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Szene

Paddelverbot auf der Alz: Zu viele Gefahrenstellen

29. Juni 2010 von Judith Prechtl

Paddeln auf der Alz ist 2010 nur von Seebruck bis Truchtlaching erlaubt. Danach gilt bis Altenmarkt ein Fahrverbot. Erst ab 1. Juli 2011 soll der beliebte Wanderfluss wieder komplett für Paddler und Freizeitkapitäne freigegeben werden.

Kanutour auf der Alz in Bayern.
Erst ab Juli 2011 wieder möglich: Eine Familientour auf der Alz.
Foto: Manuel Arnu

Die Alz entwässert das »bayerische Meer«, den Chiemsee. Zwischen Seebruck und Altenmarkt ist sei ein wunderschöner, wasserreicher und natürlicher Wanderfluss in idyllischer Voralpenlandschaft, der alle bayerischen Klischees bedient: Blick auf die Alpen, gemütliche Biergärten, schmucke Dörfchen... Befahren darf man das Schmuckstück üblicherweise erst ab 1. Juli, davor gilt ein naturschutzrechtliches Befahrungsverbot. Anders in diesem Jahr: Bis voraussichtlich 1. Juli 2011 bleibt die Idylle entlang der Alz ab Truchtlaching allein den Vögeln vorbehalten. Grund dafür ist eine Allgemeinverfügung, die das Landratsamt Traunstein aus Sicherheitsgründen erlassen hat. »Die Sperrung wurde vorsorglich, gerade zum Schutz von Leib und Leben der Menschen getroffen«, betont Martin Thurner vom Sachgebiet Wasserrecht. Die starke Strömung und zahlreiche Baumhindernisse, die seit dem Winter im Fluss liegen, hätten diese Maßnahme notwendig gemacht. Durch die Gefahrenstellen werde das Risiko, dass es auf der Alz zu brenzligen Situation kommt, deutlich erhöht.

Kanutour auf der Alz in Bayern.
Alles was schwimmt: Ein ganz normaler Sonntag im Sommer...
Foto: Manuel Arnu

Während der sechs Kilometer lange Zahmwasser-Abschnitt vom Auslauf des Chiemsees in Seebruck bis zum Strandbad in Truchtlaching gefahrlos ist, stellt der anschließende Abschnitt bis nach Altenmarkt eine größere Herausforderung an die Boots- und Schifferlfahrer dar. Gerade im Bereich Offling, wo sich die Alz in zwei Arme teilt. Dort ereignete sich bereits 2007 ein tödlicher Unfall. Seither fordern Schilder, gemeinsam aufgestellt vom Wasserwirtschaftsamt Traunstein und den Gemeinden Altenmarkt und Gemeinden Seeon-Seebruck, dazu auf, den weniger strömungsführenden rechten Seitenarm zu nutzen. Die anschließenden intensiven Beobachtungen des Alzabschnittes ab Truchtlaching zeigten jetzt auf, dass sich der Wasserabfluss gerade in den linken, gefährlicheren Seitenarm verlagert hat. In der Folge haben sich die Strömungsverhältnisse im gesamten Flussbett verändert: die entstehende Sogwirkung drängt alles abfließende Wasser durch die Gefahrenstelle und die Fließgeschwindigkeit in dem Bereich ist deutlich erhöht. In dem nur wenige Meter breiten Bereich sind bereits erhebliche Teile des Ufers und somit auch erste Baumgruppen weg gebrochen. Diese blockieren entweder die Durchfahrt mit den Booten oder liegen nur knapp unter der Wasseroberfläche. Deren Äste können gerade für Schlauchboote zu gefährlichen Schlitzwerkzeugen werden. Eine Lebensgefahr für die Freizeit- und Hobbybootsfahrer ist nicht mehr ausgeschlossen.

Kanutour auf der Alz in Bayern.
Bleibt zu hoffen, dass der »Wanderfluss der Extraklasse« im nächsten Jahr wieder gepaddelt werden darf.
Foto: Manuel Arnu

Gerade an schönen Sommerwochenenden wird die Alz massenweise befahren. Paddler tummeln sich hier genauso wie Freizeitkapitäne im Badeboot, auf Luftmatratzen, Surfbrettern, Flößen und Boogie-Boards. KANU-Autor Manuel Arnu vergleicht in seinem Tourenplaner aus KANU 5/2009 eine Alzfahrt im Hochsommer mit einer »Art Love-Parade zu Wasser.« Außerhalb dieser Stoßzeiten gilt die Alz jedoch als Wanderfluss der Extraklasse. »Den eventuellen Auswirkungen auf den Tourismus sind wir uns durchaus bewusst«, sagt Thurner. »Wir sehen aber nach intensiver Prüfung keine andere Möglichkeit, die Gefahr auf ein für Wildgewässer 'normales' Maß zu reduzieren.« Sofort ließen sich die Gefahrenstellen nicht baulich beseitigen, denn dafür sei eine geeignete Planung notwendig. Um die erforderlichen Maßnahmen zügig abzuwickeln arbeiten das Wasserwirtschaftsamt Traunstein, im Auftrag des Freistaates Bayern zuständig für die Gewässerunterhaltung, und das Landratsamt Traunstein bereits mit Hochdruck. Man möchte die erforderlichen Maßnahmen zeitlich zügig abzuwickeln, damit die Alz möglichst wieder ab 1. Juli 2011, also nach Ende des naturschutzrechtlichen Befahrungsverbotes (gilt von 01. Jan. bis 30. Juni), wieder befahrbar ist.

Eine erst angedachte, den Fahrspaß weniger einschränkende kleinräumige Sperrung, wurde vom Landratsamt als nicht sinnvoll erachtet. »Da der Bereich weitgehend naturbelassener Auenwald ist, sind weder Uferwege noch geeignete Ein- und Ausstiegsstellen vorhanden, um die vielen Menschen aufzunehmen. Die überdies fehlende verkehrliche Anbindung ist auch ein Grund dafür, weshalb eine schnelle Beseitigung der Bäume aus dem Wasser und die nötige Befestigung des Gewässerbetts nicht realisierbar ist«, so Thurner. Mit dem Erlass der Allgemeinverfügung appelliert das Landratsamt Traunstein nun an die Vernunft der Leute, keinesfalls die eigene Sicherheit auf's Spiel zu setzen und das Verbot zu beachten. Auch eine zusätzliche Beschilderung soll diesem Appell Nachdruck verleihen.

Aktuelle Gefahrenstellen

Paddeln in Bayern

Im Zweier auf dem Ammersee.

Ammersee

Der Ammersee ist der drittgrößte See in Bayern, übertroffen nur vom Chiemsee und dem Starnbergersee und er ist der Voralpensee, der sich am weitesten nach Norden erstreckt. Mit seiner länglichen Form und der großen Herrschinger Bucht erinnert der See aus der Vogelperspektive an eine Okarina, dem tönernen italienischen Instrument. Bei guter Kondition und ruhigem Wetter vorausgesetzt, lässt sich der See in sechs bis acht Stunden umrunden. Auch Querungen sind möglich.

Chiemsee

Der Chiemsee östlich von Rosenheim ist der größte See Bayerns und nach Bodensee und Müritz der drittgrößte See Deutschlands. Paddler finden auf dem »Bayerischen Meer« ein breites Port­folio.
Mit Kanu und Kajak auf dem Inn.

Inn - Von Wasserburg bis Mühldorf

Flussinfo Inn: Wasserreicher Voralpenfluss mit guter Strömung, einzelne Sohlschwellen bis WW II.
Das steile Betonwehr der Sachsenmühle.

Wiesent

Flussinfo Wiesent: Wiesenbach mit einigen flachen Abschnitten, leichte Schwälle (WW I+), keine Verblockung. Auch für Anfänger geeignet. Der »Dooser Katarakt« wenige Meter oberhalb des regulären Einstiegs ist WW II.

Donaudurchbruch

Flussinfo Donaudurchbruch: Der Donaudurchbruch ist ein flottes Fließgewässer mit Wirbeln, bei höherem Wasserstand für An­fänger ungeeignet, in den Sommermonaten reger Ausflugsschiffverkehr, der hohe Wellen verursacht. Oberhalb Weltenburg offene Landschaft, reizvoll zu jeder Jahreszeit.
Paddler trifft auf Tauer im Walchensee.

Walchensee

Der Walchensee ist ein 16 qkm großer und bis zu 191 m tiefer Bergsee. Der wichtigste Zufluss ist die Obernach, die gepumptes Wasser von Isar und Rißbach mit sich führt. Natürlicher Abfluss ist der Jachen, das meiste Wasser des Walchensees wird aber in die Rohre des Walchenseekraftwerks geleitet. Am Nordwestufer führt die B11 entlang, am Südufer eine Mautstraße Richtung Isartal, allein das Nordostufer ist autofrei. Die Ufer sind teils Kiesstrände, teils felsige Steilufer.
Paddeltricks auf dem Starnberger See.

Starnberger See

Mit einer Wasserfläche von 36 qkm und einer maximalen Wassertiefe von 121 m ist der Starnberger See nach dem Bodensee der wasserreichste deutsche See. Er hat eine Länge von 20 km und eine maximale Breite von 4,6 km. Der See speist sich aus kleineren Fließgewässern (Ostersee-Ach) und unterirdischen Quellen. Der einzige Abfluss ist die Würm. Aufgrund des kleinen Einzugsgebietes (314 qkm) dauert es 21 Jahre, bis das Wasser des Sees einmal komplett ausgetauscht ist. Der See zählt dennoch zu den fünf saubersten Seen Bayerns.

Zusätzliche Informationen und Links

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