Lars Schneider begann seine Karriere mit 18 Jahren als Schreiberling beim KANU MAGAZIN. Und weil die Redaktion zu jedem Text auch Bilder braucht, griff er notgedrungen zur Kamera. Inzwischen ist der Hamburger Jung ein weltweit erfolgreicher Outdoorfotograf. Ein Traumjob? Bis auf das Kleingedruckte ...
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V.I.P. Lars Schneider: Vom Paddelknipser zum Outdoorfotografen
Alles ist eine Frage der Perspektive. Besonders für Fotografen?
Auf alle Fälle. Und wie im echten Leben wird es ohne Wechsel der Perspektive oft langweilig. Ein gutes Foto bekommt man oft nur, wenn man in die Knie geht, sich auf den Boden legt, auf eine Leiter steigt oder sich halb hinter einen Felsbrocken setzt.
Um die Welt ziehen, die schönsten Plätze der Erde sehen, fotografieren und viel Geld verdienen – das klingt nach einem Traumjob?
Ja, absolut. Ich würde mit niemandem tauschen wollen. Allerdings hat der Job auch seine Schattenseiten: Viel mehr Arbeit als früher als Angestellter, weniger Sicherheiten, und durch die vielen Reisen kaum Alltag, kaum Zeit für Freunde und Familie.
Kann man mit Outdoorfotografie gutes Geld verdienen oder braucht man auch eine ordentliche Portion Idealismus?
»Gutes Geld« ist ja relativ. Im Outdoor-Sektor liegen die Bildhonorare oft niedriger als anderswo. Aber uns – ich arbeite zusammen mit meiner Frau Katrin – ist es gelungen, einen Punkt zu erreichen, an dem wir unseren Lebensunterhalt gut bestreiten können. Das hat ein paar Jahre gedauert, aber jetzt funktioniert es glücklicherweise. So oder so darf die Leidenschaft nicht fehlen. Wären wir nicht mit ganzem Herzen dabei, wären wir bestimmt nicht da, wo wir jetzt sind. Wenn man von Outdoor-Fotos leben möchte, reicht es leider nicht, auf eine schöne Reise zu gehen, nebenbei ein paar hübsche Bilder zu machen und hinterher eine Geschichte ans KANU MAGAZIN zu verkaufen. Damit könnte man nicht mal die Kosten der Reise decken. Mehrfachverwertung ist hier das Stichwort. Erst der Artikel im Fachmagazin, dann einer im Reiseteil der Tagespresse, dann Bilder für die Kataloge der Materialsponsoren und dann vielleicht noch ein Bildband mit den gesammelten Werken?
Du hast deine Karriere als fotografierender Paddler begonnen und bist jetzt professioneller Outdoorfotograf. Hast Du noch Zeit zum Paddeln?
Leider viel zu wenig. Dabei liegen rund um Hamburg so viele tolle Kleinflüsse und es gibt die großartige Elbe, nur ein paar Kilometer entfernt. Im letzten Jahr haben wir uns allerdings die Zeit für eine Reise genommen, die wir als Paddler schon lange machen wollten: von Berlin nach Hamburg im Kajak. Das war eine unserer schönsten Touren bisher, die auch Reisen in Grönland, Neuseeland oder Mexiko übertroffen hat. Nebenbei haben wir damit auch großes Interesse in den Redaktionen geweckt, die Reportage hat sich toll verkauft, einen Bildband soll es später auch geben. Das freut uns riesig, weil die Tour uns persönlich so viel bedeutet und im Grunde nur eine kurze Auszeit für uns sein sollte.
Die wichtigste Eigenschaft als Outdoorfotograf?
Die Leidenschaft, von der ich schon gesprochen haben. Nur so kommt man zu Bildern, die sich von anderen abheben. Besonders in Situationen, in denen normale Menschen lieber woanders wären, wie z.B. im Schneesturm in Nordnorwegen. Da treibt mich diese Passion und die Aussicht auf wirklich besondere Bilder, dazu, nicht sofort in den warmen Schlafsack zu flüchten. Das ist dann manchmal etwas »unangenehm« für meine Begleiter, da sie in solchen Momenten nicht so elektrisiert sind, wie ich. Aber die meisten kennen das schon. Körperliche Fitness und das Beherrschen der Sportarten, die man fotografiert sind ebenfalls sehr hilfreich.
Was ist deine Fotoausrüstung wert?
Darüber macht man sich lieber nicht zu viele Gedanken. Ich fotografiere auf Canon und besitze mehrere Gehäuse und eine Reihe lichtstarker Objektive, dazu mehrere Blitze, Stative, Fernauslöser, ein Unterwassergehäuse und anderes Zubehör. Wenn dann ein Gehäuse auch mal 8000 Euro kostet, kann man sich ausrechnen, dass schon ein Kleinwagen im Fotorucksack steckt. Und da die Kamera nur Rohdaten ausspuckt, muss man fürs Aufhübschen am Rechner ungefähr noch mal so viel Geld für Computer, Monitore, Festplatten und andere Technik investieren.
Sind gute Outdoor-Bilder eine Frage des Etats?
Es gibt immer Bilder, bei deren Perspektiven der Fotograf sich einiger Flugstunden im Heli bedient hat – etwa bei Surfbildern von Monsterwellen vor Hawaii oder Skifotos von den Steilflanken Alaska. Tatsache ist aber, dass man auch vor der Haustür besondere Fotos machen kann. Wichtig sind das Licht, die Stimmung, der Bildausschnitt und die richtigen Models, denen man das Draußensein auch abnimmt. Obwohl ich natürlich auch nichts dagegen hätte, mich nächste Woche in Hawaii aus dem Hubschrauber zu hängen und Kelly Slater zu fotografieren. Allein es fehlt der Auftraggeber.
Gibt es Fotografen, bei denen du denkst: »Unfassbar, wie hat er das nur gemacht«?
Ja, klar. Meist sind das Bilder mit einer besonders aufwändigen Beleuchtung oder Bilder, bei denen man sehr genau schaut, ob da ein Computer und eine geschickte Nachbearbeitung im Spiel waren, oder nicht. Da kann man sich heutzutage ja nicht immer sicher sein.
Ansel Adams, Frans Lanting und Art Wolfe sind unbestreitbare Meister der Naturfotografie. Sind solche Künstler Ansporn oder unerreichbare Genies?
Immer wieder Ansporn. Ich hatte das Glück, mich als Interview-Autor mit Art Wolfe und Frans Lanting länger unterhalten zu können – und sie ganz legal ein bisschen ausfragen. Dabei wurde mir allerdings auch klar, dass man neben einem besonderen Blick für die Dinge und dem technischen Know-How vor allem Geduld braucht und an die ungewöhnlichsten Orte reisen muss. Was wiederum oft sehr kostspielig ist.
Ein wunderschöner Sonnenuntergang, perfektes Licht und eine traumhafte Landschaft liegen vor dir. Kannst du eine solche Stimmung einfach nur genießen, oder wird sofort die Kamera ausgepackt?
Da bin ich zu sehr Fotograf und würde immer sofort zur Kamera greifen. Besondere Momente müssen festgehalten werden, sie bedeuten besondere Bilder. Aber sobald sie auf der Speicherkarte sind, halte ich schon inne, schaue ins Land und bin doppelt glücklich: über die Möglichkeit, überhaupt an einem besonderen Ort sein zu können und über das Foto.
Schöne Bilder aufzunehmen reicht als Fotograf nicht aus. Was braucht es noch?
Ohne ein gutes Marketing nutzen die besten Bilder im Archiv nicht viel. Das bedeutet viel Klinkenputzen, einen professionellen Webauftritt und den Service der fast durchgängigen Erreichbarkeit. Unsere Kontakte zu Redaktionen, Verlagen, Agenturen und Firmen haben wir über fast 15 Jahre aufgebaut.
Wie ist das Verhältnis von der Zeit »on location« und der anschließenden Nachbereitung?
Wenn wir eine Woche lang eine Reportage fotografieren, kostet das im Anschluss mindestens noch einmal eine Woche Zeit zum Sichten, Auswählen und Bearbeiten der Bilder. Dazu muss man dann noch die Zeit rechnen, die man vor Reiseantritt mit der Planung und Organisation verbringt, sowie die Zeit zum Schreiben einer Reportage. Ganz am Ende – oder besser noch ganz am Anfang – kommt dazu noch der »Vertrieb«, denn die schönste Geschichte bringt nichts, wenn man sie nicht gedruckt bekommt. Bei Fotoshootings für Kataloge, bei denen am Tag oft zwischen 1000 und 2000 Bilder entstehen, ist die Nachbereitung oft noch viel aufwändiger. Grundsätzlich ist nie genug Zeit ist, um alles zu schaffen und ein Projekt zu 100 Prozent nachzubereiten. Zu schnell kommt das nächste und übernächste.
Wie sieht in etwa eure Jahresplanung aus?
Als freie Fotografen und Journalisten ist unser Leben nicht besonders gut planbar. Normalerweise sieht es so aus, dass wir im Frühjahr und Herbst eher für Auftragsshootings unterwegs sind – weil dann Katalogbilder für den jeweils kommenden Winter bzw. Sommer entstehen – und über den Sommer unsere eigenen Projekte verwirklichen. Dann sind wir oft in Skandinavien unterwegs. In 2009 waren wir insgesamt 187 Tage auf Reisen, zum Beginn des Jahres hatten wir nur mit etwa 50 geplant.
Wie viele Bilder schießt du pro Jahr?
Ich schätze, dass ich im Jahr bestimmt 200.000 Mal auf den Auslöser drücke.
Da ist es nicht leicht, den Überblick zu behalten?
Katrin und ich haben uns über die Jahre ganz gute Arbeitsabläufe und ein gutes Archivsystem aufgebaut. Ein Großteil dieser Bilderfluten entsteht auf Katalogproduktionen, bei denen die Bilder nach der Sichtung und Abgabe an den Kunden für uns nur noch auf einer Festplatte im Büro liegen. Alle anderen Fotos aus eigenen Produktionen, die wir dann auch aktiv vermarkten, müssen für uns präsenter sein, damit wir bei Anfragen auch wissen, ja, da haben wir was im Archiv, und vor allem auch: wo. Glücklicherweise habe ich, was Bilder betrifft, ein sehr gutes Gedächtnis und kann mich dadurch bislang vor einer komplizierten und unendlich zeitaufwändigen Verschlagwortung all unser Fotos drücken. Noch weiß ich, dass ich vor zehn Jahren mal ein bestimmtes Kocherfoto in Norwegen geschossen habe oder dass es zum Beispiel auf der externen Festplatte »01« (von 15) ein hochformatiges Sockenfoto mit einem weiblichen Model aus Kalifornien gibt. Wenn dieses System mal kollabiert, weil ich in fünf Jahren doch irgendwann den Überblick verliere, dann muss schnell ein Plan B her.
Was sind deine kommenden Projekte und Ziele?
Die persönlich wichtigsten sind momentan der Bildband über unsere Kajaktour von Berlin nach Hamburg, für den wir jetzt noch einmal vom Ufer aus bestimmte Motive nachfotografieren und dann auch den Text schreiben müssen. Außerdem träume ich schon lange von einem Bildband über die großartige Natur Skandinaviens. Seit einem guten Jahr haben wir auch angefangen, zu filmen und wollen diesen Bereich weiterentwickeln. Mit den neuen Spiegelreflexkameras lassen sich in einer absolut genialen Qualität auch HD-Videos erstellen. Dadurch sind großartige Möglichkeiten entstanden, Reportagen nun zusätzlich auch mit bewegten Bildern erzählen zu können.
Zur Person
Lars Schneider (35). Auf eine Ausbildung zum Außenhandelskaufmann folgten zwei Jahre Studium (Geographie, Meereskunde, Journalistik), bevor der engagierte Padler vom outdoor Magazin abgeworben wurde. Vor sieben Jahren räumte er jedoch seinen Redakteursschreibtisch und wagte den Schritt zum selbstständigen Freiluftfotografen und -autor. Lars lebt mit seiner Frau Katrin in Seevetal bei Hamburg.
Mehr Infos und Bilder? www.outdoor-visions.com








































