Nach der ersten erfolgreichen Sibirien-Expedition 2009 legt das Sickline-Team um Olaf Obsommer nach: Diesen Sommer erkunden die Paddler die mächtigen Flüsse im Herzen des gewaltigen Altai-Gebirges. Hier eine Vorschau was die Jungs in den nächsten Wochen erwartet.
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Sickline-Team in Russland: »Second Step into Siberia«
Am Samstagmorgen des 17. Juli erreicht uns um 4.29 Uhr Olafs E-Mail:
»Hallo zusammen, wir sind nun angekommen. Beide Flieger haben wir sprichwörtlich in letzter Sekunde bestiegen. War mal wieder Aufregung und Stress mit dem Einchecken der Kajaks... Morgen kommen noch Jared und Thilo, dann zwölf Stunden Autofahrt und wir sind im Altai. Liebe Grüße, Olaf.«
Zeit für die Online-Redaktion des KANU MAGAZINs einen Überblick zu geben, was die zehn Expeditionisten die nächsten drei Wochen erwartet.
Im Team sind Tomass Marnics, Florian Dillier, Jared Meehan, Bernhard Mauracher, Olaf Obsommer, Sam Sutton, Stéphane Pion, Thilo Schmitt, Timo Köster und Philip Baues.
Auf Park & Huck folgt Run & Jump. Gerade erst von ihrem Islandabenteuer zurückgekehrt, ist das Team rund um Olaf Obsommer schon wieder unterwegs nach Sibirien, wo viel Wasser, Wodka und wilde Tiere auf die Jungs warten.
Zwischen den beiden Trips blieb den Jungs gerade einmal Zeit, Wäsche zu waschen und die Akkus von Körper und Kameras aufzuladen. Dann hieß es für die zehnköpfige Gruppe erneut Sachen packen und Abschied nehmen von weichen Betten, gefüllten Kühlschränken und den Lieben daheim. Aber wer ein echter Abenteurer sein will, der fühlt sich unterm Sternenhimmel eh am wohlsten...
Die Reise führt über Moskau bzw. St. Petersburg und Novosibirsk in den Altai, dem höchsten Gebirge Sibiriens. Nachdem das Team auf Island beim Wasserfall-Hopping mehr vertikale als horizontale Paddelmeter gemacht hat, warten im Grenzgebiet zwischen Russland, Kasachstan, China und der Mongolei abwechslungsreiche Mehrtagestrips auf die Expeditionsgruppe. Von 60 km langen Rapids im Zambesi-Style bis hin zu extrem steilen Creeks und einigen Erstbefahrungen bietet das Altai-Gebirge massig Potenzial, um die Jungs bei Laune und hoffentlich vom Wodka fern zu halten! Wenn sich dann noch Bären, Wölfe und andere Raubtiere dazu entschließen, dass Paddler gerade nicht in ihren Diätplan passen, können wir sicher auf atemberaubende Bilder und Berichte aus dem tiefsten Sibirien gespannt sein!
Mächtiges Gebirge im Süden Russlands
Der Altai ist die höchste Gebirgsgruppe Sibiriens und erhebt sich ganz im Süden Russlands an den Grenzen zu Kasachstan, China und der Mongolei. Die Berge des Altai erstrecken sich etwa 300 Kilometer von West nach Ost wie auch von Nord nach Süd. Der Belukha ist mit 4506 m der höchste Gipfel des Altai.
Für sibirische Verhältnisse ist die Region relativ stark besiedelt, ein recht dichtes Straßennetz macht den Zugang mittels Allrad-Fahrzeug an vielen Flüssen möglich. Andererseits gelangt man schnell in gänzlich menschenleere Gegenden, sobald man die Straßen verlässt. Vielerorts begegnet man tagelang keinen anderen Menschen.
Die Einheimischen sind mongolischer Abstammung und gehen hauptsächlich der Viehzucht nach, zu einem kleineren teil betreiben sie Feldwirtschaft. Ihre Sprache zählt zur Familie der Turk-Sprachen, doch mit Russisch kommt man meist ans Ziel. Größtes gesellschaftliches Problem, dessen Wurzeln bis in die Sowjet-Zeit zurückreichen, ist der Alkoholismus weiter Bevölkerungsschichten. Es passiert schnell, dass man in der Nähe von Siedlungen mit aggressiven Betrunkenen in Streit gerät. Im Gegenzug ist der Rest der Bevölkerung sehr gastfreundlich und zuvorkommend.
Flüsse, Paddelsaison und Klima
Generell müssen die Flüsse als Mehrtagestrips ohne Unterstützung vom Ufer befahren werden. Die meisten Flüsse sind relativ kurz und können in zwei bis fünf Paddeltagen bewältigt werden.
Beste Zeit sind die Monate Juli und August. Auch im September ist Paddeln möglich, allerdings ist es dann schon recht kühl und es regnet öfter. Später Mai und Juni sind auch möglich, doch auch dann drohen häufiger Regen und hohe Wasserstände, da die meisten Flüsse durch Regen und Schneeschmelze gespeist werden. Die Flüsse, die das Belukha-Massiv entwässern haben ein glaziales Abflussregime.
Das Klima im Sommer ist sehr warm mit Durchschnittstemperaturen im Juli von 22 bis 25 °C in den Bergen. Überraschenderweise ist der Altai mückenfrei. Die paddelbaren Flüsse liegen in der Regel nur mäßig hoch zwischen 500 und 1.200 m Höhe. Am Belukha befinden sich manche Einstiege auch auf 1.500 bis 1.700 m über dem Meer.
Anreise
Die größte Stadt Sibiriens (und die drittgrößte Russlands) Novosibirsk befindet sich 600 Kilometer nördlich des Altai-Gebirges. Nach Novosibirsk gibt es Flüge aus der ganzen Russischen Föderation und auch von vielen europäischen Metropolen. Nur 300 Kilometer vom Altai entfernt befindet sich die Stadt Barnaul, welche per Direktflug mit Moskau verbunden ist. Beide Städte verfügen über eine Vielzahl von Zugverbindungen. Die Anreise von Moskau dauert allerdings 50 bis 60 Stunden und lohnt sich für die meisten Paddeltrips kaum.
Der Zugang im Gebirge erfolgt mit dem Auto über die »Chuya Road«, der Hauptroute in die Mongolei. Zahlreiche lokale Nebenrouten machen den Zugang zu Ein- und Ausstiegen an vielen Flüssen gut möglich. Die Nebenstrecken sind oft nicht gut unterhalten und erfordern meist ein Allrad-Fahrzeug.
Flüsse
In drei Wochen plant das Sickline-Team zehn Flüsse im Bereich WW 4 und 5 zu befahren.
Der erste Fluss auf der Liste ist der Chuya mit wuchtigem WW 5+, In der 17 Kilometer langen Schlucht voller mächtiger Rapids freut man sich über einen Vorfahrer, der die Linie kennt.
Nach zwei Tagen am Chuya bewegt sich der Tross hin zu einem der größten Täler des Altai, ins Tal des Argut. Auf dem Karagem, einem Nebenfluss des Argut, erlebt das Team zwei Tage steiles WW 5 in beeindruckender Landschaft. Zwei weitere Tage widmen die Paddler den riesigen Wellen des Argut. Yeah, 60 Kilometer Wuchtwasser im Stil des Zambesi!
Den Thrill einer Erstbefahrung suchen die Paddler am Edygem, einem linken Zubringer des Argut. Erholung bietet danach der größte Fluss in diesem Teil Russlands: WW 4 auf dem Katun.
Nach dem Katun ist es Zeit für einen Revierwechsel: Das Team setzt über in die Region Ulagansky. Der erste Fluss, der Chulysman, bietet gleich fünf Tage WW 5. Gegen Ende des Mehrtagestrips paddelt das Team den rechten Zufluss, den Kurkure. Die Wasserfallstrecke ist nur hundert Meter lang. Eine ganze Reihe von Kaskaden findet ihren Höhepunkt in einem 25-30 m hohen freien Fall, der bislang noch auf seinen Erstbefahrer wartet.
Nach hoffentlich erfolgreicher Entjungerung dieser Wasserfallperle steht der Chulcha an. Direkt am Fuß eines 150 m hohen Wasserfalls beginnt die Tagesetappe WW 5. In weiteren drei Tagen werden die Expeditionspaddler den Bashkaus befahren. Der schwierigste Fluss der Altai-Reise beeindruckt mit seiner sehr tiefen Schlucht und 60 Kilometer Ausnahmewildwasser.
Abschluss der Expedition wird der Chebdar sein, ebenfalls eine Erstbefahrung. Auf dem Rückweg quert die Gruppe den dritttiefsten See Sibiriens, den Telezker See.
Weitere Infos zum Kajakfahren in den Gebirgen Südrusslands findet ihr auf der Website »Kayak USSR« des Team-Mitglieds Tomass Marnics.
















