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Szene

Kraftwerke an Imster Schlucht und Sanna geplant

21. Oktober 2011 von Christoph Scheuermann

Neben den Ausleitungen an Venter und Gurgler Ache sowie der Ableitung der Ötztaler Ache bei Tumpen packt die Tiwag neue Pläne auf den Tisch. Das Wasser von Sanna und Inn soll ins Rohr und »grünen« Strom erzeugen.

Foto zum Tiwag-Projekt Imst_Haiming.
Paddlerprotest am Ufer des Inns im Herbst 2009.
Foto: www.fluessevollerleben.at

Die Suppe köchelt seit Jahren vor sich hin und nur ab und zu lüpft der Druck den Deckel. Lang ist es her, dass sich Hunderte Paddler zur Fackelfahrt in Sölden versammelten. Lang ist es her, dass nach dem ersten großen Schock ob der Kraftwerkspläne im Ötztal Bernhard Mauracher und Olaf Obsommer das erste Extremrennen auf der Oberen Ötz veranstalteten. Längst hat sich die Adidas Sickline WM als multimediales Sportevent etabliert, wurden Kraftwerksaktivisten durch finanzkräftige Sponsoren und Tourismusförderung ersetzt. Otto-Normal-Paddler hat längst den Überblick verloren ob ordnerdicker »Optionenberichte« und Dutzender über die Presse lancierter und Monate später oftmals revidierter Kraftwerkspläne. Seit wenigen Tagen geistern neue Pläne durch die Tiroler Tagespresse und deutschsprachige Paddlerforen.

Foto zum Tiwag-Projekt Imst_Haiming.
Geht es nach der Tiwag, soll die Ausleitung Prutz–Imst unter Inn und Tschirgant-Massiv bis Haiming weitergeführt werden.
Grafik: KANU MAGAZIN

Sanna und Imster Schlucht seien neue Ziele, Ausleitungskraftwerke sollen einen Gutteil des Wassers in Rohre zwängen, die Restwassermenge würde freilich den Raftingtourismus erhalten. Die Imster Schlucht gilt als Mitteleuropas meist frequentierte Raftingstrecke, der nasse Sport schafft im Tal eine nicht unbedeutende Zahl von Arbeitsplätzen. Kein Wunder, dass die Outdoor-Unternehmen auf die Erhaltung ihrer Erwerbsgrundlage pochen. Dass Rafting trotz eines um bis zu 50 Zentimeter veringerten Wasserstandes zumindest im Frühsommer möglich wäre, mag stimmen. Wer sich das neue Potential der ausgeleiteten Imster vorstellen mag, braucht nur auf den schon heute abgeleiteten Abschnitt zwischen Landeck und Imsterau schauen. Genau diese Wassermenge würde in Zukunft auch durch »Rohrbrückenschwall« und »Memminger Walze« fließen. Die Tiwag will in Imst kein neues Waser entnehmen, sondern praktisch die schon bestehende Ableitung bis Haiming verlängern.

Foto zum Tiwag-Projekt Imst_Haiming.
Niedrigwasser auf der Imster Schlucht im Spätherbst. Sieht es bald auch im Sommer so aus?
Foto: www.fluessevollerleben.at

Inwieweit die neuen Kraftwerkspläne umgesetzt werden, ist jedoch fraglich. Die Ableitung der Imster Schlucht ist schon seit 1984 im Gespräch. Noch vor kurzer Zeit warb die Tiwag für diese Variante 6 des umfassenden Optionenberichts. Damals hätte das Kraftwerk sieben Kilometer weiter flussabwärts in Mötz stehen sollen. Gutachten stellten dem Projekt  2005 kein gutes Zeugnis aus: Die Ausleitung sei energiewirtschaftlich nicht besonders attraktiv, vor allem wegen der geringen Wassermenge im Winter. Zumindest einem Streitpunkt geht die Tiwag nun aus dem Weg: Das Auenschutzgebiet bei Silz liegt nun unterhalb der geplanten Ausleitungsstrecke. Auch die Belange der Raftingindustrie nehmen die Wasserkraftler ernster: Es sei durchaus möglich, an Wochenenden speziell für den Wassersport Zuschusswasser zu geben.

Foto zum Hochwasser-Ereignis vom 12. Juli 2010 um Landeck.
Ob die Sanna auch in Zukunft so mächtig durch den Pianser Schwall toben wird? Die Tiwag will die Sanna auf ganzer Länge ableiten.
Foto: Irina Nordt

Generell hat die Wasserbaulobby realisiert, dass der Weg zu neuen Kraftwerken nur über die lokalen Gemeinden führt. So erklärt der Stellvertreter des Tiroler Landeshauptmanns Toni Steixner: »An sich sollen sie die Nutznießer sein.« Und lädt die Sanna-Anlieger Landeck, Stanz, Grins, Pians und Tobadill zum Kraftwerkstalk. Die geplante Anlage, die den populären Kajakfluss von der Quelle (Zusammenfluss von Trisanna und Rosanna) bis zur Mündung in den Inn trockenlegen soll, soll nach Fertigstellung zwischen 10 und 15 Megawatt bringen. Das entspricht in etwa der Ableitung, die Achstürzen und Wellerbrücke das Wasser nehmen soll. Vermutlich wird dieser Abschnitt der einzige der Ötztaler Ache sein, an der sich ein Laufkraftwerk noch lohnt, wenn erstmal das Wasser von Venter und Gurgler Ache ins Kaunertal übergeleitet ist (KANU berichtete über die Erkundungsarbeiten.).

Es steht nicht gut, um die Wildflüsse in Nordtirol. Doch in den meisten Fällen ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Das KANU MAGAZIN hält euch auf dem Laufenden und informiert über anstehende Protestaktionen.

Einen informativen Artikel zum Kraftwerksprojekt Imst-Haiming gibt's auf der Website der Oberländer Wochenzeitung »Rundschau« zu lesen.

Umfassende Informationen zum Thema Wasserkraftausbau findet ihr ...

... auf den Seiten des Umweltdachverbands


... auf der Website des Aktionsbündnisses »Flüsse voller Leben«


... auf der Website der Tiroler Wasserkraft AG


... auf der Tiwag-kritischen Website dietiwag.at


... auf der Website des Netzwerks Wasser Osttirol

 


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