Darf es etwas mehr sein? Wer in die Königsklasse der Fotografie aufsteigen will, wählt eine Spiegelreflexkamera mit Wechselobjektiven. Plus: 4 wasserdichte Kompaktkameras im Feldversuch.
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Know-How
Fotoworkshop Teil 2: Spieglein, Spieglein im Gehäuse
Will man Vereinskameraden und KANU-Redakteure mit seinen Bildern beeindrucken, sollte man eine digitale Spiegelreflexkamera ins Auge fassen. Bei diesen wird das durchs Objektiv einfallende Licht 1 zu 1 per Spiegel in einen optischen Sucher umgelenkt, der rund 97% des tatsächlichen Bildausschnittes in einer Qualität zeigt, die nach dem Auslösen so auch auf den Chip gelangt. Da der Chip von SLRs um einiges größer ist als jener in Kompaktkameras, profitiert auch die Bildqualität in diesem Maße. SLRs rauschen weniger, bilden feine Strukturen genauer ab, machen bis zu fünf Bilder pro Sekunde und lassen zudem dem Fotografen bei seinen Einstellungen nahezu freie Hand. In Sachen Auflösung haben sich zwischen 8 und 10 Mio. Pixel etabliert und der Markt offeriert heute diverse Einsteigermodelle für unter 800 Euro, nach denen sich vor zwei Jahren selbst Profis noch die Finger geleckt hätten.
An digitalen SLRs können oft auch bereits vorhandene Objektive benutzt werden, wobei aber klar gesagt werden muss, dass nicht jede Optik die volle Performance aus dem Chip herauskitzelt. Hier gilt es, bevorzugt jene einzusetzen, die von unserer Schwesterzeitschrift Colorfoto (www.colorfoto.de) mit dem Gütesiegel »Digital empfohlen« versehen sind. Oder man ergänzt seine Ausrüstung gleich mit eigens für Digitalkameras gerechneten Objektiven.
Zu beachten ist in jedem Fall der Crop-Faktor. Dieser liegt je nach Modell zwischen 1,4 und 1,6 und bezeichnet den Vergrößerungsfaktor, den man zur Brennweite des Objektivs dazurechnen muss. Grund dafür ist, dass der Chip flächenmäßig deutlich kleiner ist als ein 35-mm-Film. So wird aus einem aufgesetzten 28-mm-Weitwinkelobjektiv beim Cropfaktor 1,5 letztlich ein 42-mm-Normalobjektiv. Von diesem Effekt profitiert man im Telebereich, da man dort auch um den Faktor 1,5 näher dran ist im Geschehen, für die beliebten Weitwinkeleffekte braucht es dann jedoch speziell gerechnete Modelle mit Brennweiten von 12 oder gar 10 mm.
Kampf dem Staubkorn
Größtes Manko der SLRs ist neben dem hohen Stromverbrauch (wer den ganzen Paddeltag die Kamera im Anschlag hat, hat abends Akku leer) die Staubproblematik. Während Staub bei den Kompakten mit ihren fest integrierten Objektiven kein Schlupfloch findet, hat dieser bei jedem Objektivwechsel Tag der offenen Tür. Zunächst setzt er sich im Schacht und auf dem Spiegel ab, wird dann aber beim Auslösen oder beim Zoomen (besonders große Teles sind regelrechte Luftpumpen) gern weiter in die Kamera gewirbelt. Je nach Größe und Platzierung kann schon der kleinste Brösel auf dem Sensor für üble Furunkel im Gesicht des fotografierten Paddlers sorgen. Für unterwegs empfiehlt sich daher ein kleiner Blasebalg, um einen »verstaubten« Chip im Inspektionsmodus vorsichtig freizupusten. Bitte nicht mit dem Mund blasen, denn man glaubt gar nicht, wieviel Spuke hinterher auf dem Chip klebt. Für daheim empfiehlt sich zudem ein kleiner Staubsauger mit Druckluftdose (im Fotoladen für ca. 20 Euro), mit dem man die verscheuchten Staubkörner final aus der Kamera bekommt.
Ausprobiert: Canon Ixus 850 IS + Gehäuse
Die Canon steht exemplarsich für die Variante Kompaktkamera plus wasserdichtes Polycarbonat-Gehäuse. Vorteil: eine vorhandene Kamera wird so »schwimmwestenfest«.
Viele Kamerahersteller bieten passend zu ihren Kameramodellen maßgefertigte Unterwasser-Gehäuse, deren aufwändige Mechanik die Bedienung der darin eingeschlossenen Kamera erlaubt. Größter Vorteil dieser Variante: der Käufer kann aus einer Vielzahl von Modellen sein Wunschgerät rauspicken. KANU hatte die Ixus 850 IS von Canon am Start, die schon an Land durch eine logische Benutzerführung, eine schnelle Auslöseverzögerung (0,15 s) und eine Optik mit gutem Weitwinkelbereich (28 mm) besticht. Zudem verfügt die Kamera über einen optischen Bildstabilisator, was auch bei widrigen Lichtverhältnissen für scharfe Landschaftsschnappschüsse sorgt. Bei schnellen Bewegungen nutzt das aber nix. Größtes Manko: ein Sportprogramm mit Priorität auf schnelle Verschlusszeiten fehlt.
Ausprobiert: Pentax Optio W 30
Die Pentax Optio gehört derzeit zu den erfolgreichsten wasserdichten Kameras: 7,1 Mio. Pixel, 3 Meter Tauchtiefe und ein großes Display erfreuen auch Paddlerherzen.
Nicht nur die Tester von www.digitalkamera.de (dort das Suchwort Urlaubstest eingeben) sind sich einig: die Optio W 30 gehört zu den besten Begleitern für den Nahkampf mit dem Element Wasser. Pixeltechnisch schenkt sie sich im Vergleich zu Ixus und Mju nichts, beim Handling mit kalten Händen jedoch verweist sie Olympus auf die Plätze, während sie der Canon das Sportprogramm voraus hat. Auch in Sachen Bildqualität weiß die Kamera zu gefallen. Der Zoombereich ist allerdings Hausmannskost, ein echtes Weitwinkelformat sucht man vergebens. Größtes Optio-Manko ist der fehlende Objektivschutz. So kann die Frontscheibe zum einen beim Transport zerkratzen, zum anderen können ich dort Wassertropfen noch vor dem ersten Schuss festsetzen. Im Vergleich zur Olympus ist diese wiederum etwas größer, was zumindest das wegputzen derselbigen etwas einfacher macht.
Ausprobiert: Olympus MJU: 770 SW
Zweiter Kandidat für die Brusttasche der Schwimmweste ist die Olympus Mju: 770 SW. Sie ist bis 10 Meter Wassertiefe dicht und verfügt über ein besonders robustes Gehäuse.
Olympus gehört zu den Vorreitern bei der Entwicklung wasserdichter Kompaktkameras. Gleich drei Kameras sind derzeit im Programm, hinzu kommen zahlreiche UW-Gehäuse für die opulent ausgestatteten Ultrazoom-Serie mit dem Kürzel SP. Die 770 gefällt durch ein Heavy-Duty-Gehäuse, Sportprogramm und den kleinen Schieber vor dem Objektiv. Dieser schützt die Frontlinse vor Kratzern und sorgt dafür, dass nicht schon beim Aus-der-Tasche-ziehen Wassertropfen auf der Optik sind, die nahezu jedes Bild unbrauchbar machen. Weniger gut: statt einen optischen Bildstabilisator zu verwenden, fährt die Olympus bei schwindendem Licht lieber die Empfindlichkeit (der sogenannte ISO-Wert) des Chips hoch, worauf die Bilder zu »Rauschen« anfangen.
Ausprobiert: Ricoh Caplio 500 G Wide
Die Ricoh wurde als robuste »Baustellenkamera« konzipiert, macht durch ihr 28-mm-Weitwinkelobjektiv aber auch in Paddlerhand eine gute Figur.
Das größte Kameramodell dieses Vergleichs kommt von Ricoh. Während die anderen drei noch Platz in der Fronttasche der Schwimmweste finden, kommt für die Caplio nur ein Platz im Boot in Frage. Konzipiert als Werkzeug für Bauleiter und Architekten, fallen zunächst das große Einstellrad und die XXL-Tasten auf. Damit lässt sich die Kamera sogar mit Neoprenhandschuhen bedienen. Pluspunkte sammelt auch der Brennweitenbereich des Objektivs, der bei 28 mm beginnt. So kann man aus dem Kehrwasser vorbeiziehende Paddler zur Gänze einfangen. Abzüge in der B-Note gibt es für das Bedienmenü, das nur die Wahl zwischen Englisch und Japanisch (!) bietet, und eine Bildqualität, die ohne Nachbearbeitung im Photoshop kaum auskommt.
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