Wird die Sickline-WM bald zum Teamsportevent? Christian Boczkaja und Martin Kaltenbach haben jedenfalls bewiesen, was an der Wellerbrücke möglich ist, als sie Tirols bekanntestem Extremwildwasser im Topo-Duo zu Leibe rückten.
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Double Trouble – Wellerbrücke im Topo-Duo
Das Ötztal bietet dem Wildwasserpaddler viele Optionen. Im Herbst wird das »Tal der Täler« aber schnell zur einzigen Option. Der Altweibersommer versagt den kleinsten Regentropfen, der letzte Schnee Anfang Juli getaut und die Bäche der Nordalpen dememtsprechend trocken. Einzig die Gletscherfelder im Alpenhauptkamm »safteln« noch. Im Bett der Ötztaler Ache sammeln sich wenigstens ein paar Kubik des ersehnten Nass. Anfang November bleibt nicht viel: Steineschrappen an der »Mittleren«, Portage zwischen Siphonen auf der Kühtreinschlucht oder eben die Wellerbrücke.
Seitdem der untere Teil der 800 Meter langen Kataraktstrecke jeden Herbst im Rahmen der Adidas Sickline-WM zur medientauglichen Sportstätte avanciert, ist die Wellerbrücke dem ambitionierten Wildwasserfan bekannt. Jedes Jahr suchen mehr und mehr Sportkameraden die Initiation in den erlauchten Kreis der Befahrer.
Für einige wenige ist die Anreise nach Oetz freilich weniger Karrierehöhepunkt als vielmehr liebgewordenes Ritual am Ende der Saison. Ganz vorne mit dabei ist hier eine – man kann sagen – eingeschworene Paddelclique aus dem schönen Bayern, die sich selbst »Pissbirnen« nennt. In wechselnder Besetzung sind die Jungs Mitte 20 praktisch jedes Wochenende in den Alpen im Boot, wenn sie nicht gerade in Norwegen oder Kalifornien die Wasserfälle vermessen. Die Wellerbrücke gilt ihnen als Heimatrevier, praktisch gelegen nahe des Amüsierbetriebs Area 47, wo man gern mal das Breakdance-Bein schwingt.
Nachdem gefühlte dreiundvierzigmal die Wellerbrücke befahren und auch der Rheinfall gemeistert wurde, blieb den »Pissbirnen« nur noch übrig am Material zu feilen. »Was geht, geht auch doppelt,« dachten sich Christian Boczkaja und Martin Kaltenbach. Die zwei Freunde verbindet jahrelange Kajaktrips quer durch Europa und auch das Boot haben sie sich schon geteilt. Allerdings eher auf Bächen »mittleren Schwierigkeitsgrades«, wie zum Beispiel der Giarsunschlucht. Egal, Liebe wird aus Mut gemacht. Heldentaten ebenso.
Zur Seite steht den beiden ein eingespieltes Team von Safety Boatern, Wurfsackposten sowie Film- und Fotosicherung. Auch wenn 370 Zentimeter bei der Suche nach dem letzten Kehrwasser stattlich wirken, erweist sich der Fußraum für den Zweimetermann Christian als gar nicht so üppig.
Egal, irgendwann ist auch der größte Schuh verstaut und die Helden nehmen Kurs auf die Eingangstufe. Das scharfe Kehrwasser rechts dient sogleich als Testparcours um den Wendekreis des Dampfers zu ermitteln. »Wir sausten rein und standen sofort mit dem Boot. Wir waren überrascht, wie gut das Boot in diesem Gelände zu steuern war,« resümiert Christian.
Zuversichtlich nehmen die Zwei Kurs auf den langen Katarakt, der den Höhepunkt des ersten Drittels markiert. Um dann vor der »Freewheel-Stufe« doch noch ins Eddy einzuschlingen. Was macht ein 3,70 Meter langes, mit knapp 200 Kilo Lebendgewicht beladenes Kajak, wenn es über einen zwei Meter hohen Abfall gebooft wird? Ist »boofen« das richtige Wort? Oder knickt der Kahn einfach ab, anstatt in den Freiflug überzugehen? Gemeinsam mit dem Safetyteam werden Newton und Murphy bemüht, Worte gewogen und Theorien verworfen, um schließlich zum Entschluss zu kommen: »Das müssen wir quer boofen!« Nun, es ist weniger krude als es zunächst klingt. Spezielle Boote erfordern spezielle Technik. So werden dünnspitzige Spielboote in Engstellen gerne vertikal gefahren, um dem Wasser weniger Fläche zu geben und gleichzeitig die Steckgefahr zu verringern. Der »Knickgefahr« des Topo-Duo ist offenbar beizukommen, indem man das Boot einfach quer über die Kante wuchtet. Auch wenn man im Video zu erkennen glaubt, dass der »Querboof« in Sachen Beschleunigung doch Federn lassen muss, paddelt das Duo halbwegs schnell aus dem Sidesurf. Die KANU-Redaktion zieht den Hut und zollt Respekt.
Ab dann geht's schnell. Der Wendekreis des Bootes wird als zu massiv empfunden, um die Kernstelle vor dem Steg in verantwortbarer Linie zu durchstoßen. Die 150 Meter lange Portage über den Wanderweg ist schnell entschieden. In der folgenden »Rennstrecke« wählen Christian und Martin die bewährte Actionline. Die Route ist viele Male im Creeker erprobt, lediglich eine kleine Walze mit Stein bremst kurzzeitig den Paddelfluss (siehe Video). Große Überraschung an der Ausgangsstufe, im Sickline-Sprech »Champion Killer« genannt: Trotz präziser Steuerung verweigert die Fregatte den Late Boof. Was folgt ist ein Melt erster Güte und der Beweis, dass die zwei Piloten »echt steil gehen«.
»Wir hatten den Anschein, als würden wir aus dem Boot gezogen. Alles war dunkel,« beschreibt Christian seine Zeit als U-Boot-Kapitän. Der Second Run der Ausgangsstufe, den die beiden unverzüglich leisteten, forderte hingegen die Rolle, bevor das ganze Team entspannt zum Ausstieg an der Holzbrücke paddelt.

















