Das Thema »Flussverbauung in Zeiten des Klimawandels« ist leider auch in Osttirol ein allgegenwärtiges. Doch die Bewohner der Region kämpfen vehement gegen möglichen Umweltfrevel.
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Osttirol: Der Kampf geht weiter - Wider die Kraftwerke
Zwischen den Eisriesen der Venedigergruppe, weit hinten im Umbaltal, entspringt die Isel in einem Gletschertor des Umbalsees – im Sommer als brüllender Wildfluss, in der übrigen Jahreszeit als laues Bächlein. Bis zu ihrer Mündung stürzt sie über Kaskaden, durchbricht dunkle Schluchten, murmelt durch grüne Auen, windet sich durch ausladende Schotterbänke und strömt lebendig der Drau entgegen. Kein Wasserkraftwerk stellt sich dem schäumenden Fluss in den Weg. Die Isel ist damit einer der letzten frei fließenden Wildflüsse der Alpen. Außerdem ist die Isel einer von nur 18 großen Flüssen in Österreich mit einer durchschnittlichen Wasserführung von mehr als 30 Kubik im Jahr. Das weckt nicht nur bei Paddlern Begehrlichkeiten, sondern auch bei der Energiewirtschaft. Besonders die Tiroler Wasserkraft AG (TIWAG) hat ein Auge auf die Osttiroler Wildflüsse geworfen. Trotz großer Bedenken aus Teilen der Bevölkerung setzt die TIWAG ihre Planungen fort, auch die letzten ursprünglichen Gewässer Tirols zu bändigen.
Für Dr. Wolfgang Retter, Sprecher des Netzwerks Wasser Osttirol, unverständlich: »Man sollte nicht den letzten frei fließenden Gletscherfluss mit derselben Euphorie verbauen wie den ersten.« Derzeitiges Objekt der Begierde ist der größte Nebenfluss der Isel, der Tauernbach. Ein Indiz für ein ernsthaftes Interesse ist, dass sich die TIWAG für 700.000 Euro die Fischereirechte am Tauernbach sicherte. Die TIWAG plante ursprünglich ein Pumpspeicherkraftwerk mit 90 Meter hoher Staumauer und großem Ausgleichsbecken unterhalb Matrei. Dieses gewaltige Projekt hat die TIWAG wegen massiver Widerstände fallen gelassen. Stattdessen propagiert die TIWAG nun ein »ökologisch« vertretbares Laufkraftwerk am Tauernbach. Aber Vorsicht, die Kraftwerksbetreiber wenden gerne Tricks an, wie auch an der Schwarzach (Defereggenbach) geschehen. Das »umweltverträgliche« Kraftwerk wird mit überdimensionierten Ableitungsrohren konzipiert, die statt einem Stausee als kleine Rückhaltemöglichkeiten genutzt werden, um in Spitzenstromzeiten verstärkt zu produzieren. Außerdem darf das KW Schwarzach laut Ökostromgesetz nicht mehr als 10 MW pro Jahr leisten, aber wenn 2012 die Förderung für Ökostrom ausläuft, kann der Kraftwerksbetreiber problemlos die Leistung erhöhen.
Dasselbe Prinzip droht nun für ein Kraftwerk am Tauernbach, mit erheblichen Folgen für die Isel, denn der natürliche Wasserlauf wird durch die Schwallbildung und reduzierte Geschiebeführung verändert. »Fachliche Argumente reichen nicht mehr aus, um das Kraftwerk zu verhindern. Die Politiker Österreichs sind indoktriniert von der TIWAG.« Die Gemeinde Matrei ist hoch verschuldet und erhofft sich durch das Kraftwerk finanzielle Zuwendung von der TIWAG. Ist das Kraftwerk also schon beschlossene Sache? »Wir müssen Stimmung dagegen machen. Je lauter das Geschrei, desto besser.« Dabei baut Dr. Wolfgang Retter auch auf die Kajakfahrer. »Wassersportler sind unsere treuesten Helfer. Denn sie sind unbestechlich.« Eine weitere kleine Hoffnung ist die geplante Ernennung des Gewässersystems in ein Natura-2000-Gebiet. Sollte dies geschehen, dürfte eine energiewirtschaftliche Nutzung von Isel & Co. deutlich erschwert sein.














