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Szene

Fotos & Video: Veränderungen in der Loferschlucht

02. Juli 2010 von Judith Prechtl

Das Hochwasser an Fronleichnam ließ in der Saalach zahlreiche Felsen kullern. Vor allem im Bereich der Dreier-Kombi hat sich viel verändert. Local Marco Geuter vom örtlichen Kajakshop X-Kajaks hat die Schlucht in den vergangenen Tagen mit der Helmkamera befahren.

Hochwasser auf der Saalach an Fronleichnam 2010.
So sieht's aus, wenn über 500 m3/s über das »S« nach der »Dreier-Kombi« hinweg rollen.
Foto: Marco Geuter/X-Geuter

Die Saalach Anfang Juli 2010: Rund 35 m3/s (bzw. ein Pegelstand von ca. 50 cm ) sorgen für Paddelspaß auf allen Etappen. Sommerlich grünes Wasser, heiße Temperaturen, satt bewachsene Ufer. Wer einen Monat früher da war, bekam eine völlig andere Szenerie zu Gesicht. Mit einem Wort beschrieb eine langjährige Anrainerin an der Saalachbrücke in Unken die reißenden, mit Treibholz gespickten Fluten: »Grausig!« Während die Isar den Freestyle-Weltcup in Plattling zu Fall brachte und die Bregenzer Ache mit 110 m3/s für große Augen bei den Bregi-Paddlern sorgte, näherte sich auch die Saalach der höchsten Meldestufe 4.

 

Mit über 600 m3/s rollte die Scheitelwelle in der Nacht vom 3. auf den 4. Juni am Pegel Unterjettenberg vorbei. Wieviel genau lässt sich nicht sagen, denn ab einem Wasserstand von rund 320 cm wird der Pegel nach Angaben des Bayerischen Hochwassernachrichtendienstes umläufig. »Da dann eine vollständige Erfassung des Abflusses der Saalach messtechnisch nicht mehr möglich ist, können die im Internet präsentierten Abflusswerte fehlerhaft sein.« Auf der Online-Grafik ist dieser Wert deutlich überschritten. Vor allem an der Teufelsschlucht ist enorme Wasserwucht nicht spurlos vorüber gegangen. Die zahlreichen Veränderungen kommen erst jetzt, mit den langsam sinkenden Pegelständen ans Licht.

Die Saalach Anfang Juli 2010 nach den Veränderungen durch das Hochwasser vom 3. Juni.
Vorsicht Lebensgefahr! Ab einem Pegel von etwa 65 cm wird der Siphon gegenüber vom »Quader« kritisch.
Foto: Marco Geuter/X-Kajaks

Die erste augenscheinliche Veränderung zeigt sich bereits zu Beginn der Slalomstrecke. Die Hubertuswalze ist weg!  Oder zumindest keine richtige Walze mehr. Bei einem Pegelstand von 65 cm am vergangenen Wochenende schwappte über 3/4 des einstigen Freestyle-Topspots eine flache Zunge hinunter. Es bleibt abzuwarten wie sich die Stelle bei niedrigeren Wasserständen entwickelt. Auf der Slalomstrecke und auf den folgenden 500 Metern bis zur Dreier-Kombi werden nur Kenner Unterschiede wahrnehmen. Das Hochwasser hat zwar einige Steine ins Rollen gebracht, ihren Charakter hat die Saalach dadurch aber nicht verloren. Eine Nummer größer und deutlicher sind die Veränderungen im Kernstück. Nachwievor gilt hier: »Nur für Experten!« – und die sind gut beraten vor der nächsten Befahrung einen genaueren Blick auf die altbekannten Stellen zu werfen.

Die Saalach Anfang Juli 2010 nach den Veränderungen durch das Hochwasser vom 3. Juni.
Vorsicht Baum! Am »Boofstein« wird derzeit nur rechts gesprungen.
Foto: Marco Geuter/X-Kajaks

»Auf Höhe des 'Quaders', dem großen Siphon rechts nach der ersten Stufe, hat sich auf der linken Flussseite ein neuer Siphon aufgetan. Hier besteht ab einem Pegel von 65 cm absolute Lebensgefahr«, warnt Marco Geuter vom Loferer Kajakshop X-Kajaks. Der unterspülte Block wurde von den Locals bereits deutlich mit einem roten Warnzeichen markiert. »In der zweiten Stufe ist einer der Felsen umgekippt und verlegt die bisherige Alternativ-Route durch den Schlitz in der Mitte. Dafür ist links mehr Platz für eine neue Durchfahrt. Die bisherige Standardlinie auf der rechten Seite ist weiterhin fahrbar.«

Die Saalach Anfang Juli 2010 nach den Veränderungen durch das Hochwasser vom 3. Juni.
Die »Gute Linie« aus Kanu 2/2009 stimmt zwar im Prinzip noch, ein neuer Stein im »S« verlangt aber nach erhöhter Aufmerksamkeit.
Foto: Marco Geuter/X-Kajaks

Weitgehend unverändert ist die dritte Stufe, erst danach hat das Hochwasser ganze Arbeit geleistet. Wo früher das Kehrwasser durch die gemauerte Uferverbauung im Zaum gehalten wurde rauscht nun das Wasser durch die Felsen auf der linken Flussseite. Ein Teil der Verbauung ist weggerissen, die Reste sind deutlich unterspült. Auch die Felsen der flussbreiten Stufe vor dem »S« haben ihre Position verändert. »Der beliebte Boofstein in der Mitte ist auf der linken Seite durch einen Baumstamm verlegt«, sagt Geuter, »rechts kann man immer noch über den Stein springen.« Wohl am beeindruckendsten sind die Hochwasserfolgen im S. Die Strömung zieht direkt ins linke Eck in der Einfahrt zum S. »Dort liegt ein neuer Fels mitten in der Hauptströmung, der die Durchfahrt verengt und eine Stufe bildet. Links davon im Schlitz lauern zwei Siphone.« Weiter flussabwärts sind die Folgen des Steinerückens entlang der Hauptspur wieder weniger gravierend. Der »Lieferanteneingang« und die gegenüberliegende »Hö-Hö-Stufe« sind unverändert.

 

Bei vielen Lofer-Kennern weckte die Kunde vom natürlichen Facelifting der Loferschlucht in den vergangenen Tagen bereits die Neugier. Gedulden muss sich Lofer-Liebhaber Franz Puckl. Nach einem Unfall beim Stürzen in Norwegen kuriert er gerade einen Bruch des 12. Brustwirbels aus und es wird wohl noch eine Weile dauern bis er wieder ins Boot steigt. Dass bis dahin noch jeder Stein auf dem anderen liegt, bezweifelt Puckl. »Durch das fehlende Geschiebe wird sich wohl über den Sommer noch die eine oder andere weitere Veränderung ergeben«, vermutet der Tiroler.

Revierinfo Lofer

Zu zweit auf der Saalach von Au nach Unken.

WW-Revier Lofer

Die Saalach und ihre Nebenbäche zählen zu den absoluten Klassikern Österreichs. Das hat nicht nur mit der Fülle an Flussetappen zu tun, sondern auch mit der perfekten Infrastruktur, wahrlich verlässlichen Wasserständen und der Schönheit der umliegenden Berge.
Franz Puckl mit seinem Sohn

Localhero und Lofer-Lover: Franz Puckl stellt sein Heimatrevier vor

Keine 15 Autominuten braucht der Puckl Franz von seinem Haus bis zu seiner Arbeitsstätte. Die Saalach kennt er wie kaum einen zweiten Fluss. Im folgenden Artikel erzählt Franz Puckl warum er das Revier vor seine Haustüre so schätzt und stellt die zwei wichtigsten Strecken der Saalach detailliert vor.

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