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Know-How

Workshop: Die digitale Dunkelkammer

03. Februar 2010 von Manuel Arnu

Nach dem Kanufahren geht die Arbeit für Paddelfotografen in die nächste Runde. Denn erst am heimischen Computer wird aus einer gelungenen Aufnahme ein richtig gutes Bild.

Schon die Automatik im RAW-Konverter des Photoshops lässt ahnen...

Die Zeit falsch belichteter Filme aus dem Fotolabor ist vorbei. Heute hat man es selbst in der Hand, aus seinen Bildern das Beste herauszukitzeln. Voraussetzung ist ein schneller, leistungsfähiger Computer mit mindestens 2 GHz Prozessortakt. Damit die Arbeit effektiv und schnell von der Hand geht und man während der Rechenvorgänge nicht einen Kaffee nach dem anderen schlürfen muss, sollten im Computer eine schnelle Grafikkarte und mindestens 2 GB Arbeitsspeicher stecken. Wenn sich's leisten kann, rüstet seinen Computer auf den maximalen Arbeitsspeicher auf. Denn für die rechenintensive Bildbearbeitung gilt uneingeschränkt: Je mehr RAM, umso besser! Ebenso wichtig ist ein farb- und detailgetreuer Monitor (gut und relativ günstig: Apple LED Cinema Display) zum Beurteilen sowie Bearbeiten der Farben und Helligkeit der Bilder.

...was in digitalen Bildern tatsächlich steckt.

Um wirklich alles aus seinen Bildern herauszuquetschen, gibt es zum RAW-Aufnahmemodus keine Alternativen. Die RAW-Bilder benötigen zwar mehr Speicherplatz, aber die »digitalen Negative« sind »rohe«, unkomprimierte und verlustfreie Bilder, mit der feinsten Abstufung von Helligkeit und Farben. Zum Vergleich: Ein JPEG hat 256 Helligkeitsabstufungen pro Farbkanal, eine 16-Bit-RAW-Datei bis zu 65.536! Die Vorteile der Rohdaten liegen auf der Hand: Man kann die Bilder im Nachhinein verändern oder auch Belichtungsfehler korrigieren. Schattig­e Bereiche, zum Beispiel in felsigen Schluchten oder düsteren Wäldern, können problemlos aufgehellt, Lichter (Wolken und Weißwasser) abgedunkelt werden. Selbst um 1 bis 2 Blenden unter- oder überbelichtete Fotos bessert man in der digitalen Dunkelkammer aus. Aber Vorsicht: Nicht zu schlampiger Arbeit verführen lassen, ein richtig belichtetes Bild

bedeutet deutlich weniger Arbeit.

Die Grundlage: Bildbearbeitungssoftware

Gute Ergebnisse beim Entwickeln der »digitale­n Negative« leisten die professionelle­n RAW-Konverter der Kamerahersteller (wie Canon Digital Photo Professional oder Nikon Captur­e NX2). Ganz bequem, vielfach ausgezeichnet, aber sehr rechen­intensiv ist die automatische RAW-Konvertierung von DxO Optics Pro. Das Standardprogramm zum digitalen Feintuning schlechthin ist Adob­e Photo­shop, auch in abgespeckter Form als Photoshop Elements. Speziel­l auf die Bedürfnisse von Fotografen zugeschnitten sind die Programme Adobe Lightroom und Apple Apertur­e, die sowohl RAW-Konverter sind als auch Bildverwaltung.

 

Digital­e Bildbearbeitung ist eine Wissenschaft für sich. Lasst euch davon nicht abschrecken. Lernt das Programm kennen und spielt mit den Möglichkeiten. Keine Bange, solang­e die Software nicht destruktiv arbeitet, als­o nur sämtliche Bildveränderungen speichert, währen­d das Fot­o unverändert als Origina­l auf der Fest­platte bestehen bleibt, kann man nichts kaputt mache­n.

3 Schritte zum perfekten Bild

Sobald das Endformat feststeht, wird scharfgezeichnet.

Schritt 1: Sichten

Die Arbeit beginnt mit dem Sichten der Fotos. Nach einem guten Fotowochenende können schnell mehrere hundert Bilder zusammenkommen, nach einem Urlaub geht es in die Tausende. Mit guten Bildverwaltungsprogrammen sollte man seine Fotos bewerten. Die Guten kommen ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen. Nur die besten Bilde­r werden ausgewählt und bearbeitet.

 

Schritt 2: Grobtuning

Jetzt geht es ans Grobtuning. Mit dem Beschnitt-Werkzeug wählt man gegebenenfalls einen passenderen Bildausschnitt. Dann das Foto ausrichten, falls man im Eifer des Gefechts bei der Aufnahme die Kamera nicht waagerecht gehalten hat. Jetzt geht’s an die Schieberegler. Beginnt damit, die Farbtemperatur einzustellen. Eine höhere Farbtemperatur bedeutet wärmere Farben (größerer Gelb- und Rotanteil). Ein Licht, wie es zu Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang herrscht. Eine niedrigere Farbtemperatur lässt das Bild blauer und kühler erscheine­n, wie zur Mittagszeit. Wendet die Einstellungen ganz intuitiv an, so wie es euch gefällt. Als nächstes korrigiert die Belichtung – falls nötig – mit dem Helligkeitsregler. Zu dunkle Bilder aufhellen, überbelichtete Fotos abdunkeln. Dann sind die sensibelste­n Bildpartien an der Reihe: die Schatten und die Lichter. Schatten sollen dunkel, aber nicht schwarz sein. Viele Programme besitzen eine Korrekturfunktion für Tiefen und Lichter. Verschiebt den Regler für die Schatten, bis in den dunkelsten Partien gerade noch Details zu erkennen sind. Ebenso verfahrt ihr mit den Glanzlichtern. Verändert die Einstellungen, bis in Wassergischt oder weißen Wolke­n Struktur zu erkennen ist. Mit diesem Instrumen­t kann man bei RAW-Dateien auch über- und unterbelichtete Bildbereiche wieder restau­rieren. Gebt mit dem Kontrastregler noch zusätzlic­h Pfeffer. Damit ist der »Pflichtteil« abgeschlossen.

 

Schritt  3: Feintuning

Kommen wir zum Feintuning. Das Bild wird noch lebendiger, wenn man abschließend die (Farb-)Sättigun­g erhöht. Nicht übertreiben, aber die Farben leuchten dann stärker, der Himmel wird blauer, das bunte Kajak knackiger. Falls das Foto dabei zu bonbonartig und knallig wird, gibt es auch eine partielle Farbkorrektur. Wählt nur die blauen Farbe­n aus und erhöht deren Sättigung, wenn der Himme­l strahlender werden soll, die grünen Bäum­e und das rote Kanu aber nicht. Sofern ein schmutziger Sensor dunkle Staubpünktchen auf dem Bild hinter­lassen hat oder störende Bildelemente eliminier­t werden müssen, sollten diese jetzt mit dem Retuschier­werkzeug weggestempelt werden. Zu guter Letzt wird das Bild mit der Schärfe­funktion geschliffen. Bilder für den Druck stärke­r nach­schärfen als für den Internetgebrauch. Der letzte Schritt: Wenn ihr die Bilder nur fürs Internet braucht, speichert die Fotos in Monitor­auflösung (72 dpi) und mäßige­r Größe als komprimiertes JPEG ab. Sollen die Fotos jedoch in eine­r Zeitschrift als Doppelseite gedruckt werden, braucht ihr eine Auflösung von mindes­tens 300 dpi bei einer Seitenbreite von 40 Zentimeter und das verlustfreie Kompressions­format TIFF ist erste Wahl – damit steht der Veröffentlichung eurer beste­n Paddelbilder nichts mehr im Wege. 

Ordnung ist das halbe Leben

Festplatten sind Backup-Medium Nr. 1 und selbst in Terrabyte-Größe für wenig Geld zu haben.

In der prädigitalen Ära war alles einfach. Ein Dia war ein Dia war ein Dia. Die Originalbilder bekamen vielleicht Kratzer oder die Farben verblassten mit den Jahren, aber sie verschwanden nicht auf Nimmerwiedersehen von einer Festplatte. Dem gilt es vorzubeugen. Heute liegen die Fotos irgendwo auf einer Festplatte und die Chance, dass sie den plötzlichen Datentod sterben, ist groß. Zum einen verändern sich die Speichermedien ständig. Wer zu Beginn der digitalen Fotografie Bilder auf Flopp­y-Disk oder ZIP-Laufwerken gespeichert hat, guckt heute schon in die Röhr­e, denn viele Betriebssysteme erkenne­n diese Laufwerke nicht mehr. CDs und DVDs haben ebenfalls nur eine begrenzte Lebensdauer.

 

Weil die Kosten für Festplattenspeicherplatz rapide gesunken sind und durch die digitale Foto­grafie die Bildmenge stark angestiegen ist (zusätzliche Bilder bedeuten keine Kosten), greifen die meisten Fotografen auf externe Festplatten zum Archiviere­n ihrer Bilder zurück. Von alle­n Bildern sollte man regelmäßig mindestens eine Sicherungskopie mache­n. Festplatten sind empfindliche und gelegentlich störrische kleine Dinger. Die Archiv-Festplatte geschützt lager­n und mindestens einmal im Jahr anschalten, um keine Überraschungen zu erleben. Wer noch ruhiger schlafen will, kopiert die Bilder auf eine zweite Festplatte und lagert die an einem andere­n Ort als die erste – falls man mal den Auflauf im Ofen vergisst und die Feuerwehr die Bude großzügig mit Löschschaum eindeckt.

 

Um mit der anfallenden Datenflut fertig zu werden, zahlt es sich aus, alle Bilder klar strukturiert an einem Ort zu speichern oder ein gängiges Programm zur Fotoverwaltung zu verwenden (z. B. Adobe Lightroom). Solche Programme bewältigen große Bild­archive, beherrschen die RAW-Konvertierung und durch Stichwortvergabe lassen sich Bilder sehr gut suchen, ordnen und bewerten. Sollten Speicher­karten oder Festplatten tatsächlich beschädigt sein, helfen Programme wie San Disk Rescue Pro, die fehlerhaften Dateie­n wiederherzustellen, sofern die Date­n nicht überschrieben wurden. Wer seine besten Paddelbilder später einmal mit seinen Enkeln betrachten möchte, druckt sie am besten in einem Fotobuch (www.fotokasten.de) aus und stellt sie ganz »Old School« ins Bücherregal.


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