Lipno auf Amerikanisch: bigger, better, Gauleyfest 2009 (+ Mediashow)
04.11.2009 von Jakob Käfer
Jedes Jahr steigt am Gauley River in West Virginia das größte Paddlerfest der Welt. Im Getümmel der tausenden Paddler führte der Zufall diesmal zwei deutsche Paddelfotografen zusammen, die nun staunend von der amerikanischen Wildwasserparty berichten.

- Paddler vorne, hinten, links & rechts. Massenbefahrung am Gauley.
Foto: Micha Schomann
»Please say something in European!« Ich sitze beim Essen in meiner neuen Heimat der University of North Carolina in Asheville, als ich diesen Satz höre. Oh Mann, die Amis! Die Phrase noch im Ohr, startet unsere paddelnde WG mit Anna, Taylor, Daniel und mir Freitagnachmittag in Richtung Summersville, West Virginia. Das »Gauleyfest 2009« wartet auf uns. Ach quatsch, es wartet natürlich nicht, aber wir wollen paddeln und feiern - also auf zum größten Paddelfest der Welt!
Bei konstantem Wasserablass hauen sich beim Gauleyfest drei Tage lang tausende (kein Scherz) Paddler den Bach hinunter - und der bietet immerhin Wildwasser im 4-5 Schwierigkeitsgrad. Man kommt sich vor wie auf einer Skipiste um Neujahr: rechts Paddler, links Paddler, vorne und hinten - überall Paddler. Vor den Rapids muss man sich regelrecht einreihen, bevor man unter dem Jubel der Schaulustigen einfahren darf. Die Ufer sind dicht gekappt und jeder Aufmischer wird lautstark honoriert.

- Volle Zuschauerränge: Da bleibt kein Aufmischer unbemerkt.
Foto: Micha Schomann
Die eindrucksvollsten und damit auch schwersten Stellen des Gauley haben so klangvolle Namen wie »Pillow Rock« oder »Lost Paddle«. Mit meiner Gruppe gibt’s kein Aussteigen und Angucken. Die Jungs kennen den Bach, also immer hinterher. Am Pillow Rock krieg ich nur ein kurzes »immer schön links halten und am Ende ein bisschen rechts«, zugerufen. Das Resultat meiner Route ist, dass ich mit kräftigen Arm- und Beinschlägen rauskraule. Abends darf dann auch das, für einen Schwimmer obligatorische, Bier aus dem Paddelschuh nicht fehlen. Eine überaus widerliche amerikanische Tradition.

- Da is was los: Stadionatmosphäre beim Gauleyfest.
Foto: Micha Schomann
Erkennungsmerkmal Spritzdecke
Am Ausstieg treffe ich auf einen Typen mit hf-Spritzdecke. Ei, das ist ein Deutscher, na klar! »Wie heisst denn du?« »Schomann. Und du?« »Käfer.« Ach ja die Fotodeppen! Micha Schomann ist mit den Kids vom Madawaska Kanu Centre (MKC) vom Ottawa an den Gauley gekommen und bei so viel jugendlichem Eifer doch ein wenig überfordert. Er erzählt mir, dass sie auf dem Weg noch den Upper York (technisches Wildwasser 4-5) mitgenommen hätten und es sehr chaotisch zugegangen sei.
Abends treffe ich den Schomann wieder. Wie die Amis hier ihre Party feiern, kommt uns beiden doch eine wenig fremd vor. Wir sind halt Europäer! Es scheint mehr eine Verkaufsshow zu sein und die Crowd, wie die Amerikaner liebevoll eine Menschenmasse nennen, reisst sich um Kappen, T-Shirts und Schwämme, die von den Firmentrucks ins Volk geschmissen werden. Oh Mann, die Amis! Aber definitiv eine interessante Erfahrung!
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04.11.2009
© KANU-Magazin
Autor: Jakob Käfer