findet ihr im riverrunner-Blog von Frank Ziegler.
Ideale Verhältnisse auch im Südschwarzwald. Die Wasserstände waren hier auf moderate Höhen gefallen und so bot zum Beispiel die Wutach eine faszinierende Atmosphäre zwischen Sonnenlicht und aufsteigendem Nebel. Besonders in der kurzen Felsschlucht beim Bahnhof Kappl und der Stallegger Klamm ist stets mit Baumversperrungen zu rechnen. So blockieren auch dieses Frühjahr drei Bäume die freie Fahrt und fordern zum Teil zu erfindungsreichem Umtragen auf. Wer die Wutachschlucht in dieser Saison unter den Kiel nehmen will sollte sich beeilen. Ab 1. März ist der größte Teil der sehenswerten Großschlucht für den Kanuverkehr gesperrt.
Lag bis Mitte letzter Woche eine zähe Schneedecke über den Voralpen, setzte ab Donnerstag der Dauerregen dem Schnee auch in Nordtirol, der Ostschweiz und dem Salzburger Land zu. Das führte zu der kuriosen Situation, dass beispielsweise die Brandenberger Ache mit ausgesprochenem Hochwasser fahrbar war. Auch durch die Täler von Saalach und Lammer wälzten sich am Freitag hunderte von Kubikmetern flüssiger Schnee zu Tale. Keine Frage, dass die Locals hier nichts anbrennen ließen, sondern nach den besten Früchten im Garten griffen. So zogen zum Beispiel Robert Machacek und Daniel Egger, auch bekannt als Teil der Stürzercombo »V-Boyz«, los ins Lammertal. Als echte Kenner der Region wissen sie, wo bei diesen Rekordpegeln die Perlen versteckt sind. Hohe Wasserfälle und Rutschen konnten die beiden, am Samstag auch mit Verstärkung aus Oberbayern, am Weitenaubach und dem Marchgraben bezwingen. Seht selbst, was diese Seitenbäche des Aubachs verborgen halten. Mehr zu den steilen Meilen der V-Boyz erfahrt ihr auf deren Website.
Zu guter Letzt noch ein Blick über Deutschlands Südgrenze ins Land der Eidgenossen. Hier in der Ostschweiz, nicht weit vom Bodensee und den Wildflüssen des Bregenzer Waldes, fanden Karen Menzel und Christian Paffenholz beste Bedingungen an der Urnäsch vor. Zusammen mit der benachbarten Sitter stellt das Duo die prominenteste Vertretung der Ostschweizer Wildbäche dar. In tiefen Konglomeratschluchten bilden die zum Teil klammartig verengten Bäche zahlreiche Stufen mit nicht immer ungefährlichen Unterspülungen. Konglomeratgestein eben. Als echte Locals aus dem nahen Lindau kennen die beiden die guten und schlechten Seiten der Creeks und nutzten das feuchte Wetter für eine rasante Befahrung. Wo in der Region Karen und Christian sonst noch unterwegs sind, könnt ihr auf dem Blog der Lindauer Paddler nachlesen.





























































































