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Szene

Interview mit Tyler Bradt zu seinem Wasserfall-Weltrekord

27. April 2009 von Martin Koll

Tyler Bradt im Interview im Kayak Session Magazine

Exklusiv: das Kayak Session-Interview mit Tyler Bradt nach dessen spektakulärem Wasserfallrekord an den »Palouse Falls« erstmals in deutscher Sprache.

Tyler Bradt zwischen Himmel und Hölle.
Foto: Erik Boomer/Auroraphotos.com

Was passiert bei einem 56 Meter Flug? Das Kayak Session magazine bat Wasserfall-Weltrekordler Tyler Bradt exklusiv zum Interview. Bradt pulverisierte am 21. April den im März vom Brasilianer Pedro Olivia an einem 38 Meter hohen Wasserfall in Brasilien aufgestellten Rekord. Olivia hatte damit Tyler Bradt, dessen Name nach seiner Rekordfahrt an den 32 Meter hohen Alexandria Falls in Kanada an der Spitze der Messlatte stand, kurzzeitig abgelöst. Während die meisten Paddler sicher waren, dass Pedros Rekord eine Weile Bestand haben würde, legte Bradt am 21. April mit der Befahrung der 56 Meter hohen Palouse Falls nach.

Der neue Rekordhalter im Wasserfallen: Tyler Bradt.
Foto: Archiv Tyler Bradt

Wie geht's dir? Irgendwelche Verletzungen? Deinem breiten Grinsen nach zu urteilen dürften diese minimal sein ...

 

Die Befahrung der »Palouse Falls« hat so perfekt geklappt wie ich es mir im besten Fall erhofft hatte. Ich bin heute etwas platt und habe ein verstauchtes Handgelenk, aber angesichts der Umstände handelt es sich um Kleinkram.

 

Ihr habt es nach deiner Befahrung bestimmt ordentlich krachen lassen?

 

Nein, wir haben uns ein gutes Buch geschnappt und sind früh ins Bett gegangen :)

 

... wohl eher ein Buch, das von einem gewissen »Jack Daniels« geschrieben wurde. Worin bestand deine Motivation, einen solchen Wasserfall zu befahren?

 

Unsere Truppe hat schon seit einer Weile ein Faible für hohe Wasserfällen. Dabei haben wir ein immer besseres Gefühl dafür bekommen, was im vertikalen Bereich möglich ist. Ganz langsam haben wir uns an immer höhere Fallhöhen hergearbeitet. »Palouse Falls« war der nächste Schritt. »Palouse« war eine kalkulierte Entscheidung, um weiter ins Unbekannte vorzustoßen und dabei einen Traum zu verwirklichen.

 

Was geht einem durch den Kopf, wenn man eine solche Herausforderung antritt? Und was, wenn man über die Kante kippt?

 

»Palouse« war ein mental schwieriger Wasserfall: Aus jedem neuen Betrachtungswinkel resultierte ein neuer Aspekt, der bewies, dass man mit seiner vorherigen Einschätzung falsch lag. Die Abbruchkante zum Beispiel war komplizierter als gedacht. Als ich sie nach dem Umziehen von flusslinks betrachten konnte, sah ich, dass sie komplett geradlinig und die gute Linie nur bootsbreit war. Die fünf oder sechs Sekunden, die ich auf die Kante zupaddelte, waren absolut verrückte Momente. Ich war optimistisch, was meine Linie anging und total darauf fokussiert, sie zu treffen. Ich erwischte die Kante planmäßig und befuhr den Fall genau so, wie ich es in meinem Kopf durchgespielt hatte. Die Kraft des Geistes ist eine großartige Sache.

 

Was ging in deinem Kopf vor, als du den Wasserfall zum ersten Mal gesehen hast? Wolltest du ihn sofort fahren?

 

Der Tag der Befahrung war meine vierte Besichtigung innerhalb von drei, vier Wochen. Meine spontane Reaktion beim ersten Mal war, dass er fahrbar ist. Ob ich da aber wirklich runter wollte, wusste ich erst, nachdem ich mit Ian Garcia einige hohe Wasserfälle im Nordwesten befahren hatte. Ich fühlte mich ziemlich gut nach dieser »Auffrischung« meiner Wasserfall-Skills. Ich skizzierte mein Ziel mental, fühlte mich absolut im Reinen mit mir selbst beim Gedanken an eine Befahrung und hatte eine Zeit lang darauf hin trainiert. Am 20. April war ich gerade auf meinem Rückweg nach Montana, als Rush Sturges und ich uns spontan entschieden, am Wasserfall anzuhalten, damit Rush sich das Ganze anschauen konnte. Die Wassermenge war zu dieser Zeit deutlich geringer als beim letzten Mal und ich dachte nicht, dass er bei diesem Pegel fahrbar ist. Doch das Gegenteil war der Fall. Am Nachmittag des nächsten Tages trommelten wir dann unser Team zusammen ...

 

Hat jemand versucht, dich abzuhalten?

 

Jeder im Team war unglaublich positiv. Nur eine solch' positive Energie inspiriert dich zu positiven Resultaten. Kein Außenstehender kann nachempfinden, wie man sich in einer solchen Situation fühlt. Alle standen zu 100 % hinter meiner Entscheidung.

 

Wer war im Team?

 

Unser Team war großartig. Jeder steuerte verschiedene Erfahrungen bei und übernahm tragende Rollen: Ian Garcia and Cody Howard warteten unten in ihren Booten; Sam Drevo oben, bereit, sich hinter den Fall abzuseilen, falls eine Rettung nötig gewesen wäre; Rush Sturges koordinierte die Dokumentation unterstützt von Erik Boomer, Lane Jacobs, Ben Stookesberry und Barney; Jesse von der World-Class-Academy filmte von unten und hätte die Sicherung unterstützt.

 

Ist deine Befahrung die Antwort auf die Tatsache, dass Pedro Olivia kürzlich deinen alten Wasserfallrekord gebrochen hat?

 

Etwas Derartiges zu befahren hat nicht viel mit Rekordjagd zu tun. Es ist es nicht wert, bei einem Rekordversuch draufzugehen oder bleibende Schäden zu riskieren. Natürlich war ich entmutigt von Pedro Olivias schmerzhafter Kopf-über-Landung und der Tatsache, dass niemand seine erfolgreiche Landung bezeugen konnte. (Auf den existierenden Filmaufnahmen sieht man Pedro mit dem Boot auf der Schulter hinterm Wasserfall hervorkrabbeln – Anmerkung der Redaktion). Ich wollte nicht, dass der Rekord in Verruf gerät und bin froh, dass ich die Sache wieder geraderücken konnte – aber das war bestimmt nicht meine Motivation, einen solchen Fall zu befahren.

 

Du hast ein unglaubliches Medieninteresse geweckt. Hattest du so etwas erwartet?

 

Ich habe mir im Vorfeld keinerlei Gedanken darüber gemacht. Mein Hauptaugenmerk lag auf der Befahrung und darauf, wieder sicher nach Hause zu kommen. Die Geschichte ist gut gelaufen und jetzt fühle mich verpflichtet, sie zu erzählen. Ich denke nämlich, dass eine grundlegende »Moral« hinter der Geschichte steckt, die es wert ist, verbreitet zu werden.

 

Hast du daran gedacht, dass du die Befahrung nicht überleben könntest?

 

Nein.

 

Was hätte passieren können?

 

Eine Rückenverletzung.

 

Würdest du es wieder tun?

 

Einmal reicht.

 

Wann werden wir die ersten Videoaufnahmen zu sehen bekommen?

 

Rush und ich arbeiten gerade an einem neuen Film namens »Dream Result«. Auf www.rev-inn.com gibt’s mehr Informationen über den planmäßigen Start im Frühjahr 2010. Das Videomaterial erscheint demnächst weltweit in den Medien, schaut einfach auf unserer Website vorbei.

 

Wie dir wahrscheinlich schon zu Ohren gekommen ist, gibt es einige Leute, die deine Befahrung kritisieren und behaupten, dass so etwas schlecht für den Kajaksport sei. Außerdem würde es junge Paddler ermutigen, ihr Leben zu riskieren. Wie lautet deine Antwort darauf?

 

Ich würde lieber mein Leben riskieren, als es zu riskieren, nicht zu leben. »Paulouse Falls« war ein kalkuliertes Risiko: ohne Zweifel gefährlich, aber zugleich auch einer der wunderbarsten Tage in meinem Leben. Es war eine persönliche Entscheidung, und keine äußeren – speziell keine negativen – Einflüsse konnten diese beeinflussen. Es war vielmehr super, die vielen positiven Reaktionen der Menschen zu erleben. Vielen Dank für diese Worte – es fühlt sich gut an, wenn sich so viele Leute davon inspiriert fühlen. Ich hoffe natürlich nicht, dass sich jetzt junge Leute ermutigt fühlen, riesige Wasserfälle zu befahren. Aber sie sollen verstehen, dass die einzig existierenden Grenzen diejenigen sind, die du dir selbst erschaffst – unabhängig von dem, was du tust.


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