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Know-How

Fotoworkshop Teil 3: Von Licht und Schatten

29. Februar 2008 von Michael Neumann
Morgens halb acht am Plansee. Über allen Wassern ist Ruh, spiegelglatt liegt der See, die Sonne frühstückt Nebelschwaden – nur die Kommandos des Fotografen (links, rechts, schneller) gellen durch die Stille.
Foto: Michael Neumann

Als Paddler treibt man sich bevorzugt in unberührten Naturräumen herum und erlebt magische Momente – die man natürlich auch den Daheimgeblieben in Form perfekter Lichtbilder präsentieren möchte.

 

Hier alle Grundregeln der Landschaftsfotografie erklären zu wollen, wäre vermessen. Das schaffen selbst Bücher wie das Standardwerk »Digitale Fotopraxis – Landschaft und Natur« von Christian Schnalzger auf über 250 Seiten kaum. Beschränken wir uns daher auf die Besonderheiten beim Paddeln – die so natürlich auch in der allgemeinen Fotografie Bestand haben.


Die meisten Bilder, die hier in der KANU-Redaktion für alle möglichen Artikel eingesandt werden, sind Schnappschüsse. Im Vorbeifahren geknipst und von primär dokumentarischen Charakter. Will man jedoch neben dem Blumentopf auch noch Ruhm und Ehre einheimsen, bedarf es folgender Schritte ...

Um Schiff und Schilf in Szene zu setzen, ging der Fotograf baden.
Foto: Michael Neumann

Aktive Motivsuche:

 

Profis halten schon bei der Anfahrt zum Gewässer die Augen offen, um möglichst viele Eindrücke vorab zu erhaschen. Auch Flussführer und Internetberichte bieten neben den reinen Paddelinfos manchen Hinweis auf mögliche Motive. Gilt es vor Ort, zuvor die Autos umzustellen, so ist auch das eine gute Gelegenheit für den Fotografen, fotogene Stellen zuvor festzulegen. So ist sichergestellt, dass man unterwegs seine Mitpaddler nicht über Gebühr mit Fotostopps nervt und dass man sein kreatives Pulver nicht schon verschossen hat, bevor die wirklichen Motive auftauchen.


Einen Schritt weiter geht, wer sein­e Paddelrouten möglichst fotogen plant. Will heißen: Bei der Auswahl der Strecke zählen nicht allein die Vorlieben des Fahrtenleiters und die logistisch einfachste Variante, sondern auch Flussabschnitte, die besonders schöne Motive versprechen. Scheuen Sie dafür kein Flachwasser (beispielsweise im Stau eines Wehres) oder vermeintlich zu kurze Strecken, die das Abladen der Boote kaum lohnt – all ihre Opfer und Mühen werden beim Betrachten des perfekten Bildes vergessen sein.

Bleiben Sie auf Stand-by: Das Zelt steht, die Nudeln warten, doch die Paddelausrüstung liegt griffbereit am Ufer – falls Berge und Wasser plötzlich im Abendrot erstrahlen.
Foto: Michael Neumann

Der frühe Vogel fängt den Wurm:

 

Neben der Wahl der Location ist auch die Wahl der Uhrzeit essenziell für ein gelungenes Foto. 90 % der Bilder eines Profis entstehen am frühen Morgen oder kurz vor Sonnenuntergang, denn nur eine möglichst flach stehende Sonne sorgt für die perfekte Ausleuchtung des Motivs. Perfekt zum Abpassen solcher Situationen sind Mehrtagestouren, wenn man ohnehin direkt am Wasser campiert und die Boote am Ufer bereit­liegen. Ist nachts am Lagerfeuer Sternedeuten angesagt, lohnt der Kontrollblick frühmorgens aus dem warmen Schlafsack. Keine Wolke am Himmel? Dann nix wie los, die Kameraden wachgetrommelt (die man am Vorabend bereits mit einer Extra­runde Rotwein gefügig gemacht hat) und ab aufs Wasser. Oft dankt der noch junge Tag die Extrarunde vor dem Frühstück mit mystischen Nebel­stimmungen, die durch den Temperaturunterschied von Wasser und Luft entstehen, oder spiegelglatten Wasseroberflächen, da die Kühle der Nacht thermische Winde noch unterbindet.

 

Der späte Vogel auch:

 

Was für den Morgen gilt, hat natürlich auch am Abend Gültigkeit. Mehr noch, denn das Licht kurz vor Sonnenuntergang ist noch ein Spür weicher und intensiver als am Morgen. Zudem ist auch der Fotograf bedeutend wacher und dementsprechend kreativer ;-) Verschieben Sie daher das Zeitfenster ihrer Tour etwas nach hinten. Warum schon um 15 Uhr vom Bach, wenn doch zwischen 16 und 18 Uhr beste Lichtverhältnisse herrschen?

 

Eine Frage des Standpunktes:

 

Nichts gegen Bilder aus einer wasserdichten Kompaktknipse, während des Paddelns aus der Hüfte geschossen. Diese runden jeden Vortrag ab. Doch wer perfekt komponierte Eyecatcher will, die sich dem Betrachter auf den ersten Blick erschließen, tut gut daran, mit den gängigen Sichtwinkeln beim Paddeln zu brechen: Klettern Sie auf Bäume, krabbeln Sie das Steilufer rauf, erklimmen Sie Brücken oder kauern Sie auf knapp über der Wasseroberfläche gelegenen Kiesbänken in der Froschperspektive.

Keine Tour, trotzdem schön – arrangiertes Winterbild bei minus 15 Grad im Wehrstau des Lechs.

Das richtige Arrangement:

 

Achten Sie darauf, dass ihre Models bestmöglich ausstaffiert sind. Niemand verlangt, dass alle wie frisch aus dem Katalog rumpaddeln. Aber vermeiden Sie dunkle Farben. Schwarze Paddel, schwarze Schwimmwesten, dunkelblaue Boote können das beste Bild vermiesen. Gehen Sie als Fotograf mit gutem Beispiel voran und stellen Sie ihre Ausrüstung so zusammen, wie sie sich das auch von ihren Models wünschen (würden). Auch die richtige Position der Boote beim Durchs-Bild-paddeln ist von Bedeutung. Gruppen paddeln leicht gestaffelt und V-förmig wie die Zugvögel. Entenmarsch ist verboten. Fotografen freuen sich zudem darüber, wenn langsam durchs Bild gepaddelt wird. So bleibt Zeit, den Bildausschnitt zu variieren.

Auch im Zweier gilt: Kamera rauf oder runter, damit Paddlers Birne nicht mit dem Horizont kollidiert.
Foto: Michael Neumann

 

Kommunikation:

 

Erklären Sie ihren Mitpaddlern ihre Bildidee. Nur wenn diese wissen, was Sie vorhaben, gelingt der goldene Schuss. Sollen Ihre Models lachend auf die Kamera zupaddeln, oder schräg daran vorbei, so als ob Sie gar nicht da wären? Vereinbaren Sie Handzeichen, oder besser noch, verwenden Sie Handfunkgeräte für die Feinabstimmung.

Bildausschnitt:

 

Positionieren Sie den Paddler nicht immer in Bildmitte. Besser sind Bildaufteilungen nach dem Prinzip des »Goldenen Schnitts«, bei dem bildrelevante Details (in unserem Fall natürlich der Paddler) vertikal wie horizontal in einem Verhältnis von 40 zu 60 zur Bildmitte platziert werden. Auch die Fahrtrichtung des Paddlers ist von Bedeutung. Im Idealfall fährt der Paddler ins Bild rein, anstatt schon mit der Bootsspitze den Bildrahmen zu durchbohren. Vermeiden Sie zudem, dass die Köpfe des Paddlers mit der Schnittmenge von Wasser und Land am Horizont verschwinden. Wie das geht? Nochmal zurück zum Stichpunkt Standpunkt. Unterwegs auf dem Wasser kann es auch reichen, die Kamera über Kopf zu halten oder flach übers Wasser und blind auszulösen – kostet ja nix mehr mit Digital.

Zubehör:

 

Wichtigstes Utensil des Landschaftsfotografen ist das Stativ. Es ermöglicht nicht nur verwacklungsfreie Aufnahmen mit viel Schärfentiefe (durch kleine Blende) bei wenig Licht, sondern zwingt auch zu einer bedachten Arbeitsweise, wovon der Bildaufbau profitiert.


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