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V.I.P.-Interview mit Herbert »Herbie« Kropp

12. Dezember 2011 von Stefan Schorr

Herbert Kropp alias Herbie gehört zum harten Kern der Faltbootgemeinde. Bekannt wurde er als Herausgeber der Jahrbuch-Reihe »Binsenbummeln und Meeresrauschen«, kurz »BuM«. Nach fast einer Dekade Redaktionsarbeit rund ums Faltboot löst Kropp seinen Faltenreich-Verlag zum Jahresende auf. KANU sagt »Danke« und präsentiert das VIP-Interview vom März 2009 auch online.

Herbert werkelt am nächsten Falter-Jahrbuch. | Foto: Stefan Schorr

Warum ein Faltboot?
Ich habe kein Auto und bin begeisterter Bahnfahrer. Da ist die Transportfähigkeit des Faltbootes unschlagbar. Außerdem habe ich bisher kein Feststoffboot gefunden, in dem ich so bequem sitze wie in meinen Feathercrafts. In deren genialen Hängesitzen habe ich trotz massiver Ru?ckenbeschwerden auch nach
sechs Stunden keinerlei Probleme. Und außerdem: Urspru?nglicher als nur mit einer Haut zwischen dir und dem Wasser kann Paddeln doch nicht sein.


Waren teure kanadische Hightech-Boote deine ersten Falter?
Nein, als Kind habe ich im Pouch-Einer und im Hammer-Zweier das Bad Zwischenahner Meer unsicher gemacht. Dann schlief die Paddelei fu?r längere Zeit völlig ein und erst nach meinem »Comeback« kam ich schnell zu Feathercraft Booten. Wie kam es zu deinem Comeback? Meine paddelverru?ckte spielbootfahrende Nichte wollte unbedingt mit mir gemeinsam paddeln. Also restaurierte ich den seit Jahrzehnten ungenutzt auf dem Dachboden liegenden Hammer-Zweier und wir schrubbelten im völlig verregneten Sommer 1998 von Iffezheim den Rhein rund 650 Kilometer herunter. Neben dem mächtigen Spaß, den die Tour gemacht hat, blieb mir vor allem das unterwegs gesehene moderne Hightech-Wunderboot eines älteren Herrn im Gedächtnis: ein Feathercraft K-Light.

 

Der musste es dann sein?
Genau. Nach der Rheintour fand ich bald einen gebrauchten K-Light u?bers Internet, den ich bis heute habe. Zwischenzeitlich kam ein K1 dazu, der mir aber fu?r den Transport in Bus und Bahn zu schwer war. Also wurde der durch einen Kahuna ersetzt. Das optimale Boot fu?r mich.

 

Das wie häufig bewegt wird?
Fast täglich, nur starker Eisgang hält mich ab. Ich wohne hier in Oldenburg nur 500 Meter von der Hunte entfernt und schwinge mich deshalb – als Gegenpol zu meinem Job in der Universitäts-Bibliothek – fast jeden Abend ins Boot. Nicht als Hochleistungssport, sondern zum »Seele baumeln lassen «. Das Paddeln ergänze ich im Sommer durch Schwimmen im Fluss, ich lasse mich gerne in meinem Boot treiben und lese ein Buch oder nutzemal meinen großen Regenschirm zum »Segeln«.

 

Welche längeren Touren ergänzen das Tagesprogramm?
Ich bin sehr ortsverbunden, träume also nicht von Touren im fernen Ausland. Seekajaktouren an der deutschen Nordseeku?ste stehen als nächstes auf der Liste.

Kropp mit seinem Jahrbuch. | Foto: Stefan Schorr

Zur Salzwasserunion gehörst du ja bereits.
Ja, ich bin die so genannte Archiv-SAU. 2008 habe ich beispielsweise alle Ausgaben der Mitgliederzeitschrift »Seekajak« auf einer DVD vereint.

 

Das geschriebene Wort hat es dir angetan?
Ja, ich bezeichne mich selbst gerne als »bibliomanisch«, die Steigerung von bibliophil. Deshalb begann ich auch mit dem Sammeln alter Publikationen u?ber Faltboote. Neben zahlreichen Bu?chern begeisterten mich besonders Zeitschriften wie »Fluss und Zelt«. So etwas wollte ich wieder auf den Markt bringen.

 

Und wurdest Verleger eines Jahrbuches ...
Eine Zeitschrift ohne finanziellen Ru?ckhalt zu machen geht nicht. Das war mir schnell klar. Also habe ich in Internetforen gefragt, wer mir Texte kostenlos zur Verfu?gung stellt, um daraus ein Buch von Faltbootfahrern fu?r Faltbootfahrer zu machen.

 

Dir wurden – unbekannterweise – Texte honorarfrei u?berlassen?
Ja, vielleicht gerade deshalb, weil mich noch keiner kannte. Die Idee, einen Kontrapunkt zur schnelllebigen, computergesteuerten Zeit zu setzen, kam gut an. Meiner Erfahrung nach sind Faltbootfahrer meist »Kopfmenschen«, die geistig arbeiten und zum Ausgleich paddeln. Bald hatte ich so viele Texte, dass ich ein erstes Jahrbuch auf den Markt werfen konnte: »Binsenbummeln und Meeresrauschen – Das internationale Faltbootjahrbuch 2003/2004«.

 

Damit begann die BuM-Erfolgsgeschichte?

Ja und nein. 2004 gru?ndete ich den Faltenreich-Verlag (www.faltenreich.de) und veröffentlichte Band zwei des inzwischen von den Lesern BuM genannten Jahrbuches, dem die Bände drei und vier folgten. Die ersten drei Jahrbu?cher waren schnell ausverkauft. Von den 1800 Exemplaren von BuM IV sind noch einig e zu haben. Außerdem verlegte ich 2007, 2008 und 2009 jeweils einen Faltbootkalender. Der potentielle Leserkreis ist aber schlichtweg zu klein, um nennenswerten finanziellen Erfolg zu erzielen. Bisher wurde die ganze Arbeit mit einem Urlaub entlohnt. Nicht auf die Malediven, sondern mit Bahn und Faltboot innerhalb Deutschlands. Es bleibt eher die Ehre, das gemacht zu haben.

 

Wie kommt es zu dieser Risikobereitschaft, mal eben einen Verlag zu gru?nden?

Ich habe schon häufig Dinge ausprobiert, die nicht alltäglich sind. Ich habe beispielsweise den ersten Oldenburger Fahrradkurier gegru?ndet (den es heute immer noch gibt) und wohnte acht Jahre lang in einem ausgebauten Bauwagen. Daru?ber habe ich sogar meine Diplomarbeit geschrieben.

 

Du hast Sozialwissenschaften studiert. Was hat das mit einem Bauwagen zu tun?

Meine Arbeit beschäftigte sich mit dem Thema »Wagenleben. Das Leben wagen«. Dafu?r habe ich mir auch andere Wagenburgen in verschiedenen Städten angeschaut. Vermutlich war das die am längsten recherchierte Diplomarbeit, die jemals in Oldenburg geschrieben wurde ;-)

 

Warum zog es dich dann doch wieder in ein »richtiges« Haus?

Ich stand zunächst einige Jahre lang auf dem Grundstu?ck von Freunden, hatte ein Peter-Lustig-Image und blieb von Anfeindungen völlig verschont. Als ich mir dann allerdings ein 8000 Quadratmeter großes Grundstu?ck gepachtet hatte, auf dem mein Wagen direkt an einem kleinen See stand, begannen die Probleme mit Jägern. Denen war ich ein Dorn im Auge, es kam zu Beschwerden und Anzeigen beim örtlichen Bauamt. Ich bekam letztlich eine Räumungsverfu?gung und musste aus meinem Bauwagen ausziehen. Also suchte ich mir wieder eine feste Bleibe.

 

Warum bist du als Verleger weiterhin bereit, dich selbst auszubeuten?
Weil ich immer wieder tolle Manuskripte aus meinem (E-Mail-)Briefkasten ziehe, die einfach gedruckt werden mu?ssen. Der Verlag ist ein wunderbares Hobby, eine Liebhaberei. Ich hatte beispielsweise das Glu?ck, Lorenz Mayr vor seinem Tod noch kennenlernen zu du?rfen. Sein Manuskript »Eskimokajaks auf Gebirgsflu?ssen« ist gerade als 400 Seiten starkes zweibändiges Kompendium nebst Bonus-DVD im Faltenreich-Verlag erschienen und im Buchhandel erhältlich. Aktuell verarbeite ich mit Hochdruck die neuen Texte und Bilder fu?r BUM V, um das Ergebnis Ende 2009 präsentieren zu können.

 


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