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Szene

Wildwasser im Januar – die Zweite

20. Januar 2011 von Christoph Scheuermann

Dieser Monat ist gemacht für Winterpaddelrekorde. Volle zehn Tage liefen die Wald- und Wiesenbäche der deutschen Mittelgebirge – und das oft mit Full Flow. Wie schon eine Woche zuvor war die Sause auch am dritten Januarwochenende lang vorher planbar. Kein Wunder, dass viele ihre Ski gegen Boot und Paddel tauschten. Hier ein Streifzug durch Schwarzwald, Harz und Oberpfälzer Wald, außerdem geht's gleich hinter die Grenze ins Salzburger Land und in die Ostschweiz.

Foto zur Wildwasserrundschau vom 3. Januarwochenende 2011.
14. Januar 2011: Nordbayern on fire!
Screenshot: Horst Fürsattel

Von Horst Fürsattel himself erreichte die Redaktion Fotos von bunten Paddlern inmitten einer bis über den Rand gefüllten Waldnaab. Während am Wochenende zuvor Paddler des Bamberger Faltboot-Clubs mit massivem Eisgang kämpften, mussten Horst und Freunde am Freitag, den 14. Januar, die Einsamkeit des Waldnaabtals nur mit den Wassermassen teilen. Am Wanderparkplatz einzusetzen war kein größeres Problem, dort zu parken eher ungemütlich …

Foto zur Wildwasserrundschau vom 3. Januarwochenende 2011.
Idyllische Szenerie im Tal der Oker.
Foto: Markus Schröder

Dank auf Anschlag gefüllter Talsperren im Harz können Nordlichter die rasanten Abfahrten rund um den Brocken schon seit knapp zwei Wochen genießen. Grund genug für Markus Schröder von Göttingen aus an drei Tagen in Folge den Hausbach der Region, die Oker, anzusteuern. Doch wenn sonst das Standardstück ganzjährig Wildwasserspaß bei Minimalpegel verspricht, konnte die letzten Tage dank Talsperrenüberlauf auch die Untere Oker befahren werden. Diese Strecke ist deutlich steiler und technischer. Schon die Normalstrecke war mit höherem Durchfluss wuchtiger als gewohnt. Nach dem Überqueren des Vorstaubeckens konnte die Fahrt bei 8,5 Kubik fortgestzt werden. Auf der Unteren Oker besteht immer die Gefahr von Baumhindernissen, es wundert also nicht wenn es nach häufigem Besichtigen ein langer Tag wird.

Foto zur Wildwasserrundschau vom 3. Januarwochenende 2011.
Florian Stiebing findet Air am Geroldsauer Wasserfall.
Foto: Philipp Hitzigrath

Auch im Südwesten der Republik zeigten die Flusspegel die ganze Woche über hohe Werte an. Die Spitze der Schmelze wurde am Donnerstag mit Dauerregen verstärkt, so dass die Schwarzwaldflüsse Wasserstände erreichten, bei denen die meisten nicht mehr ans Paddeln denken. Doch schon am Samstag war das Hochwasser zum größten Teil abgelaufen. Murg, Große Enz und wohl auch jeder andere Wildbach im Schwarzwald verzeichneten Idealpegel. Florian Stiebing aus Reutlingen und Freunde entschieden sich für einen Park'n'Huck-Fototag am Geroldsauer Wasserfall. Ganz in der Nähe des Kurorts Baden-Baden durchbricht der Grobbach hier einen Granitriegel und lockt Paddler mit einer Wildwasserstrecke im vierten Grad und einem 7 Meter hohen Wasserfall als Höhepunkt. Leider ist die vorangehende Waldschlucht momentan wegen zahlreicher Bäume kaum fahrbar, aber der Wasserfall selbst ist eine echte Attraktion, wie die folgenden Fotos zeigen.

Foto zur Wildwasserrundschau vom 3. Januarwochenende 2011.
Claudius Loth steuert seinen Prélude souverän durch den Blockslalom der Mittleren Murg.
Foto: Frank Ziegler

Wuchtwassergefühlen konnte die Kajakgemeinde – wie schon am zweiten Januarwochende – an der Murg frönen. Am Samstagmorgen waren beide Staubecken voll abgelassen und zumindest bis 11 Uhr leitete das Schott in Kirschbaumwasen kein Wasser in den Stollen. So kam es, dass die Hochwasserzentrale seit dem Vorabend sinkende Wasserstände vermeldete, am Morgen die Pegelkurve aber unvermittelt in die Höhe schnellte. Je nach persönlicher Ambition löste diese Erkenntnis am Einstieg Freude oder Zurückhaltung aus. Gut 50 Kubik brachten Obere Murg und Schönmünzach in die Mittlere Murg ein, so dass knackiges Wuchtwasser die Paddler gen Forbach spülte. Nach dem Umtragen des Stauwehrs konnte die Fahrt bei etwa 70 Kubik auf der Unteren Murg fortgesetzt werden. Deutlich entspanntere Verhältnisse dann am Sonntag: Bei knapp zehn Grad und reichlich Sonne zeigte sich die Mittlere milde, aber nicht weniger technisch. Diese Chance nutzten Frank Ziegler und seine Open-Canoe-Crew. Es gab wohl nicht viele Tage, an denen die Mittlere Murg so viele Openboater zu sehen bekam. Respekt an die Mannen, die hier ihre Wannen durch Wellen und Walzen zirkelten! Einen sehr lesenswerten Beitrag zur Mittleren Murg findet ihr im riverrunner-Blog von Frank Ziegler.

Foto zur Wildwasserrundschau vom 3. Januarwochenende 2011.
Traumtag an der Wutach: Hier rutscht Matthias Stöckl an der Gutachbrücke bei Kappl ins Wasser.
Foto: Christoph Scheuermann

Ideale Verhältnisse auch im Südschwarzwald. Die Wasserstände waren hier auf moderate Höhen gefallen und so bot zum Beispiel die Wutach eine faszinierende Atmosphäre zwischen Sonnenlicht und aufsteigendem Nebel. Besonders in der kurzen Felsschlucht beim Bahnhof Kappl und der Stallegger Klamm ist stets mit Baumversperrungen zu rechnen. So blockieren auch dieses Frühjahr drei Bäume die freie Fahrt und fordern zum Teil zu erfindungsreichem Umtragen auf. Wer die Wutachschlucht in dieser Saison unter den Kiel nehmen will sollte sich beeilen. Ab 1. März ist der größte Teil der sehenswerten Großschlucht für den Kanuverkehr gesperrt.

Foto zur Wildwasserrundschau vom 3. Januarwochenende 2011.
Martin »Kalti« Kaltenbach am Weitenaubach.
Foto: Robert Machacek

Lag bis Mitte letzter Woche eine zähe Schneedecke über den Voralpen, setzte ab Donnerstag der Dauerregen dem Schnee auch in Nordtirol, der Ostschweiz und dem Salzburger Land zu. Das führte zu der kuriosen Situation, dass beispielsweise die Brandenberger Ache mit ausgesprochenem Hochwasser fahrbar war. Auch durch die Täler von Saalach und Lammer wälzten sich am Freitag hunderte von Kubikmetern flüssiger Schnee zu Tale. Keine Frage, dass die Locals hier nichts anbrennen ließen, sondern nach den besten Früchten im Garten griffen. So zogen zum Beispiel Robert Machacek und Daniel Egger, auch bekannt als Teil der Stürzercombo »V-Boyz«, los ins Lammertal. Als echte Kenner der Region wissen sie, wo bei diesen Rekordpegeln die Perlen versteckt sind. Hohe Wasserfälle und Rutschen konnten die beiden, am Samstag auch mit Verstärkung aus Oberbayern, am Weitenaubach und dem Marchgraben bezwingen. Seht selbst, was diese Seitenbäche des Aubachs verborgen halten. Mehr zu den steilen Meilen der V-Boyz erfahrt ihr auf deren Website.

Foto zur Wildwasserrundschau vom 3. Januarwochenende 2011.
Berny Woerz in einer wehrähnlichen Stufe der Urnäsch.
Foto: Christian Paffenholz

Zu guter Letzt noch ein Blick über Deutschlands Südgrenze ins Land der Eidgenossen. Hier in der Ostschweiz, nicht weit vom Bodensee und den Wildflüssen des Bregenzer Waldes, fanden Karen Menzel und Christian Paffenholz beste Bedingungen an der Urnäsch vor. Zusammen mit der benachbarten Sitter stellt das Duo die prominenteste Vertretung der Ostschweizer Wildbäche dar. In tiefen Konglomeratschluchten bilden die zum Teil klammartig verengten Bäche zahlreiche Stufen mit nicht immer ungefährlichen Unterspülungen. Konglomeratgestein eben. Als echte Locals aus dem nahen Lindau kennen die beiden die guten und schlechten Seiten der Creeks und nutzten das feuchte Wetter für eine rasante Befahrung. Wo in der Region Karen und Christian sonst noch unterwegs sind, könnt ihr auf dem Blog der Lindauer Paddler nachlesen.

Mehr Winterpaddeln

Foto zur Wildwasserrundschau vom 3. Januarwochenende 2011.
21.01.2011

Park'n'Huck am Geroldsauer Wasserfall

Am dritten Januarwochenende 2011 stand der Schwarzwald in vollem Saft. Die vier jungen Paddler aus der Region Florian Stiebing, Philipp Hitzigrath, Johannes Schmidt und Adrian Mattern entschieden sich für einen Park'n'Huck-Fototag am Geroldsauer Wasserfall. Ganz in der Nähe des Kurorts Baden-Baden durchbricht der Grobbach hier einen Granitriegel und lockt Paddler mit einer Wildwasserstrecke im vierten Grad und einem sieben Meter hohen Wasserfall als Höhepunkt. Leider ist die vorangehende Waldschlucht momentan wegen zahlreicher Bäume kaum fahrbar, aber der Wasserfall selbst ist eine echte Attraktion, wie das folgende Filmchen zeigt.
Foto zur Befahrung des Steinbachgrabens von Robert Machacek und Andreas Stockinger.
14.01.2011

Zwischenschmelze am Stony Creek

Die Salzburger Locals Robert Machacek und Andreas Stockinger nutzten am gestrigen Donnerstag die Zwischenschmelze zu einem Rendezvous mit dem Steinbachgraben, einem Zufluss des Mitterweißenbachs. Die extrem steile Rinne nahe Bad Ischl trägt ob der meist bei Schrubbelwasser erfolgenden »Befliegungen« bei Paddlern den Namen »Stony Creek«. Dass die haarsträubend steile Wasserfallstrecke auch bei menschenwürdigen Pegeln machbar ist, beweisen die folgenden Bilder.
13.01.2011

Winter-Creeken in Nordwestspanien

Ein filmischer Leckerbissen aus dem spanischen Winter erreichte die KANU-Redaktion heute von Thomas Schmidt. Der 1997 nach Asturien ausgewanderte Deutsche versorgt die Szene seit Jahren mit Fotos und Informationen über die Flüsse in und um Galizien. Hier seine neuestes Werk in bewegten Bildern.
Foto zum Hochwasser-Paddelreport 8./9. Januar.
12.01.2011

Hochwasserpaddeln in Deutschland

Das vergangene Wochenende wird vielen Wildwasserpaddlern lange in Erinnerung bleiben. Quer durch Deutschland verwandelten Regen- und Schmelzwasserfluten vereiste Bachbetten in ausgewachsene Flüsse, die zur Saisoneröffnung baten. Die KANU-Redaktion hat sich umgehört in der Republik und fotografische Eindrücke gesammelt.

Zusätzliche Informationen und Links

Bilder aus der Roflaschlucht vom 14. April.
16.04.2012

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