Springe direkt zu: Hauptnavigation Inhaltsbereich Zusätzliche Informationen und Links Bereichsnavigation Servicenavigation



Inhaltsbereich

Szene

Hochwasserpaddeln in Deutschland

12. Januar 2011 von Christoph Scheuermann

Das vergangene Wochenende wird vielen Wildwasserpaddlern lange in Erinnerung bleiben. Quer durch Deutschland verwandelten Regen- und Schmelzwasserfluten vereiste Bachbetten in ausgewachsene Flüsse, die zur Saisoneröffnung baten. Die KANU-Redaktion hat sich umgehört in der Republik und fotografische Eindrücke gesammelt.

Foto zum Hochwasser-Paddelreport 8./9. Januar.
Voller Elan ins neue Paddeljahr – die Murg bot am Wochenende perfekte Voraussetzungen. | Foto: Pia Haberer

Nach harter Eiszeit im Dezember schien der Gedanke ans Paddeln bei vielen Wassersportlern in weiter Ferne. Doch pünktlich zum neuen Jahr weckten die Wetterdienste mit hoffnungsvollen Prognosen die Lebensgeister. Schon mehrere Tage im Voraus kündigten die Meteorologen milde Luftmassen an, die – vom Atlantik kommend – versprachen, ihre nasse Fracht über den westdeutschen Mittelgebirgen abzuladen. Das Ganze natürlich pünktlich zum Wochenende. Während der Dreikönigstag nur mäßige Niederschläge bei Temperaturen knapp über Null bereit hielt, begannen am Freitag die Pegelkurven auszuschlagen. Diese relativ lange Planbarkeit des Hochwasserfestes war wohl der Hauptgrund dafür, dass so viele Paddler den Weg in die deutsche Mittelgebirge fanden.

Foto zum Hochwasser-Paddelreport 8./9. Januar.
Bunter Paddlerreigen auf der mächtig rauschenden Murg.
Foto: Pia Haberer

Die zahlenmäßig größte Ballung an Paddlermassen sahen wohl die beiden Klassiker Rur und Murg. Nachdem die Mittelwassermarken beider Flüsse auf direktem Weg durchbrochen wurden zeigte sich den in Hundertschaften zum Fluss gekommenen Paddlern echtes Big Water. Etliche der Angereisten besannen sich ihrer paddlerischen Fähigkeiten und beließen das Abenteuer beim Blick auf die reißenden Ströme vom Ufer aus. Während bei moderatem Wasserstand sowohl Rur wie auch Untere Murg dem ambitionierten WW3-Paddler offen stehen, war es dieses Mal damit bei weitem nicht getan. Die Rur suchte sich nicht nur im oberen Teil bis zur Perlbachmündung ihren Weg durch Bäume und Ufergebüsch, auch die schluchtartige Stadtdurchfahrt von Monschau machte Bootsbergungen schwierig und forderte von Schwimmern sportliche Ausdauer. Vielleicht findet sich hier der Hauptgrund dafür, dass uns kaum Fotos von der Hohen Rur erreichten. Wer hier unterwegs war, hatte alle Hände voll zu tun sein Paddel festzuhalten und beim Retten und Bergen zu helfen. Uns wurde von zahlreichen am Ufer deponierten oder angespülten Booten berichtet, außerdem kursieren wilde Geschichten über kilometerlange Versuche Material zu bergen.

Foto zum Hochwasser-Paddelreport 8./9. Januar.
Die steile Meile des Nordschwarzwalds: die Raumünzachstufen auf dem Hundsbach.
Foto: Dominik Vogt

Kein anderes Bild an der Murg, dem neben der Loisach beliebtesten Wildwasser Süddeutschlands. Die Druckrohre der Rudolf-Fettweis-Werke waren längst ausgelastet und so ergossen sich deutlich mehr als 50 Kubik über die Staumauer von Kirschbaumwasen. Der Parkplatz war mit der Fülle an Paddlerautos sichtlich überfordert. Schmerzfreie Kajak-Akrobaten zeigten bereits am Einstieg Rotationen um alle Achsen, als sie nach hoher Anfahrt Air Moves von der Rampe hämmerten.
Doch auch die Folgestrecke bot genug Adrenalin. Die Mittlere Murg stellt sich bei diesem Wasserstand als ausgewachsener Fluss mit einer endlosen Serie von Wellen und Walzen dar. Auch hier war an den Ufern so manches Überbleibsel gerade noch glimpflich ausgegangener Kenterdramen zu beobachten. Wem nach rassigem Creeken zumute war, wurde in den Raumünzachstufen des Hundsbachs fündig. Wie die Murg ist auch der Hundsbach vollständig abgeleitet und wird erst bei ausgesprochenem Hochwasser für Kajakfahrer attraktiv. Die letzten 150 Meter bis zur Murg gehören zu den absoluten Creek-Knallern im Schwarzwald. Die überspannende Straßenbrücke bot den zahlreichen Zuschauern beste Bedingungen.

Foto zum Hochwasser-Paddelreport 8./9. Januar.
Eine Symphonie in Licht, Schnee und Schmelzwasser: Der Elzbach im Odenwald.
Foto: Stefan

Auch andere auf der Kanukarte nicht so prominent verzeichneten Mittelgebirge lockten die Freunde prallgefüllter Wald- und Wiesenbäche. So zeigte sich die Elz bei Mosbach im Odenwald mit satten 30 Kubik von ihrer wuchtigen Seite. Die Bachbreite am Einstieg ist bei Normalwasser kaum bootslang, doch an diesem Wochenende ging es ohne Vorspiel in die kilometerlangen Waldschluchten. 140 Höhenmeter baut die Elz auf den 14 Kilometern bis Dallau ab. Bei angenehmen neun Grad plus, und immer wieder hervorblinzelnder Sonne konnten sich kältegeprüfte Odenwaldpaddler nicht beklagen. Die Elz steht exemplarisch für die nördlichen Nebenflüsse des unteren Neckars. Wenn auch im Schatten von Murg und Großer Enz, bieten sie bei flotter Strömung durch Wiesen und Wälder immer wieder leicht verblocktes Wildwasser im Buntsandstein.

Foto zum Hochwasser-Paddelreport 8./9. Januar.
Da kommt Frühlingsstimmung auf am Rande der Schwäbischen Alb: am 8. Januar auf der Starzel.
Foto: Axel Kühn

Von der »Regenschmelze« profitierte auch die östlich des Schwarzwalds gelegene Schwäbische Alb. So boten sich zum Beispiel Tübinger Paddlern kurze Weg zu den rechten Neckarzubringern. Von dieser Offerte machte am Samstag eine Gruppe von Kajak- und Kanadierfahrern Gebrauch, die die Starzel bei Hechingen unter den Kiel nahm. Der schnellfließende Wiesenbach bricht in zahllosen Mäandern in einem Kerbtal zum Neckar durch. Mehrere Wehre lockern die Fahrt auf, einige zum Teil nicht ungefährliche Baumhindernisse erfordern stete Aufmerksamkeit. Der vergleichsweise hohe Wasserstand sorgte immer wieder für lange Wellenzüge, die Schwierigkeiten gingen aber kaum über den dritten Grad hinaus. (Einen kurzen Bericht zur Tour gibt's hier.)

Foto zum Hochwasser-Paddelreport 8./9. Januar.
Paddler oder Eisbrecher? – Diese Frage stellt sich im Packeis der Waldnaab.
Foto: Thomas Scholz

Während sich nordbayerische Hausbesitzer in flussnahen Lagen aufgrund des Mainhochwassers um ihr Hab und Gut sorgten, waren Ost- und Oberbayern kaum von den Niederschlägen betroffen. Am Alpenrand waren keine nennenswerten Pegelanstiege auszumachen, im Bayerischen Wald war es schlichtweg noch zu kalt. Lediglich im Norden der Oberpfalz und in Oberfranken führten die Flüsse ausreichend Wasser. So kämpfte sich eine Mannschaft des Bamberger Faltboot-Clubs durch das düstere Tal der Waldnaab. Der Quellfluss der Naab hat sich mit zahlreichen Granitfelsen garniert in den Oberpfälzer Wald eingeschnitten und bietet im »Butterfass« Schwierigkeiten bis zum dritten Grad. Tiefe Temperaturen, viel Schnee am Ufer und nicht zuletzt massive Eisverhaue im Wasser machten die Fahrt zum Abenteuer. Mehrmals war die Weiterfahrt durch übereinandergeschobene Eisschollen unmöglich, die Gefahr im Falle einer Kenterung unters Eis zu geraten unmittelbar. Da kam das Gasthaus nach Hälfte der Strecke gerade recht: Bei heißer Suppe konnten die Finger tauen und der Blutzuckerspiegel wieder in verantwortbare Höhen gebracht werden. (Hier gibt's weitere Fotos der Tour.)

Foto zum Hochwasser-Paddelreport 8./9. Januar.
Risin' High auf der Regnitzwelle bei Bamberg.
Foto: Uwe Eichfelder

Im oberfränkischen Bamberg führte die Regnitz Hochwasser und erfahrene Playboater zu ihrem Glück. Während bis zur Kaputtsanierung vor wenigen Jahren die Rathauswelle im Stadtzentrum Paddler anlockte, braucht es heute Meldestufe 4 um exquisite Verhältnisse zu schaffen. Beim Örtchen Bug bildet sich dann eine beachtliche, stark brechende Welle, in etwa vergleichbar mit der alten »Wittelsbacher« in München. Dank weichem Schaumpolster sind auch komplexere Wellenmoves möglich, einziger Wermutstropfen ist der kurze Landgang nach jedem Run, da es kein Kehrwasser zum Hochpaddeln gibt. Eine weitere Welle brachten die Fluten der Regnitz bei Erlangen in Hochform. Beim Stadtteil Bruck konnten neben überfluteten Wiesen auf einer flachen Welle Surfmeilen eingelöst werden. Sonnenschein inklusive!

Foto zum Hochwasser-Paddelreport 8./9. Januar.
Unfreiwilliger »Late Boof« am Elzbachfall in der Eifel.
Foto: Christian Zicke

Eindrucksvolle Fotos erreichten die Redaktion von Christian Zicke aus dem Westen der Republik. Der Kölsche Jung' ist mit Freunden zu einer Park'n'Huck-Tour quer durch die Eifel gezogen. Als Gebrodel südamerikanischen Kalibers wartete zunächst der Elzfall bei der Burg Pyrmont. Trotz wortreicher Einwände besorgter Passanten ließen es sich die Jungs nicht nehmen das Wasserfallmonster zu bezwingen. Ein wahrer Treibholzquirl von Kehrwasser bildete die Umrahmung zum Husarenritt über die 7 Meter hohe Stufe. Der Kicker nach zwei Flugdritteln garantierte eine zusätzliche Dosis Adrenalin. Nach fünf Befahrungen ging's vom Elzbach weiter zur Endert bei Cochem, wo der ebenfalls sieben Meter hohe Endertfall die Stürzer ohne Lorbeeren abziehen ließ. Am Sonntag schließlich ergänzte der Enzfall in Neuerburg die Tour d'Eifel bevor das Wochenende auf der Rur gebührend ausklang. Übrigens: Die ganze Geschichte zur Eifelrunde gibt's demnächst im Heft.

Foto zum Hochwasser-Paddelreport 8./9. Januar.
Das KANU-Testteam prüft die Creeker im schnellen Wuchtwasser der Wehra. | Foto: Michael Neumann

Übrigens, auch im Südschwarzwald waren Paddler zugange. Mehrere Gruppen Schweizer und südbadischer Paddler nahmen das Angebot von Alb, Wehra und Prägbach an, nachzusehen ob Holz und Wildwasser in den dunklen Schluchten eine fruchtbare Symbiose eingingen. Neben den Locals hat auch das KANU-Testteam den weiten Weg auf sich genommen um den neuesten Creekern auf den Zahn zu fühlen. Los ging's am Prägbach, der mit seinem sechs Meter hohen Wasserfall das perfekte Setting zum Test des Boof- und Auftauchverhaltens bereit hielt. Danach zog der Tross weiter zur Wehra um die Boote bei furiosen Abfahrten unterhalb der Parkplatzstrecke zu prüfen. Auf Mittlerer und Unterer Alb schließlich konnten die Testkajaks ihre Stärken (und Schwächen) im technischen Blockparcours unter Beweis stellen. Die Testergebnisse könnt ihr in Heft 2/2011 nachlesen (ab 18. März im Handel).


Zusätzliche Informationen und Links

Bilder aus der Roflaschlucht vom 14. April.
16.04.2012

Letzte Chance: Roflaschlucht

Wer auf dem Weg ins Tessin ist, kennt sie: Die Roflaschlucht. ...
Bilder vom Redaktionsausflug auf die Brandenberger Ache.
15.03.2012

Heiß auf Eis – die Brandy im Winterkleid

Der Frühling kommt mit ganzer Macht, 15 Grad werden am Wochenende ...
Bilder vom Granate-Test an Karneval 2012 in Hohenlimburg.
24.02.2012

Karneval bei Lettmann: Granatenstimmung in Holibu

Kaum aus dem Rotationsofen, wurde der neue Lettmann-Bomber auch ...
11.04.2012

Obsommer hoch 10

Olaf Obsommer ist bekannt für seine Paddelfilme der ...
26.03.2012

Saisonstart bei den Wanderpaddlern

Wo die Sonne nun selbst den letzten Wildwasserfan von den Ski in ...
13.03.2012

Wildwasser in Vorarlberg: Die Rotach

Kaum fängt der erste Schnee an zu schmelzen, schon treibt es die ...

Aktuelle Veranstaltungen

z
Mai 2012
M D M D F S S
 
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
141516
17
18
19
20
21222324
293031   
w