Green Race 2009: Die größte Show des Paddelsports
10.11.2009 von Jakob Käfer
Sickline, was ist das? Am Wochenende ging in North Carolina das prestigeträchtigste Extremrennen der USA über die Bühne: das alljährliche »Green Race«. Andrew Holcombe holte mit einem Fabelrekord den Sieg.

- Da gibts was zu sehen: Hunderte Zuschauer ließen sich das diesjährige »Green Race« nicht entgehen.
Foto: Jakob Käfer
136 harte Jungs und 5 noch härtere Mädels trafen sich am ersten Samstag im November, »high noon«, um den diesjährigen Champion des »Green Race« unter sich auszupaddeln. Zwischen 500 und 800 Zuschauer waren dabei, um das Spektakel zu bejubeln und nahmen dafür sogar die einstündige Wanderung über Stock und Stein in Kauf. Im Minutentakt stürzten sich die Fahrer den eklig aussehenden Rapid »Gorilla« hinunter und, so viel sei vorweg genommen, nicht alle haben dabei eine gute Figur gemacht.

- »Fahr links oder stirb«: Chris Gragtmans auf Linie.
Foto: Jakob Käfer
Das »Green Race« findet auf den Green Narrows statt und kann getrost als das härteste Extremrennen der Welt bezeichnet werden. Nicht nur die Schwierigkeiten des Wildwassers sind eine Herausforderung, auch die Länge der Rennstrecke ist ein Kriterium. Andrew Holcombes Streckenrekord liegt bei 4:27. Die Höchstschwierigkeiten, wie der Rapid »Gorilla«, warten erst im unteren Abschnitt.
Seit der Premiere 1996 mit 16 Teilnehmern ist das Rennen stetig gewachsen und hat sich zum prestigeträchtigsten Extremrennen in den USA entwickelt. Wer hier gewinnt, hat unter den Creekbootfahrern definitiv die Hosen an - auch wenn kein finanziell potenter Großsponsor das Event in den Medien vermarktet. Im Gegensatz zur Sickline-WM im Ötztal, wo Slalompaddler dominieren, haben beim »Green Race« die Locals in der 14-jährigen Geschichte eine lupenreine Bilanz. Ein Name sticht ganz besonders hervor: Tommy Hilleke, sechsmaliger Champion. Auch einige Europäer kamen in den letzten Jahren angeflogen, um das Rennen zu gewinnen. Erfolglos. Die bisher beste Platzierung hält der Franzose Eric Deguil als Dritter des Vorjahres.

- »The Flume« im »Gorilla«-Rapid ist das Markenzeichen des Green River.
Foto: Jakob Käfer
Nichts für Weicheier
Schon Wochen vor dem Rennen lag in der amerikanischen Paddelszene Spannung in der Luft. Im Onlineforum »Boatertalk« und in den Podcasts des »Lunch Video Magazine« (LVM) zogen die Teilnehmer fleißig übereinander her. Vorjahressieger Pat Keller bezeichnete alle Paddler, die nicht mitfahren, auf LVM als »Weicheier« und wurde dafür ordentlich gefeiert. Welcome to America! Während des Trainings gab es unter den Favoriten ausgekugelte Schultern, Schwimmer, verlorene Paddel und sogar Boote. Man munkelt, Chris Gragtmans Boot klemmt immer noch im Rapid »Go Left or Die«. Die Rahmenbedingungen für eine große Show waren also perfekt.
Bei den amerikanischen Rennen starten, anders als in Europa, die besten Fahrer zuerst. Chris Gragtmans, der Zweitplatzierte aus dem Vorjahr musste, da Champion Pat Keller verletzt abgesagt hatte (Weichei halt ;) ), als erster auf die Strecke. Leider hatte er seine Nerven nicht im Zaum und somit reichte es nur zu Platz 5. Andrew Holcombe (5. Platz bei der Sickline-WM 2009) pulverisierte seinen bisherigen Streckenrekord um ganze 9 Sekunden. Er gewann mit einer Fabelzeit von 4:18 Minuten vor Isaac Levinson aus Charlotte. Dritter wurde der Franzose Eric Deguil. Bei den Damen gewann Adriene Levknecht mit einem neuen Rekord von 4:59 Minuten vor Shannon Carrol und Laura Farrell. Deutsche Teilnehmer waren leider nicht am Start.

- Andrew Holcombe bewältigte die Strecke in 4:18 und setzte damit eine sensationelle Rekordmarke.
Foto: Jakob Käfer
Gemetzel an den Green Narrows
Nachdem die Favoriten den Sieg unter sich ausgemacht hatten folgte ein wahres »Blutbad« mit einigen Waschgängen. Speziell die OC1-Fahrer boten eine großartige Show. Ob maßlose Selbstüberschätzung oder übermäßiger Ehrgeiz, man kann über die Gründe mancher Paddler an diesem Rennen teilzunehmen nur Vermutungen anstellen. Der ein oder andere Mund-Kiefer-Gesicht-Chirurg in der Region Asheville freut sich jetzt bestimmt über neue Kunden. Dabei kann nicht einmal behaupten, die Teilnehmer wären nicht gewarnt. Nach guter amerikanischer Tradition wird schon im Haftungsausschluss auf die Dummheit dieser Aktion hingewiesen.
Mehr Infos gibt's unter greenrace.lvmvideo.com
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Sieger Green Race 2009
Offene Klasse: Andrew Holcombe, 4:18 (Streckenrekord)
Damen: Adriene Levknecht, 4:59
Kurzboot: Andrew Holcombe, 4:43
Hand-Paddel: Keith Sprinkle, 5:18
C1: Scott McLusky, 4:58
OC1: Wes Gentry, 41:19
Ironman: Andrew Holcombe, 9:01
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10.11.2009
© KANU-Magazin
Autor: Jakob Käfer