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218 Wasserkraftwerke in Österreich geplant

20. Januar 2012 von PM Umweltdachverband, Christoph Scheuermann

Zum neuen Jahr hat der Umweltdachverband die Wasserkraft-Landkarte Österreichs Nachbarland aktualisiert. 218 Wasserkraftwerke sind derzeit in Planung, weitere 93 sind in Bau oder kürzlich in Betrieb gegangen. Den ganzen Ernst der Lage für Natur und Paddler zeigt die zugehörige Google-Karte.

Foto zum Kraftwerksreport des Umweltdachverband.
Eine von vielen: Auch der Bolgenach im Bregenzer Wald geht's an den Kragen.
Foto: Christoph Scheuermann

»Unsere Google Map im Internet bringt zu jedem Wasserkraftprojekt Daten und Fakten und beweist, dass die E-Wirtschaft die Bestrebungen für eine zukunftsweisende Gewässerschutzpolitik im Rahmen des Nationalen Gewässerbewirtschaftungsplans (NGP) ignoriert: 218 Wasserkraftwerke sind derzeit in der Pipeline – davon sind 174 als Neu- und 44 als Ausbauten zu deklarieren. 32 Kraftwerke davon haben Leistung von mehr als 15 Megawatt und sind daher umweltverträglichkeits­prüfungs­pflichtig. Spitzenreiter des Ausbaus ist Kärnten mit 68 uns bekannten Vorhaben, gefolgt von Tirol (43), Vorarlberg (32), Oberösterreich (28), der Steiermark (26), Salzburg (16), und Niederösterreich (5)«, erklärt Gerhard Heilingbrunner, ehrenamtlicher Präsident des UWD.

Besonders schändlich ist aus ökologischer Sicht, dass 29 Kraftwerke in gewässerrelevanten Natura 2000-Gebieten, Nationalparks oder Sonderschutzgebieten geplant sind – je sechs in der Steiermark und in Oberösterreich, je vier in Niederösterreich und Salzburg, je drei in Kärnten, Tirol und Vorarlberg. Betroffen sind z. B. Ober- und Mittellauf der Mur, die Traun unterhalb des Hallstädter Sees, die Salzachauen unterhalb Freilassing, und der letzte freifließende Teil der Bregenzer Ach bis Kennelbach. Nimmt man zu den Schutzgebieten jene Strecken hinzu, die eine besondere ökologische Bedeutung haben, also in einem guten bzw. sehr guten ökologischen Zustand sind, aber außerhalb von Schutzgebieten liegen, befinden sich 86 Vorhaben in sensiblen Zonen – 40 (!) in Kärnten, 16 in Vorarlberg, 15 in Tirol und neun in der Steiermark. Betroffen sind z. B. die Kärntner Lieserschlucht und Gurk (v.a. in der Engen Gurk), Gebirgsflüsse der Ötztaler und Stubaier Alpen, die Osttiroler Isel, die Salzburger Fuscher Ache sowie Zubringer der oberen Enns und Mur. Darüber hinaus liegen 42 Planungen auf Gewässerstrecken, an denen laut NGP bis 2015 Maßnahmen zur Verbesserung der Hydromorphologie vorgesehen sind.

Ausnahmefälle nicht zur Regel machen!

Foto zum Kraftwerksreport des Umweltdachverband.
Sieht so die Zukunft des naturverträglichen Gewässerbaus aus? An dieser Schwelle soll auf der Salzach ein neuartiges Unterwasserkraftwerk entstehen.
Foto: Alfons Kettner (BKV)

»Die UWD-Wasserkraftwerksliste zeigt, dass 52 % aller künftigen Planungen in sensiblen Gebieten liegen, was zu einer regelmäßigen Anwendung der Ausnahme vom Verschlechterungsverbot nach der Europäischen Wasserrahmenrichtline (WRRL) führen würde. Das Ziel der WRRL, den Zustand der Flüsse zu erhalten bzw. zu verbessern, würde somit konterkariert. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Europäische Kommission einer derartigen Verwaltungspraxis zustimmt. Hier sind also ganz klar die Genehmigungsbehörden gefordert, umweltunverträgliche Projekte tatsächlich nicht zu bewilligen«, stellt Heilingbrunner fest.

»Wir fordern, dass die E-Wirtschaft von ihren überzogenen Ausbauplänen Abstand nimmt und endlich Richtung naturverträglicher Ausbau steuert. Ein naturverträglicher Ausbau muss gewässerökologisch sensible Strecken und die im Nationalen Aktionsplan genannten Ausbauziele für die Wasserkraft berücksichtigen. Zumindest großflächige Eingriffe in die Natur müssen so lange Tabu sein, bis Effizienzsteigerungsmöglichkeiten und Einsparungsreserven ausgeschöpft sind. Wir fordern daher klare politische Entscheidungen, um den Strombedarf zu stabilisieren, und eine strategische überregionale Energieraumplanung, die die Nutzung der erneuerbaren Energieträger mit Natur- und Landschaftsschutzinteressen in Einklang bringt«, so Heilingbrunner.

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