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Know-How

Zeckenalarm! - Kenne deine Feinde

23. Juli 2009

Zeckenalarm! - Kenne deine Feinde

Alle warnen vor Zecken – KANU auch. Denn Paddler sind bevorzugte Beute der unsympathischen Blutsauger, die auch fiese Krankheiten übertragen. Hier erfahren Sie alles, was Sie wissen müssen.

Da kommt das Leckerchen! Zecken lauern im Gras und Unterholz, besonders in Gewässernähe.
Foto: Horst Hohn

Sechs Monate nach einem Paddelurlaub in Österreich beginnen die Beschwerden. Jürgen P. fühlt sich müde und abgespannt, hat Kopfschmerzen, mitunter auch Fieberschübe und Schüttelfrost. Als noch einige Gelenke schmerzen, geht er zum Arzt. Diagnose: Borreliose, verursacht durch einen Zeckenbiss. Jürgen erinnert sich dunkel an eine Hautrötung am Hintern (siehe Foto), damals, kurz nach einer Paddeltour. Jetzt drohen ihm Lähmungen und Langzeitschäden.

 

Zwischen März und Oktober treiben Zecken ihr Unwesen, und obwohl sie meist winzig sind, bergen Zecken für Menschen einiges Risiko, denn sie können eine Reihe Krankheiten übertragen. Die für den Menschen gefährlichsten darunter: Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und Borreliose (auch Lyme-Borreliose genannt). Gegen FSME kann man sich impfen lassen, gegen Borreliose nicht. Die beste Taktik besteht allerdings in der Prävention: sich gar nicht erst beißen lassen.

In hiesigen Breiten ist der gemeine Holzbock die am weitesten verbreitete Zeckenart. Diese Art wird zwischen 2,5 und 4,5 Millimeter groß; Weibchen werden meist größer als die Männchen. Der Zeckenkörper dehnt sich mit dem aufgenommenen Blut und kann bis zu 3 Zentimeter groß werden.

 

Zecken werden zwei bis fünf Jahre alt und durchlaufen mehrere Entwicklungsstadien. Im Winter sind sie nicht aktiv und überleben ihn häufig nicht.

Wo die Zecken lauern

Zecke auf einem Grashalm - hier wartet sie auf ein Opfer.
Foto: www.zecken.de

Zecken sind in Europa und Amerika heimisch und übertragen als Parasiten Krankheiten auf den Menschen. 99 % ihres Lebens verbringen Zecken mit der Suche nach einem Wirt. Dabei können sie ohne Probleme zwei Jahre hungern.

 

Zeckensaison ist von März bis Oktober. Sie warten in Wiesen oder im Unterholz. Sie lieben hohe Luftfeuchtigkeit (über 70 %), also etwa Flusstäler, wo sich auch im Sommer morgens Tau bildet. Um von der Vegetation auf einen Wirt zu gelangen, braucht die Zecke Körperkontakt. Der Bruchteil einer Sekunde genügt. Ein Paddler, der sein Boot durchs Ufergebüsch trägt, ist für Zecken unwiderstehlich. Durch Geruchsreize, Veränderungen des Lichteinfalls oder Vibrationen alarmiert, wechselt die Zecke von der Wartestellung in die Lauerstellung. Dann hängt sie sich an alles, was das Blatt oder den Grashalm streift, auf dem sie sitzt. Am Wirt sucht sich die Zecke eine geeignete Stelle für den Biss. Beliebt sind warme Körperstellen mit dünner Haut, beim Menschen im Schritt, in den Kniekehlen, unter den Armen, im Nacken und am Haaransatz. Beim Zustechen gibt die Zecke Speichel ab, der die Widerhaken ihres Stechwerkzeugs fest in die Haut zementiert und gleichzeitig die Einstichstelle betäubt. Dann beginnt das große Saugen …

 

Im Jahr 2008 wurden Zecken bereits auf über 1500 Metern Höhe gesichtet. Dies wird in erster Linie der Klima-Erwärmung zugeschrieben - braucht die Zecke doch gemäßigte bis warme Temperaturen. Im Klartext heißt das, dass man nun auch im Gebirge größerem Risiko ausgesetzt ist.

FSME - Verbreitung und Infos

Verbreitung von FSME (Klick auf die Karte öffnet die Großansicht).
Foto: Robert Koch Institut

 

Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) ist eine Viruserkrankung, die mit grippeähnlichen Symptomen, Fieber und teilweise mit einer Meningoenzephalitis, der Entzündung von Gehirn und Hirnhäuten, einhergeht.

 

Die wichtigsten Fakten zur FSME im Überblick:  

  • Verbreitet ist der Virus vor allem bei Zecken in Baden-Württemberg, Bayern, Südhessen; Österreich, Schweiz, Balkanländer; Ungarn; Polen; Finnland und Skandinavien (siehe Karte)
  • Es gibt keine Medikamente gegen FSME, nur die Symptome der Krankheit können behandelt werden. Daher wird in den Verbreitungsgebieten zur Impfung geraten. Aktuelle Informationen gibt es beim Robert-Koch-Institut (www.rki.de)
  • Die Krankheit ist nicht leicht zu erkennen. Die Symptome sind unterschiedlich, und ähneln denen einer Sommergrippe: Fieber, Kopfschmerz, unspezifische, grippale, sowie Magen- und Darmbeschwerden
  • Der Großteil der Erkrankungen heilt folgenlos aus, bei Erwachsenen mit Meningoenzephalitis können jedoch Folgeschäden zurückbleiben (z.B. Lähmungen, Gleichgewichtsstörungen, Hörstörungen, u.a.). Nur sehr wenige Fälle verlaufen tödlich. Beim Verdacht auf eine Infektion sollte man umgehend den Arzt aufsuchen.

 

Dieser Artikel dient zu Informationszwecken und ersetzt keine medizinische Beratung!

Borreliose - die wichtigsten Infos

Verbreitungsgebiet von Borreliose (Klick auf die Karte öffnet die Großansicht).
Foto: Novarti

Borreliose muss nicht ausbrechen und kann denkbar harmlos verlaufen. Allerdings kann sie auch ernsthafte Gelenkschäden, Hautveränderungen und Hirnschäden verursachen. Die Borreliose ist die häufigste durch Zecken übertragene Erkrankung in Europa. Weil die Krankheit nur im Frühstadium gut zu behandeln ist, ist Wachsamkeit angebracht. Borreliose ist in der nördlichen Hemisphäre (Nordamerika, Europa und Asien) verbreitet.

 

Wichtige Informationen zur Borreliose:

 

  • Etwa jede fünfte Zecke im europäischen Raum enthält Borrelien, also die Bakterien, die Borreliose auslösen.
  • Je früher die Zecke entfernt wird, desto unwahrscheinlicher ist, dass der Erreger übertragen wird. Es wird geschätzt, dass dies erst ab 12 Stunden nach dem Stich passiert.
  • Eine Infektion zeigt sich oft - aber nicht notwendigerweise - in einer lokalen Entzündung um den Zeckenbiss. Dieser »rote Fleck« schmerzt meist nicht (1. Stadium).

Der "rote Fleck" deutet auf eine Infektion mit Borreliose hin.
Foto: Jost Jahn

  • Wochen bis Monate nach dem Zeckenstich können brennende Nervenschmerzen auftreten, meist in der Nähe der Zeckenstichstelle bzw. des »roten Flecks« (siehe Bild). Es kann zu Schwellungen der Lymphknoten, Lähmungen oder auch zu Herzmuskel- oder Herzbeutelentzündung kommen (2. Stadium).
  • Monate oder Jahre nach der Infektion kann eine Gelenkentzündung auftreten. Am häufigsten betroffen sind die Kniegelenke, gefolgt von Sprung-, Ellenbogen-, Finger-, Zehen-, Handwurzel- und Kiefergelenken. Diese »Lyme-Arthritis« kann jederzeit ausheilen, kann den Betroffenen aber auch lebenslang begleiten.
  • Eine spontane Ausheilung ist in jedem Stadium der Borreliose möglich. Etwa 50 Prozent der Infektionen verlaufen völlig beschwerdefrei.
  • Borreliose kann man in frühen Stadien mit Antibiotikum behandeln, in späteren Stadien lässt die Wirksamkeit der Therapie nach. Umstritten ist, nach einem Zeckenstich prophylaktisch Antibiotika zu nehmen.

 

Beim Verdacht auf eine Infektion sollte man umgehend den Arzt aufsuchen. Dieser Artikel dient zu Informationszwecken und ersetzt keine medizinische Beratung!

Wie Sie vorbeugen können

Schützt nicht vor der Zecke, aber vor FSME: Die Schutzimpfung.
Foto: © Claudia Hautumm / Pixelio

Zeckenbisse vermeiden: kein Problem für Menschen, die sich vornehmlich in geschlossenen Räumen aufhalten. Die Menschen allerdings, die es raus, ans Wasser, ins Grüne, fernab der Wege zieht - die müssen auf sich aufpassen.

 

Bisse vermeiden & »Zecken-Check«

 

  • Aufpassen bei Kontakt zu bodennahen Pflanzen (hohes Gras, Kraut, Farne, Gestrüpp).
  • Tragen langer Kleidung, die möglichst viel Körperoberfläche bedeckt (z. B. langer Neo, langärmelige Paddeljacke und Knöchel bedeckende Schuhe).
  • Scout-Trupp, Shuttlebunnys & Fotografen: Nicht besonders kleidsam, aber wirkungsvoll - die Hosenbeine in die Socken stopfen.
  • Abwehrmittel (»Repellentien«) wirken in gewissem Umfang auch gegen Zecken; nach etwa zwei Stunden lässt ihre Wirkung meist nach.
  • Abends nach dem Aufenthalt in Gebieten mit Zeckenvorkommen sollte der Körper sorgfältig nach Zecken abgesucht werden.
  • Zecken mögen es warm und bevorzugen dünne Haut. Besonders beliebt sind bei ihnen Kniekehlen, Schritt, Hals, Kopf - aber auch die Zehenzwischenräume zum Beispiel. Insbesondere bei Kindern können die Zecken am Haaransatz sitzen.

Maßnahmen nach dem Biss & Entfernung

Der zweite Schlitz dient der Beseitigung kleinerer Nymphen.

Hat die Zecke erst einmal zugebissen, gilt es schnell zu handeln. »Geheimtipps« gegen Zecken gibt es zuhauf: abdrehen, abbrennen, mit Öl oder Klebstoff beträufeln. Vergessen Sie das alles. Durch Holzhammer-Methoden wird die Zecke so gestresst, dass sie ihren Darminhalt in die Stichstelle entleert – und dann ist der Schaden eventuell größer als vorher.

 

So geht's richtig: Die Zecke möglichst nah und parallel zur Hautoberfläche fassen und gerade von der Haut streifen (Nicht drehen! Zecken haben kein Gewinde). Dabei den Körper nicht zu sehr quetschen, damit keine Keime in die Haut gedrückt werden. Ideale Hilfsmittel sind spezielle Pinzetten (Apotheke) oder die »Safecard«. Sollte dies nicht klappen oder ein Rest der Zecke in der Wunde bleiben, suchen Sie einen Arzt auf. Abseits der Zivilisation kann man Zecken notfalls direkt über dem Hautniveau abschneiden (mit Einmalrasierer, Skalpell oder sehr scharfem Messer). Das Infektionsrisiko wird durch Zeckenreste nicht erhöht, die Reste eitern aus. Der Flurschaden einer improvisierten chirurgischen Komplettentfernung ist sicher größer. In jedem Fall sollte die Stelle nach der Entfernung gründlich desinfiziert werden.

Mit der »Safecard« im Scheckkartenformat streift man Zecken elegant ab.

Zum Arzt oder nicht?

 

Wenn man grippeähnliche Symptome bei sich feststellt (z.B: ungewohnte Müdigkeit, Fieber oder Kopfschmerzen) oder eine Hautrötung um eine potentielle Einstichstelle auftritt, dann sollte man einen Arztbesuch in Erwägung ziehen.

 

Es kann mehrere Wochen dauern, bis sich nach einem Zeckenbiss Symptome einer Erkrankung zeigen.

 

Beim Verdacht auf eine Infektion sollte man einen Arzt aufsuchen. Dieser Artikel dient zu Informationszwecken und ersetzt keine medizinische Beratung!

Schon gewusst? Kurioses zu Zecken

Alles, was Sie über Zecken wissen müssen

Eine Nase haben Zecken nicht - sie riechen stattdessen mit dem "Haller'schen Organ". Dieses sitzt an der Innenseite der vorderen Beine und kann Kohlendioxid, Ammoniak (kommt in Urin vor), Butter- und Milchsäure (in Schweiß) und andere Stoffe wahrnehmen. Vermutlich kann es noch weitere physikalische Reize wie Licht und Temperatur feststellen.

 

Männer erkranken häufiger an FSME als Frauen, fanden Eckhart Petri und Jiri Beran heraus. Von insgesamt 2.263 Fällen waren fast doppelt so viele Männer (1.471) erkrankt als Frauen (792). Zunächst hatte man angenommen, dass Männer mehr Zeit draußen und damit in zeckenverseuchten Gebieten zubringen. Doch so einfach ist es nicht: dagegen spricht, dass eine andere von Zecken übertragene Erkrankung häufiger Frauen betrifft: die Borreliose. Hier sind die erkrankten Frauen leicht in der Überzahl. Es wird vermutet, dass die Immunabwehr von Männern und Frauen unterschiedlich funktioniert.

 

Zecken saugen nicht nur Blut - sie geben auch etwas zurück. Nämlich:

  • einen Gerinnungshemmer, der das Verstopfen des Saugrüssels verhindert und den Blutfluss verbessert;
  • eine Art Klebstoff, der die Mundwerkzeuge fest in der Haut verankert;
  • ein Betäubungsmittel, das die Einstichstelle unempfindlich macht; und
  • einen entzündungshemmenden Wirkstoff, der eine Infektion der Einstichstelle und somit eine Immunabwehr des Wirtskörpers vermeiden soll.

 

Das Atemorgan der Zecke, die Tracheenöffnungen, befinden sich an der Unterseite der Zecke zwischen dem vorletzten Beinpaar.

 

Um sich von der aus dem Ei geschlüpften Larve zur »Nymphe« zu wandeln, muss die Larve erst einmal Blut zu sich nehmen. Danach entwickelt sie sich weiter. Nymphen werden circa 1,5 bis 2 Millimeter groß. Nach einer weiteren Blutmahlzeit häutet sich die Nymphe dann und entwickelt sich weiter zur ausgewachsenen Zecke. Schon als Larve können die Parasiten Krankheitserreger übertragen.